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Überzeugen statt Überrumpeln

Meine Sicht: Andreas Fritsche zur Impfstrategie in Brandenburg

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Nicht jeder ist so überzeugt vom Impfen wie diese Dame aus einem Seniorenheim bei Tübingen.
Nicht jeder ist so überzeugt vom Impfen wie diese Dame aus einem Seniorenheim bei Tübingen.

Wie schnell sich die Hoffnung auf ein Ende der Coronakrise erfüllt, hängt davon ab, wie schnell die Bevölkerung geimpft wird. Gemessen daran könnte es als sträfliches Versagen gewertet werden, dass Brandenburg mit erst 3219 Impfungen im Vergleich der Bundesländer weit zurückliegt. Nur Thüringen ist mit 810 Impfungen noch deutlich langsamer vorangekommen. Da ist es kein Wunder, dass Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) sich Kritik von Journalisten und Koalitionspartnern anhören muss. Allerdings wäre es fair, ihr noch einige Tage Zeit zu geben. Denn am Dienstag starten die Impfzentren. Es bleibt abzuwarten, wie sie anlaufen. Schließlich ist zu hören, dass in Berlin ein Arzt einen Tag lang nur sechs Spritzen setzte, weil zu wenige Impfwillige ins Impfzentrum kamen. Dann wurde das Zentrum sogar geschlossen. Auch das ist kein Wunder. Nachdem es über den russischen Impfstoff Sputnik hieß, er sei zu früh eingesetzt worden und noch nicht ausgereift, fragt man sich nun natürlich, wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer schneller zugelassen werden konnte als üblich. Sogar Ärzte und Krankenschwestern zögern deswegen.

Die Fragen lassen sich beantworten. Das braucht aber seine Zeit. Es dauert auch, die Einwilligung der Angehörigen dementer Pflegeheimbewohner einzuholen. Darum liege Thüringen so weit zurück, weil es sich auf die Pflegeheime konzentriert, heißt es. Die Strategie, die Menschen zu überzeugen, statt sie zu überrumpeln, ist erstens grundsätzlich richtig und könnte zweitens am Ende die bessere sein. Doch am 8. Januar, wenn die nächste Lieferung Impfstoff eintrifft, sollte eine bessere Impfzahl absehbar sein. Sonst hat Nonnemacher ein Problem.

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