Werbung

Altbackener Neoliberalismus

Simon Poelchau über Rufe der Chefs nach einem neuen Tarifrecht

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 1 Min.
Rainer Dulger
Rainer Dulger

Rainer Dulger ist erst sehr kurz als Arbeitgeberpräsident im Amt. Da muss er sich noch profilieren. Und das geht am Besten mit möglichst provokanten Forderungen. Forderte er gerade erst noch ein späteres Eintrittsalter, legt er nun mit dem Ruf nach einer »Reform« des Tarifrechts nach.

Natürlich hat der Boss der Bosse damit nichts anderes als die Schwächung der Gewerkschaften und Arbeitnehmerschaft im Sinn, die sich in niedrigeren Löhnen und höheren Profiten niederschlagen soll. Es ist ein Anliegen, das so alt ist wie der Kapitalismus. Dafür benutzt Dulger Wort wie Modernisierung und Flexibilisierung, die Fortschrittlichkeit vorgaukeln sollen. Es sind dieselben leeren Phrasen, mit denen einem vor nunmehr 20 Jahren der Neoliberalismus à la Agenda 2010 schmackhaft gemacht werden sollte. Auch die Phrasen sind also altbacken.

Das Gute aber ist, dass diese Story nicht mehr verfängt, der Neoliberalismus spätestens vor zehn Jahren seinen Höhepunkt überschritten hat. Seitdem kam es, wenn auch in Trippelschritten, eher zu Verbesserungen als zu Verschlechterungen: Der Mindestlohn wurde eingeführt und jüngst wurden Werkverträge in der Fleischindustrie verboten, um zwei Beispiele zu nennen. Dulger kann mit seinen Forderungen also getrost wieder einpacken.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln