Wohin geht die Reise 2021?

Der Blick in die Glaskugel garantiert nicht, dass es so kommt wie vorhergesagt. Dennoch zeichnen sich ein paar Dinge in Sachen Reise deutlich ab

Von Tinga Horny

Neues Jahr, neues Glück. Das erste Corona-Jahr liegt hinter uns, und nun setzen viele Menschen auf die Impfung in der Hoffnung, endlich ihr »normales« Leben zurückzubekommen. Dazu gehören vor allem unbegrenzte Mobilität und Reisen. Doch so nachvollziehbar der Wunsch nach einer Normalität wie »früher« ist, so sehr drückt die Pandemie auch den nächsten zwölf Monaten ihren Stempel auf.

Trend Nummer 1 - Deutschland: Wegen Covid-19 wurde die Bundesrepublik 2020 unfreiwillig zum beliebtesten Reiseziel der Deutschen. Alle drängten an die Küsten von Nord- und Ostsee beziehungsweise in die bayerischen Alpen. Aber auch 2021 werden die meisten im Land bleiben. Einer aktuellen Analyse des Meinungsforschungsinstituts Yougov zufolge planen 40 Prozent innerhalb Deutschlands Urlaub und 34 Prozent wollen überhaupt nicht - weder beruflich noch privat - verreisen. Aber auch ohne Pandemie wäre Deutschland laut der jährlichen Reiseanalyse der Top-Favorit, und zwar schon seit 1970.

Trend Nummer 2 - Fernreisescheu: Die Branche hofft angesichts von Corona-Impfungen und Schnelltests auf eine schnelle Rückkehr der Nachfrage bei Flügen und vor allem Fernreisen. Doch die Hoffnung könnte enttäuscht werden, denn Maskenpflicht im Flieger sowie drastische Einreisebeschränkungen von Land zu Land werden nicht sofort aufgehoben werden. Zudem spielt bei Reisenden laut der Yougov-Analyse zunehmend das Gesundheitsrisiko eine Rolle bei der Wahl des Reiseziels. Thailand zum Beispiel rechnet daher 2021 mit nur acht Millionen Touristen und frühestens 2024 mit 40 Millionen Urlaubern - so wie vor Corona.

Trend Nummer 3 - Preisstabilität: Der zu erwartende hohe Nachholbedarf an Pauschalreisen treibt die Preise nicht in die Höhe. So verspricht Ingo Burmester, Zentraleuropa-Chef von DER Touristik (Dertour, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen): »Reisen an sich wird 2021 günstig sein.« Vor allem extrem vom Tourismus abhängige Länder wie die Türkei und Ägypten dürften preiswert bleiben. Zugleich rechnen die Veranstalter nicht mit Engpässen, weil viele wegen der Kurzarbeit kleinere Brötchen backen müssen. Das wiederum kommt den Reiseanbietern entgegen, die im neuen Jahr zahlreiche 2020 gebuchte, aber wegen Corona verschobene Reisen einlösen müssen.

Trend Nummer 4 - Hotelhygiene: Einer Umfrage von Airbnb zufolge ist für 60 Prozent der Gäste Sauberkeit ein entscheidender Buchungsfaktor. Kontaktloses Einchecken, Spuckschutz an der Rezeption, Frühstücksbuffets nur mit Zeitfensterzuteilung, mehr Platz pro Kopf am Tisch, Pool und Strand, Desinfektion von Fernbedienungen und Stellen, die ständig angefasst werden, sowie Zimmern nach Gastwechsel - dank Corona hat sich die Hygiene verbessert. Nicht alles wird davon verschwinden, denn nach der Pandemie ist vor der Pandemie. Ein Lockdown ist teurer als die Mehrausgaben für höhere Hygienestandards.

Trend Nummer 5 - Slow Travel: Es müssen nicht immer möglichst viele Museen, Sehenswürdigkeiten oder Adrenalin aktivierende Aktivitäten pro Tag sein. Corona hat vielen auf die harte Tour beigebracht, dass Leerlauf ziemlich erholsam sein kann. Warum also der Stress im Urlaub? Slow Travel heißt in Anlehnung an den Slow-Food-Gedanken das Modewort dafür und bedeutet nichts anderes, als die Entdeckung der Langsamkeit zuzulassen und dafür umso intensiver zu erleben.

Trend Nummer 6 - Undertourism: Nur weil in den nächsten Monaten Covid-19 dank Biontech und Co. beherrschbar wird, bedeutet das nicht, dass es uns zurück an die überlaufenen Urlaubsorte drängt. Menschenmassen sind immer potenzielle Keimquellen. Statt Overtourism ist das Gegenteil angesagt und wird nicht wenige Reisende dazu bringen, buchstäblich das Weite zu suchen und Orte mit viel Gedränge zu meiden. Ziele abseits der ausgetretenen Pfade wie Kapverden, Färöer Inseln oder Shetland Inseln rücken in den Fokus.

Trend Nummer 7 - Nachhaltigkeit: Das N-Wort hat weniger mit Verzicht als mit Eigeninteresse zu tun. Vom behutsameren Umgang mit Ressourcen und dem Versuch, klimafreundlicher zu reisen, profitiert jeder, der selbst eine intakte Umwelt genießen will. Es beginnt mit der Müllvermeidung (Stichwort Plastik) und geht weiter mit der Unterstützung der jeweils lokalen Wirtschaft bzw. der Buchung ökofreundlicher Herbergen. Auch beim Umweltfaktor Flugzeug bewegt sich etwas. Laut einer aktuellen Greenpeace-Umfrage unter 1001 Teilnehmern wären 64 Prozent des Klimas zuliebe bereit, nur noch alle drei Jahre mit dem Flieger in den Urlaub zu reisen. Muster-Passagiere kompensieren zudem die Treibhausgasemissionen mit einem freiwilligen CO2-Obolus.

Trend Nummer 8 - Camping: Vor allem in den letzten Jahren wurden Wohnmobile und die Möglichkeiten, das eigene Auto im Handumdrehen in ein Bett zu verwandeln, immer populärer. Die Pandemie hat die Nachfrage zusätzlich angeheizt. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 wurden dem Caravaning Industrie Verband zufolge 70551 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen - mehr als jemals zuvor. Das entspricht einem Plus von 15,3 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Reisen mit dem rollenden Schneckenhaus bedeutet Freiheit und ist vor allem extrem kompatibel mit den AHA-Regeln.

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