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Beratung von Glücksspielsüchtigen in Bedrängnis

Land Brandenburg gibt Zuschüsse jetzt nicht mehr direkt an Beratungsstellen, sondern an die Landkreise und kreisfreien Städte

Potsdam. Die Brandenburger Beratungsstellen für Glücksspielsucht befürchten, dass sich ihre Arbeit wegen einer geänderten Finanzierung bald verschlechtern könnte. Die bisher vom Land gezahlten direkten Zuschüsse an die Beratungsstellen werden seit Jahresbeginn pauschal zur eigenen Verwendung an die Kommunen überwiesen. »Statt die Gelder wegen der vermehrten Suchtfälle durch die Corona-Pandemie zu erhöhen, läuft die neue Finanzierung faktisch auf eine Mittelkürzung hinaus«, sagte Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin.

Die Landesmittel von 400 000 Euro im Jahr, die die 13 Beratungsstellen bisher erhielten, müssten sich künftig die 14 Landkreise und vier kreisfreien Städte teilen, befürchtete Kostka. Ihr Caritasverband unterhält in Oranienburg und Falkensee Suchtberatungsstellen. Außerdem drohe die Gefahr, dass die Kommunen die Mittel anders als bisher verteilen und die Suchtberatung »unter ferner liefen« abgestuft werde, sagte Kostka. Die direkte Förderung der Glücksspielsuchtberatung war im Zuge eines Modellprojektes des Bundes 2008 entstanden und später vom Land weitergeführt worden, wie das Sozialministerium dem Landtagsabgeordneten Günter Baaske (SPD) auf eine Anfrage antwortete. Die »fachliche Erkenntnis« habe dann ergeben, dass sich die Glücksspielsucht nicht von anderen Süchten unterscheide. Daher sei eine Sonderstruktur dieser Arbeit nicht weiter gerechtfertigt, sondern Teil der allgemeinen Suchtberatung, so das Ministerium. Laut Baaske gibt es zwischen der Beratung von Glücksspielopfern und Alkohol- oder Tablettensüchtigen aber durchaus Unterschiede. »Wer in der Drogenberatung arbeitet, muss sich mit Glücksspielen überhaupt nicht auskennen - dazu gibt es auch eine ganz andere Ausbildung«, sagte er.

Caritasdirektorin Kostka sieht bei der Beratung von Spielsüchtigen ebenfalls spezielle Anforderungen. »Das ist ein schnelllebiger Markt, die Berater müssen sehr internetaffin sein.«

Auch der Abgeordnete Baaske befürchtet, dass die Suchtberatung in den Landkreisen eingeschränkt werden könnte, »in denen die Kämmerer mehr zu sagen haben als die Sozialdezernenten«. Die jüngste Kritik des Landesrechnungshofes an Landkreisen, die Zuschüsse für nicht vorhandene Flüchtlingsplätze kassierten, bestätige seine Skepsis, betonte Baaske. »Wenn man es nicht kontrollieren kann, sollte man sich auch nicht darauf verlassen, dass das Geld dorthin geht, wo es gebraucht wird.«

Nach Angaben der Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat die Stadtverwaltung Potsdam mitgeteilt, dass die Förderung der Glücksspielberatung nicht mehr anerkannt werde, weil es sich um eine freiwillige Leistung handle. Die Potsdamer Suchtberatungsstelle wird von der AWO betrieben. Konkret geht es um eine Stelle in der Beratung und einen Jahresbetrag von rund 25 000 Euro, der der Suchtberatung in Potsdam nun fehle, sagte die AWO-Bezirkschefin Angela Schweers,. Dabei müsse die Beratung mit Blick auf die Coronakrise eigentlich »um das Doppelte bis Dreifache« aufgestockt werden. »Die Krankenkassen schlagen Alarm, da die psychischen Erkrankungen, wie die Glücksspielsucht während des Lockdowns stark zunehmen«, warnte Schweers. Noch größer werde der Beratungsbedarf, wenn der neue Staatsvertrag zum Glücksspielwesen im Juli in Kraft trete, der Online-Casinos erlaubt. Dann sind diese Casinos legal, die ihre Geschäfte bisher oft von Malta aus betreiben. dpa/nd

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