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Rechte Schriften in Apotheke

Ermittlungen gegen einen Pharmazeuten aus Schleswig-Holstein

  • Von Dieter Hanisch, Uetersen
  • Lesedauer: 2 Min.
Rechtsextremismus: Rechte Schriften in Apotheke

In der letzten Zeit haben sich deshalb die Beschwerden gehäuft. Der Apotheker Alexander L. selbst sieht sich nach eigenen Worten einer Schmutz- und Verleumdungskampagne ausgesetzt. Aufgefallen ist die Sonnen-Apotheke in Uetersen der regionalen Antifaschistischen Initiative schon seit mehreren Jahren durch eine eindeutig rechtslastige Schaufenstergestaltung oder Aufkleber und Schriften, für die geworben wurde bzw. die dort auslagen. Zeitweilig konnte man sich dort auch mit Materialien der AfD versorgen. Aktuell sind noch Informationen von Impfgegnern und Lockdown-Rebellen hinzugekommen.

Schilder, Symbole, Botschaften - die Kunden werden allein schon optisch in der Apotheke indoktriniert. Dokumentiert wurde all dies durch Fotos der Antifaschistischen Initiative. Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN/BdA) fasst es so zusammen: »Ein widerliches Gemisch aus völkischer Heimattümelei, Esoterik und Nazipropaganda.«

Und bei Recherchen zu den Urhebern von all dem Material stößt man unter anderem auch auf den Online-Versandhandel »Patrioten Propaganda«, laut Impressum betrieben von Michael Brück, Ex-Funktionär der rechtsextremen Splitterpartei Die Rechte und kürzlich in den Schlagzeilen wegen seines Umzugs von Dortmund nach Chemnitz. Die bereits durch die Apotheke propagierte Losung »Umweltschutz bedeutet Heimatschutz« zählt seit vielen Jahren zum klassischen Narrativ-Baukasten diverser rechtsextremistischer Parteien und Gruppierungen.

Dem plakativ dargestellten Appell »Esst deutsches Obst« ist juristisch nicht beizukommen. Wenn wie in Uetersen beim Wort »Esst« aber die Schriftform zweier SS-Siegrunen gleichender Buchstaben verwendet wird, sollte sich nach Meinung des zuständigen Itzehoer Beratungsteams gegen Rechtsextremismus damit vielleicht doch ein Staatsanwalt beschäftigen.

Es gehe laut Karl-Stefan Zerres, Justitiar der Apothekerkammer, auch um Dinge, die einen nationalsozialistischen Hintergrund aufweisen. Der 50-jährige L. verweist auf sein historisches Interesse. Wird dem Pharmazeuten aus Uetersen ein Pflichtverstoß gegen das Berufsrecht nachgewiesen, droht ihm im mildesten Fall ein Verweis, es könnte ihm aber auch eine höhere Geldbuße einbringen. Den Anschuldigungen gegen ihn begegnet L. sarkastisch. Er freue sich seit kurzem über viele neue Kunden in seiner Apotheke.

Mit Ende des Kalten Krieges wurden in Westdeutschland nach und nach sogenannte »Warnämter«, die die Bevölkerung über einen Kriegsbeginn informieren sollten, aufgelöst. Viele Gegenstände und Geräte aus solch einem ehemaligen schleswig-holsteinischen Warnamt hat L. in seinen Besitz genommen und in einem Art Privatmuseum ausgestellt. Draußen hat er ein nicht zu übersehendes Schild mit der Aufschrift »Sperrgebiet - Betreten verboten!« angebracht.

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