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Oxfam: Pandemie droht soziale Ungleichheit zu verschärfen

Hilfsorganisation beklagt Profit von Milliardären trotz Krise

  • Lesedauer: 3 Min.
Einkommensungleichheit: Oxfam: Pandemie droht soziale Ungleichheit zu verschärfen

Berlin. Die Corona-Pandemie wird nach Einschätzung der Entwicklungshilfsorganisation Oxfam zu einer weltweiten Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit führen. Die Auswirkungen von Covid-19 treffe Menschen im globalen Süden deutlich stärker als die im Norden, heißt es in dem am Montag in Berlin veröffentlichten Oxfam-Bericht »The Inequality Virus«. Vor dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos, das in diesem Jahr online als »Davos Agenda« stattfindet, gibt die Hilfsorganisation alljährlich einen eigenen Report zu sozialer Ungleichheit heraus. Oxfam spricht sich für eine »Demokratisierung der Wirtschaft« aus, um die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern.

»Während die 1.000 reichsten Menschen ihre Verluste in der Coronakrise in nur neun Monaten wettmachten, könnte es mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Ärmsten von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erholt haben«, erklärte Oxfam. Damit drohe zum ersten Mal seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen vor über einem Jahrhundert eine Verschärfung der wirtschaftlichen Ungleichheit in fast allen Ländern.

Für den Bericht hat Oxfam nach eigenen Angaben 295 Wirtschaftsforscherinnen und -forscher aus 79 Ländern befragt. 87 Prozent der Wissenschaftler, darunter Ungleichheitsforscher wie der US-Ökonom Jeffrey Sachs, die indische Ökonomin Jayati Ghosh und der Franzose Gabriel Zucman, erwarteten demnach als Folge der Pandemie in ihrem Land eine »Zunahme« oder einen »starken Anstieg« der Einkommensungleichheit. Für diesen Fall prognostiziere die Weltbank zudem, dass noch 2030 mehr Menschen in Armut leben werden als vor der Pandemie.

Als Hauptursache für die wachsende Ungleichheit benennt Oxfam das aktuelle Wirtschaftssystem, das vor allem auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sei. Die Hilfsorganisation fordert deshalb eine »Demokratisierung der Wirtschaft«. Demnach sollten Unternehmen »so reguliert werden, dass die Interessen aller von Unternehmensentscheidungen Betroffenen berücksichtigt werden«. Nötig seien »ein effektives, gemeinwohlorientiertes Kartellrecht und sektorspezifische Regulierungen, die eine gerechte Verteilung von Gewinnen innerhalb der Lieferkette und die Einhaltung fairer Handelspraktiken sicherstellen«.

Gemeinwohlorientierte Unternehmen sollten besonders gefördert werden. Zudem müssten kurzfristig »Unternehmen und Superreiche angemessen an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt« werden. Diese Steuergelder sollten eingesetzt werden, um insbesondere in Ländern des Südens Menschen in Armut zu unterstützen und öffentlich finanzierte Systeme für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherung auszubauen, von denen vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen profitieren.

Hände weg vom Sozialstaat
Markus Drescher über die Finanzierung der Corona-Ausgaben

Geld sei dafür weltweit genug da, hieß es weiter. Wären die Extragewinne der 32 globalen Konzerne, die im vergangenen Jahr trotz Pandemie die größten Zuwächse hatten, mit einer einmaligen Steuer belegt worden, wären 104 Milliarden US-Dollar zusätzlich verfügbar, erklärte Oxfam. Weiter forderte die Organisation: »Die Corona-Pandemie muss ein Weckruf sein, extreme Ungleichheit und Armut endlich bei der Wurzel zu packen.« epd/nd

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