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+++ Fast zwei Drittel der Corona-Toten sterben im Pflegeheim +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Mittwoch, 27. Januar 2021: +++ Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Beschränkungen im Libanon +++ Ärztekammer: Impfstoff-Engpässe schnell beheben +++

  • Lesedauer: 6 Min.
«Corona-Tote sichtbar machen» steht auf einem Karton. Mehrere Plakate, Grablichter und Kerzen stehen auf dem Podest des Stierbrunnens in Prenzlauer Berg und erinnern an die die aktuelle Zahl der Toten durch Corona in Deutschland.
«Corona-Tote sichtbar machen» steht auf einem Karton. Mehrere Plakate, Grablichter und Kerzen stehen auf dem Podest des Stierbrunnens in Prenzlauer Berg und erinnern an die die aktuelle Zahl der Toten durch Corona in Deutschland.

Berlin. Fast zwei Drittel der Corona-Toten in Berlin sind in Alten- und Pflegeheimen gestorben. Das geht aus einer Statistik der Gesundheitsverwaltung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch vorlag. 1259 Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen starben demnach - Stand Dienstag - an oder mit Covid-19. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Corona-Opfer (2101) lag damit bei 60 Prozent.

Ältere und gebrechliche Menschen gelten als besondere Risikogruppe in der Pandemie. Das wird auch in anderen Statistiken deutlich. So waren laut Corona-Lagebericht 1850 der bislang 2101 Corona-Toten in Berlin - also 88 Prozent - 70 Jahre oder älter. Nicht alle davon lebten in Seniorenheimen. Allerdings gab es in der Vergangenheit in solchen Heimen immer wieder größere Corona-Ausbrüche.

Deshalb gehören die Menschen dort zu den ersten, die gegen das Coronavirus geimpft werden. Bis Dienstag waren laut Gesundheitsverwaltung 82 Prozent der Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen geimpft, 38 Prozent bereits zum zweiten Mal.

Um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, geht der Senat davon aus, dass sich 70 bis 74 Prozent der Berliner Bevölkerung zweimal impfen lassen müssen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichen Antwort der Gesundheitsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der CDU hervor. Zur Frage, wann diese Impfquote erreicht werden könne, seien noch keine Aussagen möglich, hieß es.

+++ Dutzende Verletzte bei Protesten gegen Beschränkungen im Libanon +++

Beirut. Bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen hat es im Libanon erneut Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben. Mindestens 45 Menschen wurden bei den Ausschreitungen in Tripoli im Norden des Landes in der Nacht zu Mittwoch nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes verletzt. Mindestens neun Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Demonstranten warfen Molotowcocktails, Feuerwerkskörper und Steine auf die Sicherheitskräfte. Diese gingen mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Protestierenden vor, wie ein AFP-Korrespondent berichtete. Tripoli gehörte bereits vor der Pandemie und ihren wirtschaftlichen Auswirkungen zu den ärmsten Gegenden des Libanon.

Seit die Regierung Anfang des Monats einen Lockdown verhängt hat, haben viele Einwohner von Tripoli kein Einkommen mehr. »Ich kann nicht einmal Brot nach Hause bringen«, sagte der Demonstrant Abdullah al-Bahr, Vater von drei Kindern. »Wir werden entweder an Hunger oder am Coronavirus sterben.« Bereits am Montag waren bei Ausschreitungen in Tripoli 30 Menschen verletzt worden.

Ein ursprünglich bis zum 25. Januar angesetzter Lockdown im Libanon war zuletzt bis zum 8. Februar verlängert worden. In dem Mittelmeerstaat mit sechs Millionen Einwohnern breitet sich das Coronavirus derzeit stark aus. Seit Pandemie-Beginn wurden mehr als 285.000 Infektionen mit Sars-CoV-2 nachgewiesen, mehr als 2400 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Der Libanon steckt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Das libanesische Pfund befindet sich seit dem Sommer im freien Fall. Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt nach Angaben der UNO unter der Armutsgrenze.

+++ RKI meldet 982 weitere Corona-Tote +++

Berlin. Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 13.202 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 982 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI am Mittwochmorgen bekanntgab. Vergangenen Mittwoch hatte das RKI 15.974 Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Mittwochmorgen bei 101,0. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Die Zahl schwankte danach und sinkt seit einigen Tagen wieder. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bei 0,88 (Vortag 0,95). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 88 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

+++ Ärztekammer: Impfstoff-Engpässe schnell beheben +++

Düsseldorf. Die Bundesärztekammer hat die Bundesregierung und die EU-Kommission aufgefordert, bei den Herstellern von Corona-Impfstoffen auf die Einhaltung der vertraglich zugesicherten Mengen und Termine zu drängen. Die Ursachen der Lieferschwierigkeiten etwa bei Astrazeneca müssten »umfassend geklärt und so schnell wie möglich behoben werden«, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der Düsseldorfer »Rheinischen Post«. Vor allem die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen und die Beschäftigten in Kliniken und Pflegeinrichtungen müssten geimpft sein, »bevor sich die hochansteckende Virusvariante aus Großbritannien weiter in Deutschland ausbreitet«, erläuterte Reinhardt. »Da zählt buchstäblich jeder Tag.« Die mehr als 440 Impfzentren in Deutschland könnten laut Reinhardt längst im Volllastbetrieb laufen, wenn genügend Impfstoffe zur Verfügung stünden. Gleiches gelte für die Arztpraxen. Der britisch-schwedische Hersteller Astrazeneca hatte vor kurzem Engpässe bei der Belieferung der Europäischen Union mit dem Vakzin bekanntgegeben.

+++ Homeoffice-Vorgaben treten in Kraft +++

Berlin. Mehr Beschäftigte als bisher sollen ab diesem Mittwoch wegen der Coronakrise zu Hause arbeiten. Mit neuen Vorgaben werden Arbeitgeber verpflichtet, ihren Mitarbeitern in bestimmten Fällen das Arbeiten im Homeoffice anzubieten. »Wer kann, arbeitet zu Hause«, das sei das Ziel der neu in Kraft tretenden Verordnung, sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast. »Nachdem wir unsere privaten Begegnungen bereits massiv heruntergefahren haben, geht es jetzt um berufliche Kontakte.« Gerade Bürojobs sollten von zu Hause aus erledigt werden, forderte Mast. Zugleich sei sie zuversichtlich, »dass es harte Kontrollen gar nicht braucht«, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. »Vieles regelt sich durch vorbildliches Verhalten und gemeinsam nacheinander schauen. Das gilt im Berufs- wie Privatleben gleichermaßen.« Die Einhaltung der Verordnung soll von den Arbeitsschutzbehörden der Länder kontrolliert werden. Laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) muss der Arbeitgeber auf Verlangen der Behörden Gründe darlegen, weshalb Homeoffice nicht möglich sei. Im »allergrößten Notfall« seien auch Bußgelder von theoretisch 30.000 Euro möglich.

+++ Ciesek: Corona-Mutationen nur europaweit aufzuhalten +++

Hamburg. Um die Ausbreitung von Coronavirus-Varianten aus anderen Ländern zu verlangsamen, braucht es aus Sicht von Wissenschaftlern einen europaweiten Plan. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek und andere fordern in der Fachzeitschrift »The Lancet« unter anderem einheitliche Regeln für Einreisende. »Wir müssen versuchen, die Ausbreitung der Varianten in Deutschland zu verzögern«, sagte Ciesek am Dienstag im NDR-Podcast »Coronavirus-Update«. »Das kann nur europaweit funktionieren - weil wir nicht isoliert auf einer Insel leben.« In Deutschland wurden bisher Mutationen des Coronavirus aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien nachgewiesen. Die Variante aus Großbritannien sei sicher ansteckender, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Ob sie auch tödlicher sei, »kann man im Moment noch nicht abschätzen«. Wegen größerer Nähe, vieler Kontakte und verschiedener Verkehrswege sei es kaum möglich, diese Variante aufzuhalten. Man müsse aber die Ausbreitung verlangsamen, bis alle geimpft seien

Die Varianten aus Brasilien und Südafrika seien in Deutschland bislang kaum verbreitet, sagte Ciesek. Alle Fälle seien »importiert«, es seien keine Folgeansteckungen bekannt. Da diese Mutationen nur über Flughäfen eingeschleppt werden könnten, habe man hier bessere Chancen: »Wenn man konsequent testet, nachverfolgt und in Quarantäne steckt, hat man, glaube ich schon eine Chance, dass man das eine Weile eindämmen kann.« Agenturen/nd

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