Wenn der Notfall zur Regel wird

Hendrik Lasch über geschlossene Kitas mit großen Hintertüren

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: 2 Min.

Dass Krippen, Kitas und Horte in Zeiten von Corona nicht regulär geöffnet sind, ist ein Problem. Es ist schlecht für Kinder, die unter wochenlang fehlendem Kontakt zu Gleichaltrigen leiden, und für Eltern, die Homeoffice mit Kinderbetreuung rund um die Uhr in Einklang bringen müssen. Dass sie, womöglich gedrängt von ihren Arbeitgebern, nach Schlupflöchern suchen, um ihre Kinder doch in der Notbetreuung unterzubringen, ist verständlich.

Wenn sich, auf der anderen Seite, die Notbetreuung aber kaum noch vom regulären Betrieb unterscheidet und ein Drittel der Kinder, oft mehr, in den Einrichtungen zu betreuen sind, ist das unverantwortlich. Selbst mit gutem Willen sind Abstand und Beschränkung von Kontakten so nicht umzusetzen. Die Konsequenzen tragen die Erzieherinnen. Dass sie einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind, belegen Daten von Krankenkassen. Die Hoffnung, Corona werde um Kitas & Co. einen Bogen machen, war offenkundig eine Illusion.

Es braucht also gute Konzepte, bevor vom Not- schrittweise zu einer Art Regelbetrieb zurückgekehrt wird. Um regelmäßige Tests für Erzieherinnen führt kein Weg herum. So kann eine unbemerkte Ausbreitung des Virus gebremst werden. Auch Beschränkungen der Betreuungszeit sind unumgänglich. Es nützt nichts, wenn Kinder am Tag in festen Gruppen betreut werden, sich früh und nachmittags aber munter mischen. Um die Trennung auch in Randzeiten zu garantieren, fehlt es aber an Personal – ein Missstand, der vor der Pandemie durch die Arbeit in »offenen Gruppen« kaschiert wurde, aber jetzt um so schmerzlicher auffällt.

Und es braucht Kreativität. Museen haben gerade angemerkt, dass bei ihnen viel Platz ist. Mancherorts könnte derlei Kreativität helfen, dass es Kita-Zeit wieder für alle Kinder und Familien gibt – zumindest ein paar Stunden

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