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Warten auf das Batteriewunder

Trotz der EU-Förderzusage fehlen beim Tesla-Standort Grünheide konkrete Pläne für die Speicherzellenfabrik

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.

Gute Nachrichten werden gerade im Corona-Lockdown auch von der Politik begierig aufgegriffen. Dass die EU-Kommission am Montag ein insgesamt 2,9 Milliarden Euro schweres europäisches Großprojekt zur Batterieproduktion für Elektroautos genehmigt hat, ist eine gute Nachricht, auch für das Land Brandenburg. Denn dadurch, dass das Investitionsprojekt von zwölf EU-Ländern unter deutscher Leitung als »Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse« (IPCEI) eingestuft wurde, wie es in Brüssel heißt, ist auch der Weg für die Förderung des US-Unternehmens Tesla in Deutschland frei. Tesla hat vor Monaten angekündigt, am Standort seiner Automobil-»Gigafactory« in Grünheide (Oder-Spree) zusätzlich auch die Produktion von Batteriezellen einer revolutionär neuen Generation aufziehen zu wollen.

Als die Nachricht aus Brüssel in Potsdam eintraf, war die Landesregierung schier aus dem Häuschen. Und das, obwohl von der »weltgrößten« Batteriefabrik in Grünheide bislang wenig mehr als die wiederholten Ankündigungen von Tesla-Chef Elon Musk bekannt sind. Euphorisch twitterte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Nachmittag: »Großartiges Signal für internationalen Wirtschaftsstandort Brandenburg und Zeichen des Aufbruchs gerade in diesen Zeiten der Pandemie.« In einer Mitteilung der Staatskanzlei heißt es, dass damit die Förderung der von Tesla geplanten Ansiedlung einer Batteriezellenproduktion »grünes Licht« erhalte. Damit sei »ein weiterer innovativer Meilenstein für die Brandenburger Wirtschaft gesetzt«, erklärte Woidke. »Neben der Produktion von Elektroautos und Batteriezellen können damit auch Forschung und Entwicklung in Brandenburg erfolgen.«

Auch Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) zeigte sich erfreut. »Die Batterieproduktion kann weitere wertvolle Industriearbeitsplätze in Brandenburg schaffen«, sagte er und verwies auf bereits angelaufene Batterieprojekte des Chemieunternehmens BASF im Industriepark Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) und der US-Firma Microvast im Industriegebiet Eichspitze bei Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). »Das sind wichtige Bausteine für die Zukunftsfähigkeit der brandenburgischen Wirtschaft. Brandenburg wird so Schritt für Schritt zum Land der E-Mobilität«, versicherte der Minister.

Wie das »Manager Magazin« schreibt, dürfen EU-Staaten die an einem »Important Project of Common European Interest« (IPCEI) beteiligten Unternehmen in größerem Umfang finanziell unterstützen als sonst erlaubt. Europa muss nicht nur den jahrelangen Vorsprung asiatischer und US-amerikanischer Firmen bei Elektroautos aufarbeiten, es hinkt vor allem bei der Fertigung von Batteriezellen für E-Autos weit hinterher.

Ein erstes IPCEI-Vorhaben für europäische Staatsbeihilfen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro auf dem Gebiet der Batteriezellenfertigung hatte die EU-Kommission 2019 genehmigt. Mit 1,25 Milliarden Euro an öffentlichem Geld war Deutschland daran maßgeblich neben Frankreich beteiligt.

Von der jüngsten Förderzusage profitieren 42 Unternehmen aus zwölf Ländern unter Führung Deutschlands, die hohe Investitionsrisiken bei der Entwicklung innovativer Batterien und deren Überführung in die Produktion schultern müssen. Neben BMW und Fiat Chrysler ist auch Tesla mit von der Partie. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte die Anträge zur Genehmigung von Beihilfen für das zweite europäische Großprojekt am 10. Dezember in Brüssel eingereicht.

Bereits vor einer Woche hatte der Bund Tesla signalisiert, dass das Unterhemen mit Vorbereitungen für seine geplante Batteriefabrik beginnen könne, ohne den Verlust staatlicher Förderung zu riskieren. Man habe Tesla auf Antrag den vorläufigen Beginn von Maßnahmen gestattet, hatte das Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt. Von einer Baugenehmigung oder einer Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzrecht sei dabei nicht die Rede, Tesla trage das finanzielle Risiko.

Das Genehmigungsverfahren indes zieht sich für das gesamte längst im Bau weit fortgeschrittene Tesla-Automobilwerk an der A10 in die Länge. Obwohl der Produktionsstart in Grünheide für Juli 2021 vorgesehen ist, steht noch immer die Gesamtgenehmigung durch das Umweltministerium des Landes aus. Der Bau erfolgt auf der Basis von objektbezogenen Einzelgenehmigungen schrittweise. Allerdings habe der US-Konzern für eine Batteriezellenfabrik nach wie vor keinen Antrag gestellt, konkrete Unterlagen lägen nicht vor. Das bestätigte Claudia Lippert, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, auf nd-Anfrage. Weder Land, noch Kreis oder Gemeinde wissen bisher, wo genau die Fabrik geplant ist, und was in welchem Umfang dort konkret produziert werden soll. Minister Steinbach hatte im Wirtschaftsausschuss des Landtages erklärt, dass Tesla ihn auf Nachfrage gebeten habe zu warten. Das Unternehmen suche bereits Personal für die geplante Zellenfabrik.

Hohe Erwartungen löst die von Tesla angekündigte Massenproduktion einer neuen Batteriegeneration mit höherer Energiedichte aus, die zugleich umweltverträglicher erfolgen soll. Der Zelltyp solle sechsmal mehr Leistung haben, die Herstellung neu entwickelter Trockenelektroden beanspruche weniger Fläche und Energie. Bei gleicher Einbaugröße ermöglichten die neuen Batterien höhere Fahrzeugreichweiten und niedrigere Kosten. Die Fachwelt hatte Musk für seinen beim Tesla Battery Day 2020 präsentierten Zellentyp »4680« gefeiert. Von einem Durchbruch dank einer revolutionären Konstruktion war die Rede. Bei den Trockenelektroden ersetze Silikon als Anodenmaterial Grafit, die Kathode komme ohne das im Abbau extrem umweltschädliche Kobalt aus, im Metallmix werde mehr Nickel verwendet, hieß es.

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