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+++ Berlin will eigene Impfstoffproduktion aufbauen +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Donnerstag, 29. Januar 2021: +++ EU und Astrazeneca streiten um Impfstoff-Lieferung +++ Passagierzahl an Flughäfen um drei Viertel eingebrochen +++ WHO-Experten in Wuhan beginnen mit Untersuchung +++

  • Lesedauer: 5 Min.

Berlin. In Zusammenarbeit mit dem privaten Pharmaunternehmen Berlin-Chemie will Berlin eine eigene Impfstoffproduktion aufbauen. «Berlin steht bereit, auch was die Impfstoffproduktion angeht, mitzuhelfen», sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus. Die Gesundheitsverwaltung befinde sich diesbezüglich in Gesprächen mit Berlin-Chemie.

Das Unternehmen sei bereit, in Berlin eine eigene Impfstoffproduktion aufzubauen, sagte Kalayci. Demnach stehen die nötigen Ressourcen zur Verfügung, «um eine Impfstoffproduktion aufzubauen und schnell auszubauen». Laut Gesundheitssenatorin verfügt das Unternehmen sowohl über eine geeignete Produktionshalle als auch über das nötige Personal für die Herstellung von Impfstoff.

Derzeit werde in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung geprüft, wo es welche Kapazitäten zur Impfstoffproduktion gibt. «Wir können sagen, in Berlin hätten wir diese Kapazitäten», sagte Kalayci.

+++ EU und Astrazeneca streiten um Impfstoff-Lieferung +++

Brüssel. Die EU-Kommission und das Pharmaunternehmen Astrazeneca haben ihren Streit über die Lieferung von Corona-Impfstoff bei einem weiteren direkten Gespräch offenbar nicht beilegen können. Beide Seiten bezeichneten die Beratungen am Mittwochabend zwar als «konstruktiv». Doch beklagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, dass es weiterhin einen «Mangel an Klarheit» über den Zeitplan für die Versorgung der EU mit dem Astrazeneca-Vakzin gebe. Bei der Unterredung mit Unternehmenschef Pascal Soriot habe ein «konstruktiver Ton» geherrscht, schrieb Kyriakides im Kurzbotschaftendienst Twitter. Doch sei die fortbestehende Unklarheit über den zeitlichen Ablauf der Lieferungen bedauerlich. Die Kommission verlange von Astrazeneca einen «klaren Plan für die schnelle Lieferung der Mengen an Impfdosen, die wir für das erste Quartal reserviert haben».

Die Behörde werde mit dem britisch-schwedischen Unternehmen zusammenarbeiten, um Lösungen für die schnelle Lieferung von Impfdosen zu finden, kündigte Kyriakides an. Die «festen vertraglichen Verpflichtungen» müssten eingehalten werden«. Es war das bereits dritte Gespräch in dieser Woche zwischen der EU-Kommission und Astrazeneca über die Verzögerungen bei der Impfstoff-Auslieferung. Die Spannungen zwischen der Kommission und Astrazeneca hatten sich nach den ersten beiden Gesprächen vom Montag weiter verschärft.

+++ Passagierzahl an Flughäfen um drei Viertel eingebrochen +++

Berlin. Corona hat die Zahl der Passagiere an den deutschen Flughäfen auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gedrückt. Von Januar bis Dezember 2020 wurden bundesweit 63 Millionen Fluggäste gezählt, wie aus Branchendaten für die 21 Verkehrsflughäfen hervorgeht. Das ist nur ein Viertel der Zahl von 2019. Die Luftfahrtbranche spricht von der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Am Donnerstag will der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft Bilanz ziehen. Im März hatten Reisebeschränkungen wegen der Pandemie den Luftverkehr zusammenbrechen lassen. Während im Sommer wieder etwas mehr Menschen in Flugzeuge stiegen, herrscht seit dem Herbst wieder häufig Leere in den Terminals. Die Hälfte der Passagiere des gesamten Jahres 2020 wurden im Januar und Februar abgefertigt - vor den ersten Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Die Flughäfen schreiben Verluste in Milliardenhöhe.

+++ WHO-Experten in Wuhan beginnen mit Untersuchung +++

Wuhan. Nach zweiwöchiger Quarantäne hat ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seine Arbeit im chinesischen Wuhan zur Erkundung der Ursprünge des Coronavirus begonnen. Die Mitglieder der Expertengruppe bestiegen am Donnerstag einen Bus vor dem Hotel, in dem sie nach der Ankunft in China ihre Quarantäne verbracht hatten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Das erste Ziel der Experten in Wuhan war zunächst unklar. Dem WHO-Team gehört auch Fabian Leendertz vom Robert-Koch-Institut in Berlin an. In der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan war Ende 2019 der weltweit erste Infektionsherd des neuartigen Erregers festgestellt worden. Die meisten Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fledermäuse die ursprünglichen Wirte der Coronaviren waren. Ungeklärt ist aber, welches Tier bei der Übertragung auf den Menschen als sogenannter Zwischenwirt diente.

+++ Erneut heftige Ausschreitungen im Libanon +++

Beirut. Im Libanon ist es am dritten Abend in Folge bei Protesten gegen die Corona-Beschränkungen zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der Hafenstadt Tripoli im Norden des Landes lieferten sich Demonstranten am Mittwoch Straßenschlachten mit der Polizei. Nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurden dabei 226 Menschen verletzt. Demonstranten bewarfen die Sicherheitskräfte mit Molotow-Cocktails und Steinen, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete. Einige der Protestierenden versuchten, in den Sitz der Regionalregierung einzudringen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Bereits an den vorherigen Abenden waren bei den Konfrontationen dutzende Menschen verletzt worden. Tripoli gehörte bereits vor der Corona-Pandemie und ihren wirtschaftlichen Auswirkungen zu den ärmsten Gegenden des Landes. Seit die Regierung Anfang des Monats einen landesweiten Lockdown verhängt hat, haben viele Einwohner der Stadt kein Einkommen mehr.

+++ Vietnam befürchtet größeren Corona-Ausbruch +++

Hanoi. Vietnam befürchtet erstmals seit Monaten einen größeren Corona-Ausbruch im Land. Am Donnerstag seien 82 Neuinfektionen bestätigt worden, teilte das Gesundheitsministerium mit. Es handele sich um die ersten lokalen Übertragungen des Virus nach 55 Tagen. Nachdem am Morgen zunächst zwei Fälle in den nördlichen Provinzen Hai Duong und Quang Ninh verzeichnet worden waren, wuchs die Zahl kurz darauf im Rahmen der Kontaktverfolgung weiter. 70 Infektionen stehen den Angaben zufolge in Verbindung mit einer großen Fabrik in Hai Duong City in der Nähe von Hanoi. Eine der positiv getesteten Personen sei zuvor in der Region herumgereist und habe sich mit rund 200 Menschen getroffen, so die Behörden. Diese sollen nun alle kontaktiert und getestet werden. Viele fürchten um einen der wichtigsten Feiertage in dem südostasiatischen Land: In zwei Wochen feiert Vietnam das Neujahrsfest nach dem Mondkalender, bei dem die Bürger traditionell quer durch das Land reisen und Familienfeiern abhalten. Bislang ist Vietnam dank strikter Maßnahmen extrem glimpflich durch die Pandemie gekommen. Es wurden nur rund 1600 Fälle gemeldet, 35 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Agenturen/nd

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