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Außen zart, innen hohl

Wie in der Porzellanstadt Meißen ein spezielles Gebäck entstand

Der unterhaltsame Stollen-Beitrag ließ mich an ein weniger kalorienreiches Gebäck aus der Porzellanstadt Meißen denken. Wer in Meißen ist, so heißt es, müsse unbedingt eine Meißener »Fummel« aus der traditionsreichen, seit fünf Generationen als Familienbetrieb geführten Konditorei Zieger essen. Sie sieht aus wie ein kleines glattes Weißbrot und ist im Nu verspeist, da es in Wirklichkeit ein mit Puderzucker bestreutes großes Hohlgebäck ist.

Das alte Backrezept ist kein Geheimnis. Leichter Nudelteig wird hauchdünn ausgerollt, mit Eigelb bestrichen, von allen vier Ecken her zusammengeschlagen, mit einem Strohhalm angestochen, leicht aufgeblasen und anschließend im Ofen gebacken.

Interessant ist die Entstehungsgeschichte der Fummel. Zu Zeiten Augusts des Starken trug es sich häufig zu, dass zwischen Meißen und Dresden Depeschenreiter des Kurfürsten unterwegs waren, um unter anderem Meißener Porzellan an den kurfürstlichen Hof nach Dresden zu bringen. Die Reiter waren allerdings sehr dem Meißener Wein zugetan. In den am Wegesrand liegenden Schenken kehrten sie deshalb allzu gern ein und ließen ihn sich munden.

Die Folge war, dass die Reiter meist verspätet, mit Schlagseite und häufig mit zerbrochenem Geschirr im Schloss eintrafen. Das ärgerte den Kurfürsten.

Und jetzt folgt ein Lehrstück in Sachen Arbeitgebergesinnung: Er entließ seine weinliebenden Reiter nicht, sondern befahl dem Zunftmeister der Meißener Bäckerinnung, ein leicht zerbrechliches Gebäck herzustellen, von dem die Reiter jeweils ein Stück unversehrt nach Dresden mitzubringen hatten, was bei den damaligen Wegeverhältnissen im trunkenen Zustand unmöglich war. So entstand die Fummel - und die weinliebenden Reiter mussten sich zumindest mäßigen.

Ob die Geschichte stimmt? Immerhin ist es bis heute in Meißen Brauch, dass Ehemänner am Herrentag nach Ende der Tour ihrer Frau eine Fummel unversehrt mit nach Hause bringen sollen.

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