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Viele alte Bekannte für die Landtagswahl

Die Linke in Sachsen-Anhalt wählte ihre Kandidaten für die Landtagswahl

  • Von Max Zeising
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Genossen in Sachsen-Anhalt wagten am Samstag einen Präsenzparteitag in der Waldsee-Arena Plötzky bei Schönebeck
Die Genossen in Sachsen-Anhalt wagten am Samstag einen Präsenzparteitag in der Waldsee-Arena Plötzky bei Schönebeck

Den obligatorischen Blumenstrauß gab es diesmal nur virtuell. Als Eva von Angern die erwartet frohe Botschaft übermittelt bekam, erhob sie sich kurz von ihrem Sitzplatz und nickte erfreut, wenngleich nicht euphorisiert, in die maskierte Menge. Keine Umarmungen, nicht mal ein Händedruck. Es ist alles ein bisschen profaner in dieser Coronazeit, die maximal mögliche Kontaktreduktion erfordert – auch auf Parteitagen. Und so gab es den Blumenstrauß auf der Vertreterversammlung der Linken in Sachsen-Anhalt für die gewählte Spitzenkandidatin für die Landtagswahl am 6. Juni eben nicht in die Hand gereicht, sondern nur als Bild auf die Leinwand projiziert.

Vielleicht passt diese erzwungene Sachlichkeit – ungewollt natürlich – ein wenig zur neuen Frontfrau von Angern. Überzogene Inszenierung ist ihre Sache nicht, vielmehr nüchterne Fleißarbeit und harte Disziplin, wenngleich sie trotz aller nötigen Distanz auch am Samstag einen nahbaren Eindruck vermitteln wollte. »Ich wäre heute gern mit meinen Kindern Schlitten gefahren«, gewährte sie zu Beginn ihrer Bewerbungsrede einen Einblick in ihren Alltag als Familienmensch, um danach in die politische Analyse einzusteigen, wobei die übliche Abrechnung mit der Kenia-Koalition natürlich nicht fehlen durfte: »Sachsen-Anhalt wird derzeit schlecht regiert. Wir haben eine Koalition, die sich von Anfang an nicht wollte. Es war von Anfang an keine Liebesheirat, und die Scheidung ist überfällig.«

85,6 Prozent der Delegiertenstimmen erhielt Eva von Angern auf der Vertreterversammlung im Ferienpark Plötzky bei Schönebeck – ein ordentliches, aber nicht überragendes Ergebnis. Die 44-jährige Juristin, die seit Dezember Co-Fraktionschefin neben Thomas Lippmann ist, tritt damit die Nachfolge von Wulf Gallert an, unter dessen Führung die Partei bei der letzten Wahl im Jahr 2016 erhebliche Verluste erlitt, während die rechtsradikale AfD aus dem Stand 23,4 Prozent holte. Hinter von Angern kam der langjährige Gewerkschafter Lippmann, der mit 90,7 Prozent das beste Einzelergebnis aller Kandidaten erhielt, auf den zweiten Platz.

Insgesamt fiel auf, dass sich das Personal im Vergleich zur letzten Wahl – trotz neuer Spitzenkandidatin – nicht allzu sehr veränderte. Auf Platz drei kam die langjährige Kommunalpolitikerin Christina Buchheim, die einen ordentlichen Sprung nach vorn machte, und Innenexpertin Henriette Quade auf Rang fünf verdrängte. 2016 hatte Buchheim noch auf einem aussichtslosen Listenplatz gelegen, aber in ihrem Wahlkreis Köthen das einzige linke Direktmandat gewonnen. Hinter Buchheim erzielte Landeschef Stefan Gebhardt auf Platz vier mit 76,5 Prozent ein vergleichsweise schwaches Ergebnis.

Auch andere bekannte Gesichter wie Wulf Gallert, der seit fast 27 Jahren im Magdeburger Landtag sitzt, stehen auf aussichtsreichen Listenplätzen. Dennoch könnten auch einige Neulinge in den Landtag einziehen, beispielsweise der ehemalige Oberbürgermeister von Halberstadt, Andreas Henke, der auf Platz acht gewählt wurde. Nicht mehr auf der Liste stehen die derzeitigen Abgeordneten Doreen Hildebrandt, Andreas Höppner, Swen Knöchel und Dagmar Zoschke.

Frust gab es bei der Linksjugend. Die vom Jugendverband der Partei nominierten Rebekka Grotjohann und Timon Kniewel stiegen bei der Wahl zu Platz elf und zwölf der Landesliste ins Rennen ein, scheiterten aber mehrfach an den Vorschlägen des Landesvorstands. Es sei skandalös, dass sie nicht auf aussichtsreichen Plätzen berücksichtigt wurden, sagte Grotjohann – so werde es der Linken auch weiter nicht gelingen, ihr Potenzial bei jungen Wählern auszuschöpfen. Angesichts des Zuspruchs für Jugendbewegungen wie Fridays for Future stelle sich die Frage, ob das nur leere Worte gewesen seien oder ob die Partei den Widerspruch zur tatsächlichen Kandidatenkür nicht erkenne: »Beides ist einer emanzipatorischen Partei nicht würdig.« Zwar könnten beide Jugendkandidaten noch direkt in den Landtag einziehen, dies dürfte aber schwierig werden.

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