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Vertrauen in die Regierung entscheidend

Eine australische Studie untersuchte, unter welchen Voraussetzungen Staaten gut durch die Pandemie kommen

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 3 Min.
Coronavirus-Test in Ruanda
Coronavirus-Test in Ruanda

Das Lowy-Institut im australischen Sydney hat analysiert, wie einzelne Länder bisher mit der Pandemie umgegangen sind und wer dabei den größten Erfolg hatte. Dabei stellte der unabhängige Thinktank fest, dass es keinen großen Unterschied zwischen reichen und ärmeren Ländern gibt und autoritäre Regimes keine Vorteile gegenüber Demokratien haben.

Am besten hat laut den Forschern Neuseeland die Pandemie eingedämmt. Die Inselnation im Pazifik setzte von Anfang an auf die sogenannte Eliminierungsstrategie: also null Infektionen in der Gesellschaft. Dafür wurden früh die Grenzen geschlossen, ein Quarantänesystem für Rückkehrer eingeführt und das Virus im Land mit einem harten, siebenwöchigen Lockdown ausgemerzt, den die Gesundheitsbehörden zudem mit effektiver Kommunikation ankündigten und begleiteten.

Neben Neuseeland schnitten auch Vietnam, Taiwan und Thailand besonders gut ab. Vietnam zwang betroffene Regionen in die Quarantäne und sperrte sogar Straßen, in denen infizierte Menschen lebten - was Menschenrechtsorganisationen kritisierten. Auch das Tragen von Gesichtsmasken war bereits ab Mitte März 2020 Pflicht. Taiwans Erfolg hängt dagegen eher mit seiner Erfahrung mit dem Sars-Virus zusammen. Das effektive Gesundheitsnetzwerk des Landes aktivierte Tests, Quarantäne und Kontaktverfolgung in rasanter Geschwindigkeit und musste bisher auf keinen nationalen Lockdown zurückgreifen.

Auch Thailand hat ein starkes Gesundheitsnetzwerk, doch der Erfolg des Landes lässt sich vor allem auf freiwillige Helfer*innen zurückführen, die in den einzelnen Ortschaften und Stadtteilen Aufklärung betrieben, Masken und Desinfektionsmittel verteilten sowie Menschen mit Symptomen zum Testen und in Quarantäne schickten.

Andere positive Beispiele sind Zypern, Ruanda, Island, Australien und Lettland. Ruanda, das etwas über ein Vierteljahrhundert nach dem Völkermord gerne als afrikanische Erfolgsgeschichte dargestellt wird, ist das einzige afrikanische Land in den »Top Ten«. Agnes Binagwaho, die Architektin des Gesundheitssystems des Landes, sagte dem medizinischen Fachjournal BMJ im Dezember, dass ihre Landsleute dem Gesundheitssystem vertrauten. Dies sei essenziell, wenn eine Regierung die Grenzen schließe und alle nach Hause schicke. »Covid-19 hat gezeigt, dass die westliche Welt und der globale Norden nicht die besten bei allem sind«, sagte sie und gab der »Kultur des Individualismus« und dem »Mangel an Solidarität« die Schuld.

Viele europäische Länder landeten tatsächlich eher im Mittelfeld oder sogar im hinteren Drittel. Schweden schaffte es mit seinen in Teilen umstrittenen Konzepten auf Platz 37, Österreich (42), die Schweiz (53), Deutschland (55) und Italien (59) bildeten das Mittelfeld, während Großbritannien (66), Frankreich (73) und Spanien (78) deutlich schlechter abschnitten. Als »Verlierer« der Pandemie nannte das Institut die USA auf Platz 94, gefolgt von Iran, Kolumbien, Mexiko und Brasilien. China bewertete das Institut wegen fehlender Daten nicht.

Herve Lemahieu, einer der Experten des Lowy-Instituts, erklärte dem australischen Sender ABC, die Analyse habe ergeben, dass Länder mit einer geringeren Einwohnerzahl Covid-19 in der Regel wirksamer bekämpft hätten. »Länder mit weniger als zehn Millionen Einwohnern erwiesen sich im Durchschnitt als agiler«, sagte er. Laut den Forschern des Instituts haben viele Länder mit den gleichen Instrumenten zur Eindämmung des Virus gearbeitet: Ausgangssperren und Grenzschließungen. Letztlich hing der Erfolg aber wohl eher davon ab, wie die einzelnen Regierungen ihre Bürger davon überzeugen oder wie gut sie sie dazu zwingen konnten, diese Maßnahmen einzuhalten.

Trotzdem hatten Länder mit autoritären Modellen keinen dauerhaften Vorteil bei der Unterdrückung des Virus. Denn auch wenn viele Demokratien einen schwierigen Start gehabt hätten, wie es in der Analyse heißt, so hätten sie insgesamt doch geringfügig mehr Erfolg als andere Regierungsformen bei der Bewältigung der Pandemie gehabt. Als einzige Ausnahmen nannte der Bericht die USA und Großbritannien. Lemahieu betonte im Interview mit dem australischen Sender, dass der Erfolg eines Landes eher davon abhänge, ob die Bürger ihren Entscheidern vertrauten und wie kompetent und effektiv die staatlichen Institutionen arbeiteten.

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