Neuer Anstrich für Babelsberger Kinokneipe

Die »Konsum« Kneipe im Babelsberger Traditionskino »Thalia« wird für 50.000 Euro umgebaut - neue Dekoration mit Fotos zur Defa-Filmgeschichte

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 4 Min.

Die Kinokneipe »Konsum« im Filmkunsttheater »Thalia« in Potsdam-Babelsberg nutzt die unfreiwilligen großen Corona-Ferien und gibt sich ein neues Gesicht. Künftig soll in der Innenausstattung auch die Filmtradition der vor fast 75 Jahren gegründeten Defa zur Geltung kommen. Am Montag besuchte Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) das Traditionskino und übergab einen Lotto-Fördergeld-Scheck des Landes.

Das Szenenfoto aus »Spur der Steine« gehört nicht von ungefähr zur neuen Dekoration, denn just im »Thalia« wurde der Spielfilm 1966 uraufgeführt, bevor er dann für Jahrzehnte im Archiv verschwand. »Wir wollen der Defa-Tradition dieses Ortes Tribut zollen«, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Kinos, Daniela Zuklic. Großformatige Aufnahmen aus berühmten Streifen wie »Solo Sunny«, »Treffen in Travers« oder »Die Legende von Paul und Paula« ergänzen die Kollektion, für deren Ankauf, Bearbeitung und Rahmung das Kulturministerium 3.400 Euro aus Lottoeinnahmen erübrigt hat.

In Brandenburg können Minister gewissermaßen freihändig bestimmte Projekte mit Fördergeld aus dem Lottoeinahmen bedenken. Der entsprechende Topf wird dadurch gefüllt, dass der Spielerlös nur zum Teil an die Gewinner ausgeschüttet wird und zu einem anderen Teil in die Sportförderung fließt oder wohltätigen, sozialen und kulturellen Zwecken zugutekommt. Wie eben im »Konsum«.

Coronakonform mit Plexiglas

Der gesamte Umbau der Kinokneipe hat 50.000 Euro gekostet. Im Gastraum der Kinokneipe wollte man dabei eine Wohnzimmeratmosphäre schaffen - mit hellblauen Wänden, einer grau-braunen Holztäfelung und braunen Sesseln mit Raulederimitat. Die Sitzzahl ist mit 45 etwa gleich geblieben. »Die Plexiglasscheiben kommen noch«, sagt die Vizechefin und zeigt sich damit auf der Höhe der Corona-Zeit. Vorbei sind im beliebten »Konsum« die 25 Jahre des abwaschbaren roten Kunstleders. »Wir konnten dieses Rot nicht mehr sehen«, stöhnt Zuklic, die 2021 ihr 20. Dienstjubiläum begeht.

Auch die Porträts von Regisseuren und Filmkünstlern, die in diesem Haus begrüßt wurden, sind nun an den Wänden versammelt. Die meisten hat der Potsdamer Fotograf Manfred Thomas geschossen. »Andreas hängt dreimal«, sagt Zuklic. Gemeint ist der Filmregisseur Andreas Dresen, der unter anderem gemeinsam mit seinem Schnittmeister Jörg Hauschild und der Regisseurin Annekatrin Hendel von der Wand lacht.

Ministerin Schüle entdeckt bei ihrem Besuch auf einer Aufnahme die Innenansicht des Gastraums aus DDR-Tagen. »Für diese Lampen müsste man heute ordentlich was hinlegen«, glaubt sie. Das größte Foto von allen zeigt das »Thalia« Mitte der 1950er Jahre. Erkennen kann man darauf, was zumindest damals einen großen Besucherandrang hervorrief: ausgerechnet der westdeutsche Operettenfilm »Schwarzwaldmädel«.

Hoffen auf bessere Zeiten

Zwar kommt dergleichen inzwischen - auch ohne Corona - eher selten vor. Aber Geschäftsführer Thomas Bastian gehört nicht zu den Zeitgenossen, die im Kino ein Auslaufmodell sehen. »Drei Jahre lang hatten wir wieder stabil über 150.000 Besucher im Jahr. Dann aber kam die Pandemie«, so Bastian. Wie lange das Kino noch die Zeit ohne Einnahmen finanziell durchstehen kann? »Im Augenblick ist es noch okay«, sagt Vizechefin Daniela Zuklic. Auf die November- und Dezemberhilfe warte das Team noch, und man hoffe, sie falle nicht zu gering aus.

Geschäftsführer Bastian gibt sich trotz der aktuell wenig erbaulichen Situation zuversichtlich, dass es spätestens im Herbst wieder einen ungestörten Spielbetrieb geben wird. Bewährt hätten sich die Angebote für Kinder und Eltern. Er glaubt nicht, dass Onlineangebote wie Netflix dazu beitragen werden, dass das Kino bald Geschichte ist. Dazu sei das Erlebnis eines Kinobesuchs zu unverwechselbar.

121 Jahre Kinogeschichte

Das »Thalia« hieß einst »Port Arthur«, die erste Filmvorführung gab es dort im Februar 1918. Seither wurde es ununterbrochen als Filmtheater genutzt. Seit 1997 besteht das Programmkino in seiner jetzigen Form mit vier Sälen und insgesamt 709 Plätzen. Das Programm besteht zuvorderst aus Filmen, die nicht zu den auf weltweiten Erfolg angelegten Blockbustern zählen. Daneben gibt es Filmgespräche und Podiumsdiskussionen, Konzerte und Lesungen. Das »Thalia« wurde für sein Programm mehrfach ausgezeichnet.

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