Kritische Wolfsberater müssen gehen

Niedersachsens SPD-Umweltminister Olaf Lies sieht fehlende Neutralität bei den Ehrenamtlichen

  • Von Reimar Paul
  • Lesedauer: 3 Min.

Uwe Martens war mehr als zwölf Jahre Wolfsberater in Niedersachsen. Jetzt ist er das Ehrenamt los. Unfreiwillig. Es bestünden »Zweifel, dass in Zukunft eine kooperative Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Wolfsberater und dem Umweltministerium möglich ist«, steht in einem Schreiben des Ministeriums an Martens. »Ich danke Ihnen für die bisher geleistete Arbeit als Wolfsberater und entlasse Sie hiermit aus allen Verpflichtungen, die mit dem Ehrenamt verbunden sind.«

Martens’ Kollege Ralf Hentschel, der vom Umweltministerium einen ähnlich lautenden Brief erhielt, übte dieses Amt im Kreis Wolfsburg aus. Beide sind seit längerem auch Vorstandsmitglieder im »Freundeskreis wildlebender Wölfe«. Kritische Stellungnahmen des eingetragenen Vereins zu Jägern, die illegal auf Wölfe schießen, sowie zur neuen niedersächsischen Wolfsverordnung stießen im Ministerium auf Missfallen.

Am 16. November 2020 hatte der Freundeskreis in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass unter hohem Schutz stehende Wölfe wiederholt mit Jagdmunition beschossen würden. Kurz zuvor war im Kreis Harburg ein durch Schüsse schwer verwundeter Wolf gefunden worden. Das Tier musste aufgrund seiner Verletzungen getötet werden. In den Reihen des Deutschen Jagdverbandes, so die Wolfsfreunde, scheine es »noch immer … Jäger zu geben, denen man keine Waffe anvertrauen sollte«.

Zehn Tage später nahm der Freundesreis die Wolfsverordnung des Landes, mit der Umweltminister Olaf Lies (SPD) den Abschuss sogenannter Problemwölfe erleichtern will, aufs Korn. Die gegen vielfache Bedenken durchgepeitschte Verordnung verstoße gegen EU-Recht.

Eine ministerielle Rüge ließ nicht lange auf sich warten. Als Wolfsberater hätten sich Hentschel und Martens »dazu verpflichtet, nach außen die fachliche Position des Landes zu vertreten und nicht in Widerspruch zu dieser zu stehen«, heißt es in einem Brief des Umweltministeriums vom 23. Dezember. Im Sinne einer Zusammenarbeit zwischen Wolfsberatern und Ministerium bitte man »um Klarstellung, ob sich Ihre Aussagen bzgl. der Wolfsverordnung … und den Jägerinnen und Jägern Ihrer Meinung nach mit den von Ihnen unterzeichneten Grundsätzen im Einklang befinden«.

In seiner Antwort bekräftigte Martens Anfang Januar seine Kritik an der niedersächsischen Wolfsverordnung. Und an einzelnen Jägern, die verbotenerweise auf Wölfe schießen: »Wir sind der Meinung, dass solche Täter der Jägerschaft keinen Gefallen tun.« Warum diese Auffassung im Widerspruch zu seiner Tätigkeit als Wolfsberater stehe, müsse das Ministerium näher erklären.

Eine solche Erklärung bleibt das Umweltministerium in Hannover in dem eingangs erwähnten Kündigungsschreiben schuldig. »Ihre Kritik als ehrenamtlicher Wolfsberater an den Entscheidungen des Umweltministeriums ist mit den Grundsätzen für das Verhalten von Wolfsberatern nicht zu vereinbaren«, heißt es dort lapidar. »Auch bei als Privatperson öffentlich gemachten Äußerungen ist es entscheidend, dass nicht der Eindruck entsteht, Wolfsberater stünden dem Thema Wolf nicht mit der gebotenen Neutralität gegenüber.«

Mit der Neutralität ist es allerdings so eine Sache. In Niedersachsen ist die Landesjägerschaft (LJN) mit dem Monitoring - dem Zählen und Dokumentieren der Wölfe im Bundesland - beauftragt. Präsident ist der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke. Er hat sich - wenig neutral - mehrfach für eine Obergrenze für Wölfe und ihren »regulatorischen Abschuss« ausgesprochen.

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