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Wenn die Störche am Boden bleiben

Die Zweitligafußballer von Holstein Kiel spielen eine beeindruckende Saison - weil der Klub schon länger gut und konsequent plant

  • Von Christoph Stukenbrock, Düsseldorf
  • Lesedauer: 3 Min.

Aufstieg oder Pokalfinale? Ole Werner lächelte kurz, doch locken ließ er sich nicht. Natürlich nicht. »Das ist kein Wunschkonzert«, sagte der Trainer von Holstein Kiel mit ruhiger Stimme: »Wir versuchen einfach, Aufgabe für Aufgabe, uns gut auf das jeweils nächste Spiel vorzubereiten. Und dann wird man am Ende sehen, wozu es reicht.« Seine Hände lagen gefaltet vor ihm, der Blick stoisch - es war ein typischer Werner. So unaufgeregt der Coach am Montagabend nach dem 2:0-Erfolg seiner Störche bei Fortuna Düsseldorf daherkam, so cool spult Holstein momentan sein Pensum ab. Dem Sprung ins Viertelfinale des DFB-Pokals folgten nun also die nächsten Big Points in der 2. Bundesliga.

»Die drei Punkte nehmen wir gerne mit, aber der Blick geht nach vorne«, sagte Werner. Wirft man einen geschärften Blick auf die Situation im Fußball-Unterhaus wird schnell klar: Die Kieler, als Dritter nur noch zwei Punkte hinter dem Tabellenführer Hamburger SV, dürften bis zum Ende ein ernsthafter Kandidat für den Aufstieg bleiben. Mit Düsseldorf, das seine erste Heimniederlage in der laufenden Saison einstecken musste, hat Holstein einen direkten Kontrahenten nun schon um sieben Punkte distanziert. »Wir müssen anfangen, Spiele zu gewinnen«, sagte Fortunas Coach Uwe Rösler angesichts der vierten sieglosen Partie in Serie.

In der Fremde die Besten

Gründe für den Kieler Höhenflug gibt es unterdessen einige. 19 Gegentore nach 20 Spielen bedeuten einen Ligabestwert, vor allem aber besticht die Kieler Sportvereinigung Holstein mit ihrer beispiellosen Auswärtsstärke. Sechs Siege, vier Remis und das bei lediglich fünf Gegentoren - das sucht im gesamten deutschen Profifußball derzeit seinesgleichen. Die Mannschaft zehrt zudem noch immer vom sensationellen Coup im DFB-Pokal gegen den großen FC Bayern München, der vor einer Woche mit 8:7 im Elfmeterschießen besiegt werden konnte. Doch Werner ficht das alles nicht an. Ein »sehr reifes« Spiel habe sein Team in Düsseldorf gemacht. »Vom Ergebnis ist es perfekt für uns«, sagte der Trainer, betonte dann aber auch »Dinge, die man von der Leistung verbessern« könne. Vor allem zwischen den Strafräumen habe man »eine ganze Menge nicht gut gemacht«.

Wie dem auch sei: Die beachtliche sportliche Situation ist das Ergebnis kontinuierlicher und bodenständiger Arbeit. Die Entwicklung wurde bereits vor dem Zweitligaaufstieg im Sommer 2017 angestoßen - und setzt sich im Bundesliga-Unterhaus nun weiter fort. Holstein hat nicht nur in Spieler investiert, sondern auch stets die Infrastruktur im Blick gehabt. Mittlerweile verfügt der Klub über ein modernes Trainingszentrum, und das einst verstaubte Stadion gleicht mit neuer Tribüne immer mehr einem Schmuckkästchen.

Der Masterplan steht

Die Kieler haben ihren Masterplan mit wechselndem Personal konsequent verfolgt, Sportchefs und auch Trainer wurden aus dem hohen Norden immer wieder abgeworben - doch der Erfolg ist geblieben. Und könnte in diesem Jahr alles zuletzt Gewesene übertreffen. Zum einen winkt der erste Aufstieg in die Bundesliga, zum anderen stehen im DFB-Pokal alle Wege offen: Anfang März tritt Holstein im Viertelfinale beim Viertligisten Rot-Weiß Essen an. Doch danach steht Trainer Werner und seinen Störchen jetzt noch längst nicht der Sinn.SID/nd

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