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Zu langsam im tiefen Schnee

Den deutschen Biathleten misslingt der WM-Start. Stattdessen siegt Norwegen

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Start in die Weltmeisterschaften ist für die deutschen Biathleten komplett danebengegangen. Obwohl in der Mixed-Staffel in Bestbesetzung angetreten, hatten Erik Lesser, Arnd Peiffer, Denise Herrmann und Franziska Preuß von Beginn an keine Chance und kamen nach 4 x 7,5 Kilometern durch die Wälder von Pokljuka (Slowenien) nicht über Rang sieben hinaus. In den Kampf um die Medaillen, die am Ende an Weltmeister Norwegen sowie überraschend an die Österreicher und Schweden gingen, konnten die Deutschen nie wirklich eingreifen.

Bei starkem Schneefall und schweren Bedingungen hatten sich Startläufer Erik Lesser und seine Techniker offenbar für die falschen Ski oder das falsche Wachs entschieden. Von Beginn an ließ er Lücken zur Konkurrenz reißen und konnte den Abstand auch nicht mit seinen sonst so imposant schnellen Schießeinlagen wieder schließen. Sein Rückstand auf die Spitze wurde Meter um Meter größer. Nach insgesamt vier Nachladern fand sich die deutsche Staffel beim ersten Wechsel auf Rang 17 mit schon 62 Sekunden Rückstand wieder. Das Rennen war schon hier für die Deutschen vorbei.

»Ich weiß nicht, womit ich zuerst unzufrieden sein soll. Ich bin total traurig über meine Leistung, und es ist besonders schade, dass noch drei andere mit dran hängen«, zeigte sich Lesser im Gespräch mit der ARD selbstkritisch. Die Probleme auf der Strecke wollte er zunächst intern mit seinen Betreuern besprechen. »Das war aber egal, denn vier Nachlader dürfen mir nicht passieren. Das war einfach nicht gut.«

Es folgte ein ordentliches, aber auch kein herausragendes Rennen von Altmeister Arnd Peiffer, der in diesem Winter immerhin schon ein Massenstartrennen hatte gewinnen können. Mit nur einem Fehlschuss bei zehn Versuchen machte der Olympiasieger zwar fünf Plätze gut, verlor auf die Spitze aber ebenfalls 44 Sekunden. Hier setzte sich Johannes Thingnes Bö mit schnellem Tempo sowohl beim Laufen als auch am Schießstand immer weiter von der Konkurrenz ab und brachte Norwegen wie erwartet auf die Siegerstraße.

Auch Peiffer war wie Lesser zuvor läuferisch nur Mittelmaß. »Ich habe mich auf die eigene Leistung konzentriert. In dem Pulk, in dem ich steckte, gab es kaum Möglichkeiten Zeit aufzuholen. Am Ende war ich aber schon erschrocken, als ich gesehen hatte, wie groß der Rückstand auf Platz eins geworden war«, sagte Peiffer nach dem Rennen. »Das ist mehr Zeit als ich erwartet und mit erhofft hatte. Ich dachte eigentlich, dass der Abstand zu den Norwegern nicht noch größer geworden ist, aber das müssen wir jetzt analysieren. Denn das ist mir zu viel.«

Die deutschen Frauen Herrmann und Preuß zeigten bei schwächer werdendem Schneefall zumindest in der Loipe bessere Leistungen als ihre männlichen Vorläufer. Sie brachten die Staffel noch bis auf Rang sieben vor. Bei perfekten Schießeinlagen wäre theoretisch sogar eine Medaille möglich gewesen, doch unter dem Druck, mit viel Risiko unbedingt viel Zeit aufholen zu müssen, passierten den Athletinnen ein paar Schießfehler zu viel. Immerhin aber erzielten sowohl Herrmann als auch Preuß gegen namhafte Konkurrenz jeweils beste reine Laufzeiten auf ihren Runden, was Hoffnung auf bessere Platzierungen an den kommenden Tagen durchaus noch zulässt.

Ganz vorn aber landeten wieder einmal die Norweger. Jungstar Sturla Holm Laegreid, Bö, Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Roeiseland ließen eigentlich nie Zweifel daran aufkommen, wer Gold holen würde. Wer die jeweils zwei besten Frauen und Männer dieses Winters aufstellen kann, gewinnt wenig überraschend auch den WM-Titel. »Es war ein ziemlich gutes Rennen. Ich hab mir beim Schießen Zeit genommen und war sehr entspannt«, beschrieb Bö später sein Rennen.

Entspannte Tage stehen dem deutschen Team bis zu den Sprintrennen am Freitag und Samstag nicht bevor. In beiden Teildisziplinen ist viel aufzuarbeiten. So hatte Österreich Silber geholt, weil nur zwei von 40 Schüssen daneben gingen. Bei der deutschen Staffel waren es elf. Aber: Auch die Norweger schossen elf mal daneben. Sie aber liefen gut 90 Sekunden in der Loipe heraus.

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