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Erste Schulöffnungen in Sicht

Grundschüler sollen ab 22. Februar zurück in die Klassenräume, wenn auch nur im Wechselbetrieb

Seit Tagen laufen die Diskussionen, wann und mit welchem Modell die Schulen in der Hauptstadt ihren Betrieb wieder hochfahren könnten. Nun hat Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller (SPD), erst einmal einen vermeintlichen Schlusspunkt hinter die Debatte gesetzt. Wenigstens für die Berliner Grundschulen könne er sagen: »Wir werden das für den 22. Februar anvisieren«, erklärte Müller am Mittwochabend im Anschluss an die Ministerpräsidentenkonferenz. Klar sei, dass dabei vorerst nur Wechselunterricht infrage käme, mit Masken, Abstands- und Hygieneregeln sowie dem umfassenden Einsatz von Luftfiltern und Selbsttests für alle Lehrkräfte und Schüler.

Im Plenum des Abgeordnetenhauses wiederholte Müller am Donnerstag dann noch einmal, dass man angesichts der sinkenden Infektionszahlen nun über zaghafte Lockerungsübungen sprechen könne. Und: »Die Schule ist der erste Punkt, wo man schrittweise Normalität in kleinem Rahmen ermöglichen kann.« Ja, es gebe auch an Schulen ein Infektionsgeschehen, »aber keine besondere Gefahr, auch nicht durch die Mutanten«, meinte der SPD-Politiker. »Deswegen sagen wir: Wir trauen uns diesen ersten Schritt zu.«

Der Berliner FDP ist das vorgestellte Schulöffnungsszenarium zu verschnarcht. »Wir können nicht einfach mit Variablen spielen: 50, 35«, sagte FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja mit Blick auf die Bund-Länder-Beschlüsse am Mittwoch, weitere Lockerungen erst ab einer Sieben-Tage-Inzidenz unter dem Wert von 35 auf den Weg zu bringen. Schließlich hätte man der Bevölkerung zuvor stets den 50er-Wert als Richtlinie genannt. Diesen jetzt noch einmal herunterzusetzen, »verspielt am Ende Vertrauen«, klagte Czaja.

Ginge es nach dem Willen der FDP, dann würde es auch an den Schulen viel zackiger laufen. Nach sieben Tagen mit einer berlinweiten Sieben-Tage-Inzidenz unter 70 müssten die Grundschulen wieder im Vollprogramm laufen. Auch an den weiterführenden Schulen wäre Schluss mit der nahezu ausschließlichen Daheimbeschulung. Abschlussklassen müssten ohnehin zurück in die Klassenräume, alle anderen Schüler sollten »mindestens« im Wechselunterricht beschult werden. Gesetzt den Fall, die Inzidenzzahlen bleiben weiterhin - wie seit diesem Dienstag - unter dem Wert 70, dann würde der FDP-Plan wohl am kommenden Dienstag greifen.

Um die Spannung herauszunehmen: Der am Donnerstag ins Berliner Parlament eingebrachte Dringliche Antrag der Freidemokraten, mit dem neben vielen anderen Dingen eben auch die Schulöffnungen beschleunigt werden sollten, wurde in die Ausschüsse verwiesen, mithin abgebügelt, und zwar nicht nur mit den Stimmen der rot-rot-grünen Koalition, sondern auch denen der CDU.

CDU-Fraktionschef Burkard Dregger ließ es sich freilich nicht nehmen, genüsslich auf die letzte »abenteuerliche« Schulöffnungsdebatte Anfang Januar hinzuweisen, bei der man Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) »auf den Kurs der Vernunft« hatte zurückbringen müssen. Silke Gebel, Fraktionsvorsitzende der Grünen, veranlasste unter anderem das zwar dazu, die »plumpen Angriffe« der Opposition auf den Senat zu geißeln. Letztlich betonte aber auch Gebel, dass man »in dieser blöden Pandemie« eben »auf Sicht fahren« müsse, auch bei den Schulen: »Sicherheit geht vor.« Wie Gebel erinnerte auch Linksfraktionschef Carsten Schatz daran, dass alle Öffnungen mit den nötigen Schutzmaßnahmen verknüpft werden müssten. Dazu gehöre ein ausreichender Vorrat an FFP2-Masken und Schnell-Selbsttests: »Nur dann können wir die Schulen wieder öffnen.«

So betrachtet ist letztlich auch Müllers Öffnungsszenarium durchaus ambitioniert. Schließlich sind die Selbsttests bisher nicht für den Gebrauch durch Laien zugelassen, und auch mit der Auslieferung der von ihm am Vortag zur Vorbedingung für Öffnungen erklärten Luftfiltergeräte steht es nicht in allen Bezirken zum Besten.

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