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Und das Wort wurde Geld

SIEBEN TAGE, SIEBEN NÄCHSTE: Über Bloomberg und Bitcoin

  • Von Stephan Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.
Börse: Und das Wort wurde Geld

Im Zuge der Pandemie wird diskutiert, warum systemrelevante Jobs wie Krankenpflege so schlecht bezahlt werden. Deutlich lukrativer dagegen sind systemgefährdende Tätigkeiten. Zum Beispiel das Management von Hedgefonds, die das Geld reicher Menschen einsammeln, damit riskante Börsenwetten veranstalten und - wenn das schief geht - auch mal das Finanzsystem destabilisieren.

Laut Finanzportal Bloomberg machten die 15 »Hedgefonds-Titanen« vergangenes Jahr über 20 000 Millionen Dollar. An der Spitze der Liste steht Chase Coleman vom Fonds Tiger Global mit 3000 Millionen Dollar Einkommen. Und selbst der Tabellenletzte, Gabe Plotkin, sackte rund 850 Millionen ein. Plotkin ist Gründer von Melvin Capital, ein Hedgefonds, den kürzlich Spekulationen mit der Gamestop-Aktie an den Rand der Pleite brachten. Um diese Pleite zu verhindern und die Börsenparty weitergehen zu lassen, wurde Melvin Capital gerettet, und zwar von einem anderen Hedgefonds, Citadel, dessen Gründer Ken Griffin letztes Jahr 1800 Millionen Dollar mit nach Hause brachte. Zur Erinnerung: In Deutschland verdient man mit Berufsausbildung im Durchschnitt 1,3 Millionen Euro - im gesamten Leben.

Was den Börsenboom angeht, so verliert mittlerweile selbst die Deutsche Bank die Übersicht. Sie sieht »Anzeichen«, dass die Kurse »jede Bodenhaftung verloren haben«. Zentrale Figur im Börsenspiel ist derzeit Elon Musk, Gründer des E-Auto-Herstellers Tesla. Mit nur einem getwitterten Wort - »Gamestonk!« - half er dabei, den Aktienkurs von Gamestop zu vervielfachen. Zuvor schon hatte Musk seine Follower aufgefordert, den Messengerdienst Signal zu benutzen, woraufhin die Aktie von Signal Advance Inc. um 5000 Prozent stieg - was insofern bemerkenswert ist, als Signal Advance nichts mit dem Messengerdienst Signal zu tun hat. Worte von Musk haben für Anleger »religiösen Charakter«, so Matt Levine von Bloomberg. Da ist es logisch, dass ein Tweet des Tesla-Gründers ausreichte, um den Wert von Dogecoin um sechs Milliarden Dollar zu erhöhen - Dogecoin ist eine Kryptowährung, die 2013 als Witz ihres Erfinders Billy Markus geboren wurde. Weitere Nachrichten von Tesla ließen diese Woche den Kurs einer anderen Kryptowährung, Bitcoin, erstmals über 44 000 Dollar steigen, woraufhin auch die Börsenanalysten der Commerzbank die Segel strichen: »Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, die Kursentwicklung reiner Spekulationsobjekte zu kommentieren.«

Und schließlich materialisiert sich der Musk-Kult auch im Aktienkurs seines Unternehmens: Tesla ist derzeit etwa 750 Prozent mehr wert als vor einem Jahr. Das lohnt sich. Zum Beispiel für Kimbal Musk, Elons jüngeren Bruder, der diese Woche ein paar seiner Tesla-Aktien für 25 Millionen Dollar verkauft hat.

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