Werbung

Selten so gelacht

Sonntagsschuss: Es gab schon abwechslungsreichere Ergebnisse als am vergangenen Wochenende in der deutschen Fußball-Bundesliga. Prächtig amüsiert haben wir uns trotzdem.

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

Als ich zur Geisterstunde das Licht löschte, standen bei den Samstagsspielen fünf Remis zu Buche, darunter zweimal ein 0:0. Unterhaltsam war der Spieltag allerdings trotzdem. Vieles war sogar richtig lustig. Nehmen wir mal das, was die Schiedsrichter und ihre Sidekicks im Kölner Keller so fabrizieren. Es hat doch was, wenn eine Mannschaft in der einen Woche einen Elfmeter gegen sich gepfiffen bekommt, der nach einer für einen Dreijährigen erkennbaren Schwalbe gepfiffen und vom Videoschiedsrichter nicht überprüft wurde. Und dann die gleiche Mannschaft in der darauffolgenden Woche wieder einen Elfmeter gegen sich gepfiffen bekommt, den wiederum der Zwillingsbruder des Dreijährigen nicht gepfiffen hätte, weil er kein Foul gesehen hätte, wo keines war. Und die Mannschaft dann absteigt, weil ihr halt ein paar Punkte fehlen.

In Dortmund sah derweil Schiedsrichter Bastian Dankert trotz freiem Gesichtsfeld nicht, wie acht Meter vor ihm der 1,94 Meter große Erling Haaland nach langem Zerren umgerissen wurde. So lassen sich vorm Fernseher Tränen lachen über die Diskrepanz zwischen höchst banaler Sehschwäche und dem elaborierten Vokabular, mit dem die Schiedsrichterzunft montags im »kicker« erklärt, dass der Kollege alles richtig gesehen hat. Da wird »der Aspekt des Fußvergehens für sich eingeschätzt und als nicht relevant angesehen« oder wie folgt argumentiert: »Es ist unerheblich, ob der Versuch des Spielens tatsächlich gelingt, entscheidend ist der bewusste Versuch des Spielens mit Berührung des Balles.«

Überaus lustig ist natürlich auch, was derzeit beim VfB Stuttgart passiert, wo mit Hütchenspieler-Tricks versucht wurde, die Mitglieder auf die Seite derer zu ziehen, die die Ausgliederung der Profiabteilung 2017 befürwortet haben. Nun kommt heraus, dass gut ein Viertel der abgegeben Stimmen, etwa 3000, nicht gezählt wurden. Nicht in Minsk ist das passiert, sondern in Stuttgart. Was allerdings insofern eine ungerechte Analogie ist, weil sie in Belarus nun wirklich wissen, wie man betrügt, während es in Stuttgart vielleicht auch einfach nur so war, dass ein paar tausend Abstimmungsgeräte nicht funktioniert haben. Klingt nicht plausibel, weil man sich seit ein paar Jahren nicht mehr vorstellen kann, dass mitten in Europa digitale Abstimmungen an der Technik scheitern. 2019 wurde beim VfB allerdings eine Mitgliederversammlung gleich ganz abgebrochen, weil das W-Lan-Netz nicht funktionierte.

Und wenn Sie jetzt lesen, dass der gleiche Verein gerade beschlossen hat, die nächste Mitgliederversammlung nicht im Mai oder Juni als normale Präsenzveranstaltung abzuhalten, sondern unbedingt Ende März als digitale - geben Sie es zu, jetzt mussten Sie lachen!

Auf dem Weg vom Stuttgarter Stadion zur S-Bahn-Station kommt man dieser Tage übrigens an hunderten Wahlplakaten vorbei, die da ganz analog in der Gegend herumhängen. Als jahrelanger »Titanic«-Leser habe ich mich anfangs noch sehr über die Plakate der aus dem Dunstkreis des Magazins entstandenen »Partei« gefreut. Seit ein paar Jahren geht es mir dabei allerdings wie bei 90 Prozent der Youtube-Filmchen, die mir ein sadistisch veranlagter Kumpel aufs Handy schickt. Ich schaue sie mir an und frage mich, wo zum Henker der Witz ist. In Karlsruhe kandidierte zur Bürgermeisterwahl eine übellaunig dreinblickende Kandidatin, die die Umbenennung in »Karlaruhe« forderte, in Stuttgart scheint man ein paar Tage länger nachgedacht zu haben, bis man auch nur auf »Nun aber mal Margarine bei den Gemüsebratlingen« kam, was zwar falsches Ruhrpott-Deutsch, aber trotzdem nicht lustig ist. Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist, oder wenn einem nichts mehr einfällt, denke ich. Bis wiederum mir einfällt, dass Karl-Heinz Rummenigge sich dann schon 1989 aus der Öffentlichkeit hätte zurückziehen müssen. Damals beendete er seine Spielerkarriere. Doch das, liebe Leserinnen und Leser, wäre nun wirklich jammerschade gewesen, denn ohne einen Bayern-Funktionär Rummenigge würden uns oft richtig gute Witze vorenthalten bleiben. Gerade hat er vorgeschlagen, seine Spieler noch vor den 90-Jährigen impfen lassen zu dürfen. Warum? Natürlich damit danach die Impfskepsis in der Bevölkerung sinkt. Der war jetzt aber echt gut, oder?

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung