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Grüner Geldhahn

Antonis Schwarz unterstützt mit seinem Vermögen Graswurzelprojekte und die einstige Öko-Partei

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 4 Min.
Antonis Schwarz: Grüner Geldhahn

Markus Söder ist bekanntlich ein Mann mit klaren Vorstellungen. Der CSU-Chef zeigt sich durchaus offen für ein schwarz-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl im September. Er sagte gegenüber der »Passauer Neuen Presse«, das sei eine interessante Option - unter einer Bedingung: Die Grünen müssten sich bürgerlich ausrichten und nicht linksliberal. Zwar erwartet er, dass es in einer Koalition mit den Grünen auch viel Streit gäbe, aber beim großen Thema Klima- und Umweltschutz verspricht er sich Impulse: »Die ökologische Transformation zu schaffen und Klimaschutz mit Wohlstand zu erreichen, könnte dadurch vielleicht besser gelingen.« Der bayerische Ministerpräsident hofft, vor allem durch technische Innovationen die Klimaerwärmung aufhalten zu können, aber ohne Einschnitte im Lebenswandel.

Söder träumt von einem grünen Kapitalismus und sieht Deutschland als hoch entwickeltes Land dafür prädestiniert, hierbei eine Vorreiterrolle einzunehmen. Einen solchen Traum hegen auch etliche bürgerliche Vertreter der Grünen, die maßgeblich für den Höhenflug der Partei gesorgt haben. In den Umfragen hält sie sich kontinuierlich als zweitstärkste Kraft. Linke Mitglieder, die gegen eine weitere Kohleverstromung und den Bau von Autobahnen auf die Straße gehen, bestimmen in keinem Bundesland, in dem die Grünen an der Regierung beteiligt sind, den Kurs.

Die Partei wächst aber dennoch und gewinnt mehr Mitglieder hinzu als jede andere im Bundestag vertretene. Nach jüngsten Daten vom November 2020 haben die Grünen 106.000 Mitglieder, was einem satten Zuwachs von 9,9 Prozent seit Jahresbeginn entspricht. Auch bei den Spenden erklimmt die einstige Ökopartei eine neue Stufe. Der Pharma-Erbe Antonis Schwarz hat ihr am Montag 500.000 Euro zukommen lassen, wie der »Spiegel« berichtete. Nie zuvor haben die Grünen eine so große Einzelspende erhalten. Das Geld sei für den Bundestagswahlkampf und die sechs anstehenden Landtagswahlkämpfe bestimmt, erklärte die Partei gegenüber dem Magazin.

Antonis Schwarz ist kein Unbekannter für die Grünen. Bereits 2019 ließ der Erbe des rheinischen Unternehmens Schwarz Pharma der Partei eine Spende mehr als 65.000 Euro zukommen. Schwarz, Anfang dreißig, gilt als Philanthrop, der sein Vermögen für ökologisch orientierte Zwecke einsetzt. Er investiert in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die ein soziales oder ökologisches Ziel verfolgen. So unterstützt er etwa SunFunder, ein Unternehmen, das Solaranlagen in Entwicklungsländern finanziert, fördert das Projekt African Clean Energy, das aus Biomasse Treibstoff für kleine Kochgeräte herstellt, und beteiligt sich an dem Startup Awamok, das ein Programm für Kleinstkreditgeber in afrikanischen Ländern entwickelt hat. Fünf bis sieben Prozent Rendite erwarte Schwarz von solchen Investments, schrieb die »Wirtschaftswoche«.

»Als vermögender Mensch hat man die Möglichkeit, bestimmte Dinge in Bewegung zu setzen«, sagte er in einem Gespräch mit der »Deutschen Welle«. »Man hat so eine Art Wunderwaffe, die es einem ermöglicht, die Gesellschaft positiv zu gestalten. Und wenn man das in so kritischen Zeiten wie den heutigen nicht macht, dann ist das schon grob fahrlässig.« Schwarz nutzt dabei die Freiräume der Marktwirtschaft. Aber dieses Handeln entspricht ziemlich genau dem, was Umweltaktivisten als »grünen Kapitalismus« bezeichnen. Sie bezweifeln, dass auf diesem Wege die Klimakatastrophe verhindert werden kann, weil auch ein solches Engagement stetiges Wirtschaftswachstum verlange.

Nun unterstützt Schwarz aber mit der von ihm gegründeten Guerilla Foundation ebenso kapitalismuskritische Initiativen. Die Stiftung will nach eigenen Angaben »Aktivisten und sozialen Graswurzelbewegungen« unter die Arme greifen und damit einen »größeren Systemwandel in Europa« bewirken. Bedacht werden von der Guerilla Foundation sehr unterschiedliche Bewegungen, darunter die Berliner Initiative Kotti & Co, die gegen die Gentrifizierung in der Stadt kämpft, in den Niederlanden die antirassistische Organisation Kick Out Swarte Piet oder die Bewegung Extinction Rebellion, die mit zivilem Ungehorsam eine radikale Kehrtwende in der Klimapolitik einfordert.

Von einer grünen Marktwirtschaft, wie sie sich Bayerns Ministerpräsident Söder vorstellt und wie sie sich ebenso Sozialdemokraten und große Teile der Grünen wünschen, verspricht sich Extinction Rebellion keine Rettung vor dem Klimakollaps. Der Konflikt um die Ausrichtung einer künftigen Umweltpolitik wird vermutlich alle Wahlen in diesem Jahr überdauern. Der Großspender Antonis Schwarz sitzt dabei zwischen allen Stühlen.

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