Solidarität von 11 Freunden

Magazin startet Soliaktion für homosexuelle Fußballprofis

  • Von Julia Trippo
  • Lesedauer: 3 Min.

Wir schreiben das Jahr 2021 und noch immer gibt es keinen einzigen offen homosexuellen Fußballer in den deutschen Profiligen der Männer. Das Fußballmagazin »11Freunde« reagierte auf diese Situation mit einem aufsehenerregenden Cover und weitreichenden Solidaritätsaktion. Mit »Ihr könnt auf uns zählen« sicherten mehr als 800 Fußballer*innen jenen ihre Unterstützung zu, die mit der Entscheidung, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu machen, ringen. Die Message lautet: Wir sind auf eurer Seite und falls notwendig, verteidigen wir euch gegen Anfeindungen. Natürlich solle sich niemand zu einem Coming-out gedrängt fühlen. Unter dem Hashtag #ihrkönntaufunszählen bekundeten viele - nicht nur fußballbegeisterte - Menschen in den sozialen Netzwerken ihre Unterstützung, veröffentlichten eigene Fotos mit Plakaten, Regenbogenfahnen und -masken. Auch das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund projizierte den Hashtag mit Regenbogenfahne auf ihre Glasfront. Neben dem ermutigenden Signal an die LGBTQ-Community zeigt die Aktion auch Potenzial für positive Interaktionen der verschiedenen Fußballclubs. So fragte ein User die Redaktion von »11Freunde« auf Twitter: »Gibt es auch eine Liste, wer die Aktion unterstützt? Möchte wissen, welchen Spieler vom gegnerischen Verein ich in Zukunft vielleicht noch mag.«

Die Aktion fand auch in der internationalen Fußballszene Anklang. Weltweit berichteten Medien über die 11 beziehungsweise mehr als 800 Freundinnen und Freunde und auch nicht-deutsche Fußballclubs schlossen sich dem Appell an.

Wie notwendig die Unterstützung für homosexuelle Fußballer zu sein scheint, zeigt die Personalie Thomas Hitzlsperger. Denn es ist bereits sieben Jahre her, dass der Profisportler als erster prominenter deutscher Fußballspieler öffentlich erklärte, homosexuell zu sein. Zu diesem öffentlichen Statement entschied er sich vier Monate nach dem Ende seiner aktiven Fußballkarriere. Es hat noch kein Coming-out eines schwulen, aktiven Bundesligaprofis gegeben.

Die Angst vor Anfeindungen, Beschimpfungen auf und neben dem Platz sowie die Sorge, die eigene Karriere zu gefährden, scheint nach wie vor ein Problem. Auch der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm hatte die fehlende Akzeptanz von homosexuellen Spielern im Rahmen seines noch unveröffentlichten Buches »Das Spiel« thematisiert. Doch zog er leider die falschen Schlüsse: So warnte der ehemalige Weltmeister vor den Folgen eines Coming-outs während der aktiven Fußballkarriere. In seinem Buch wolle er auf Gefahren hinweisen, »man muss sich das genau überlegen.« Lahm, der sich 2011 als heterosexuell outete, rate homosexuellen Fußballern, sich vor einem geplanten Coming-out mit engsten Vertrauten, aber nicht mit Mitspielern zu beraten.

Zum großen Glück jener, die in Zukunft offen über ihre Homosexualität zu sprechen gedenken, gibt es da noch andere Ansätze von Mitspielern. So schrieb Unions Christian Gentner im »11Freunde«-Magazin: »Würde einer meiner Mannschaftskameraden sein Coming-out haben, würde ich daraus kein großes Thema machen, weil es für mich keins ist.« Und Christoph Baumgartner vom TSG Hoffenheim findet: »Wenn sich ein bekannter Spieler outet und sich weitere Profis anschließen würden, wäre das im Fußball relativ schnell kaum noch ein Thema. Und das würde ich mir wünschen! Und ich würde mich jedenfalls ganz sicher vor ihn stellen und ihn unterstützen. Egal, ob er in meinem Team oder in der gegnerischen Mannschaft spielt.« Außerdem gibt es unterstützende Fangruppierungen wie »Fußballfans gegen Homophobie«.

Auch Thomas Hitzlsperger äußerte sich zu der Aktion von »11Freunde«. Auf Twitter schrieb er: »Wieder ein Schritt in die richtige Richtung - well played.«

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