Das Märchen vom Prinz von Tiefenmetern

Die Linke nimmt beim Politischen Aschermittwoch Tesla-Chef Elon Musk und das Haus Hohenzollern auf die Schippe

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

Es wird überlegt, das Wort »Tesla« in den Duden aufzunehmen. Der Begriff soll dafür stehen, dass man auch ohne endgültige Genehmigung schon einmal bauen darf. Mit ernster Miene verliest Nachrichtensprecher Martin Günther diese Meldung. Ernst gemeint ist sie nicht. Günther ist auch kein echter Nachrichtensprecher, sondern Vizevorsitzender der brandenburgischen Linkspartei.

Am Mittwochabend sendete der Landesverband live im Internet ein halbstündiges Programm zum Politischen Aschermittwoch. Günther hatte dabei noch andere ausgedachte Meldungen auf Lager, die das Projekt einer Tesla-Autofabrik in Grünheide auf die Schippe nehmen: Angeblich ereigneten sich auf der Autobahn viele Unfälle. Die Fahrzeuge rutschten weg auf einer Schleimspur, die sich von der Baustelle in Grünheide bis in die Potsdamer Staatskanzlei zog, in der alle Hindernisse für Tesla-Boss Elon Musk aus dem Weg geräumt werden. Tesla sei nun auch in den Kreis der althergebrachten Autohersteller aufgenommen worden, heißt es weiter. Der Konzern habe sich durch den Rückruf von zehn Prozent seiner Autos dafür qualifiziert. »Um bei uns mitmachen zu dürfen, muss man schon etwas wie einen Dieselskandal vorweisen können«, verriet angeblich ein Brancheninsider. »Tesla hat da auf seine Art geliefert.«

Auch Brandenburgs Linksfraktionschef Sebastian Walter stichelt in seiner Aschermittwochsrede gegen den Hersteller von Elektroautos, der sich auch für die Raumfahrt interessiert. »Elon Musk will eine Rakete zum Mars schießen und macht einen Umweg über Grünheide«, sagt Walter. Es sei ja gut, wenn Elon Musk Industriearbeitsplätze schaffe, doch der reichste Mann der Welt müsse nicht 1,5 Milliarden Euro Fördermittel kassieren, dafür aber an den Tarifgehältern sparen. Denn genau das befürchtet Walter. Ironisch spricht er deshalb davon, dass Elon Musk nicht umsonst bei den Gewerkschaften in den USA beliebt sei. Für die Autoindustrie und die Lufthansa sei Geld da in der Bundesrepublik, für Masken aber nicht. »Das ist nur noch irre und eigentlich nicht mehr zum Lachen«, meint Walter.

Aber da Politischer Aschermittwoch ist und doch gelacht werden soll, fährt der Politiker fort in seiner Rede, die stilecht mit Pointen gespickt werden sollte, aber nicht hundertprozentig politisch korrekt sein muss. Die stockende Auszahlung von Coronahilfen an Selbstständige veranlasst den Linksfraktionschef, einmal zu fragen, was im Landtag los wäre, wenn den Abgeordneten drei Monate lang ihre Diäten nicht gezahlt werden. Er hat auch andere Beispiele: »Was wäre, wenn mir ein Kellner nur ein halbes Bier hinstellt? Oder wenn mir ein Klempner nur den halben Abfluss legt?« Den CDU-Fraktionschef Jan Redmann nennt Walter einen »Grinse-Keks«, für den alles gut sei, wenn die CDU nur regiere und die Marktwirtschaft funktioniere. Aber gerade funktioniere die Marktwirtschaft überhaupt nicht. Die Politiker der Koalition sollten ihre Scheuklappen, ihr Brett vorm Kopf ablegen und mit den Menschen sprechen, fordert Walter.

Auch Landesgeschäftsführer Stefan Wollenberg leistet seinen Beitrag zum Aschermittwoch. Er liest ein Märchen vor: »Das Märchen vom Prinzen, der auszog, das Fürchten zu lehren.« Der Prinz von Tiefenmetern heißt zwar noch Prinz, ist aber kein Prinz, da die Monarchen in seinem Reich längst vom Hof gejagt sind. Er hat nichts zu bieten außer seinen Forderungen, die Kunstwerke und Schlösser seiner Vorfahren zurückzuerhalten, so geht die Geschichte. Doch ein Schreiber brachte die Kunde davon unters Volk - und da der Prinz Missliebige nicht wie früher bei Wasser und Brot in den Kerker sperren konnte, habe er ihnen Rechtsanwälte auf den Hals gehetzt.

Spielt Märchenonkel Wollenberg mit dem Prinz von Tiefenmetern etwa auf Georg Friedrich Prinz von Preußen aus dem Haus Hohenzollern an? Aber nein! »Ähnlichkeiten mit realen Personen und Ereignissen seien selbstverständlich zufällig und unbeabsichtigt«, versichert er am Schluss des Märchens. »Dennoch lohnt es sich, wachsam zu bleiben, denn auch im wahren Leben gibt es den einen oder anderen ehemaligen Monarchen, der gern mehr wäre und hätte, als er ist und hat.« Mit diesem Satz klappt Onkel Wollenberg das Märchenbuch zu.

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