Werbung
  • Sport
  • Fußball-WM der Frauen

Drei Spiele, ein großes Ziel

Turnier der Fußballerinnen aus Deutschland, Belgien und Holland für WM 2027

  • Von Frank Hellmann, Aachen
  • Lesedauer: 3 Min.
Die DFB-Elf um Felicitas Rauch (r.) gegen Belgien mit Kassandra Missipo.
Die DFB-Elf um Felicitas Rauch (r.) gegen Belgien mit Kassandra Missipo.

Robert Moonen ist die Stimme des Tivoli. Seit 48 Jahren hat der Stadionsprecher von Alemannia Aachen kein einziges Heimspiel verpasst. Kürzlich, zu seinem 75. Geburtstag, wollten die guten Wünsche nicht abreißen. Eine Grußkarte vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hatte Aachens Urgestein zwar nicht bekommen. Das hielt ihn am Sonntagabend aber nicht davon ab, interessehalber das erste Mal in seinem Leben einem Länderspiel der Frauen beizuwohnen. Die deutschen Fußballerinen schafften gegen Belgien einen 2:0-Pflichtsieg zum Auftakt des Miniturniers »Three Nations. One Goal«, mit dem die Verbände aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland ihre gemeinsame Bewerbung um die Weltmeisterschaft 2027 voranbringen wollen. »Für jemand der Fußball mag, war das vollkommen in Ordnung. Spieltaktisch ordentlich«, urteilte Moonen als Augenzeuge unter dem Tribünendach nach dem Abpfiff.

Einen Block unter Aachens Sprachrohr beobachtete DFB-Präsident Fritz Keller aus den gepolsterten Ehrenplätzen den engagierten, aber nicht wirklich überzeugenden Auftritt der deutschen Fußballerinnen. Der Verbandsboss teilte im Anschluss mit, wie sehr ihm »das tolle Stadion« gefallen habe - und wie wichtig ihm als »überzeugten Europäer« das Gemeinschaftsprojekt »mit unseren belgischen und niederländischen Freunden« wäre, was dem Frauenfußball hierzulande wieder einen dringend nötigen Impuls verleihen soll.

Dass der Auftakt ins neue Länderspieljahr der DFB-Frauen nicht überzeugend geriet, beschäftigte natürlich vor allem Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: »Im letzten Drittel haben wir nicht immer die richtige Entscheidung getroffen. Bei der Präzision, beim letzten Pass - daran müssen wir arbeiten. Im Tennis würde man sagen: Wir haben zu viele unforced errors gemacht.« Unerzwungene Fehler und damit das ganze Thema Präzision würde ihre Spielerinnen ja schon länger begleiten, führte die 53-Jährige aus. Die Gründe seien vielfältig: fehlende Beidfüßigkeit, falsches Timing, aber auch mangelnde Spielpraxis. Einige Spielerinnen hätten ja teilweise in diesem Jahr noch gar kein Pflichtspiel bestritten und auch nur in der Halle trainiert.

Obwohl in der schmucken Spielstätte, die im Alltag der Aachener Alemannia nur noch auf viertklassiger Ebene bespielt wird, eigens für die Frauen ein neuer Rasen verlegt wurde, rollte der Ball selten wirklich flüssig. Und so mündeten auch nur die besten Kombinationen in die Tore von Svenja Huth nach zwei Minuten und Lea Schüller zehn Minuten nach Wiederanpfiff. Zwischendrin allerdings gab es viel Leerlauf. »Hinten haben wir wenig zugelassen, aber nach vorne hätten wir mehr Durchschlagskraft zeigen können oder müssen«, gab Rechtsverteidigerin Kathrin Hendrich zu. »Das war nicht unbedingt unser bestes Spiel.« Klar ist: Um dieses Dreierturnier zu gewinnen, braucht es zum Abschluss am Mittwochabend gegen die Niederlande in Venlo einen Sieg. Die Vizeweltmeisterinnen hatten nämlich die Belgierinnen am vergangenen Donnerstag gleich mit 6:1 düpiert. Die »Oranje Leeuwinnen«, die über die im eigenen Land ausgerichtete und gewonnene Europameisterschaft 2017 die Sympathiewerte enorm nach oben geschraubt haben, sind somit ein wichtiger Prüfstein für die DFB-Auswahl.

Gerade die kaum geforderte Defensive, die mit Blick auf die EM 2022 in England von der erst 18 Jahre alten Lena Oberdorf angeleitet werden soll, dürfte erstmals seit dem 2:1-Prestigesieg im Londoner Wembleystadion gegen die Engländerinnen im November 2019 wirklich gefordert werden. »Nach dem Spiel gegen die Niederlande sind wir ein Stück weit schlauer«, glaubt Voss-Tecklenburg. »Dass wir es besser können, haben wir schon bewiesen. Daran müssen wir arbeiten.« Doch grundsätzliche Sorgen seien nicht angebracht, beruhigte die Bundestrainerin. »Mir ist nicht angst und bange.« Und es wäre ja langweilig, würde nach dem ersten von elf geplanten Länderspielen in diesem Jahr schon alles glatt laufen.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser:innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede:n Interessierte:n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor:in, Redakteur:in, Techniker:in oder Verlagsmitarbeiter:in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung