• Sport
  • Frauen und Nordische Kombination

Ein kleiner, aber wichtiger Schritt im Wintersport

In der Nordischen Kombination schließt sich bei der WM die letzte Geschlechterlücke im Skisport

  • Von Lars Becker, Oberstdorf
  • Lesedauer: 3 Min.

Die erste Chance auf Gold gibt es für die Skispringerinnen an diesem Donnerstag gleich am ersten Wettkampftag der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften von Oberstdorf. Fliegende Frauen gehören nur zwölf Jahre nach ihrer WM-Premiere längst fest zum Programm der Titelkämpfe. Und endlich bekommen sie mit vier Medaillenchancen auch genau so viele wie die Männer – weil für sie erstmals auch ein Einzelspringen von der Großschanze ansteht.

»Damit ist zumindest bei der WM die Geschlechtergerechtigkeit im Skispringen hergestellt. Noch wichtiger ist dafür allerdings der erste WM-Auftritt der Nordischen Kombiniererinnen«, sagt Horst Hüttel, Teamchef fürs Skispringen und die Nordische Kombination beim Deutschen Skiverband (DSV). Ursprünglich war die WM-Premiere der Kombiniererinnen an einem Montag geplant. Dann aber erwirkten die übertragenden Fernsehsender eine Verlegung in die Prime Time an diesem Sonnabend. »Ich finde, das ist ein gutes Zeichen«, so Hüttel.

Die Vorfreude bei den Athletinnen ist ohnehin groß. Juniorenweltmeisterin Jenny Nowak aus dem sächsischen Sohland wurde von Medienanfragen in dieser historischen Saison mit der Weltcup- und WM-Premiere überrollt. »Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Aber wir wollen unseren Sport ja der Welt präsentieren«, sagt Nowak. Die WM ist dabei ein immens wichtiger Schritt. Vom Verlauf des Wettbewerbs wird auch entscheidend abhängen, ob die Kombiniererinnen es 2026 in Mailand ins Olympiaprogramm schaffen.

»Der italienische Verband will einen Antrag stellen. Und die Chancen dafür stehen gut, weil auch das Internationale Olympische Komitee stark auf Geschlechtergerechtigkeit achtet«, berichtet Hüttel. Aus diesem Grund gibt es bei Olympia 2022 in Peking erstmals auch einen Mixed-Teamwettbewerb im Skispringen. So bekommen die Frauen neben dem Einzelwettbewerb von der Normalschanze endlich zumindest eine zweite Medaillenchance, auch wenn das noch immer nur halb so viele wie bei den Männern sind.

Bis zur finalen Gleichberechtigung der Geschlechter im Skisport ist es immer noch ein weiter Weg. »Bald wird es bei den Skispringerinnen auch den Antrag geben, den Team- und Großschanzenwettbewerb ins Olympiaprogramm aufzunehmen. Aber wir müssen uns Schritt für Schritt weiterentwickeln und dürfen den Bogen nicht überspannen«, fordert Andreas Bauer, Bundestrainer der Skispringerinnen.

Gerade dieser Corona-Winter hat gezeigt, dass im Skispringen immer noch eine Zwei-Klassengesellschaft zwischen Frauen und Männern herrscht. Bislang wurden 24 Einzelweltcups für die Männer ausgetragen, bei den Frauen waren es dagegen nur acht. »Das hat damit zu tun, dass die Ausrichter mit einem Weltcup der Männer Geld verdienen können, während die Frauen ein Zuschussgeschäft sind«, verrät Bauer. Deshalb ist auch das Preisgeld extrem unterschiedlich: Eine Siegerin kassiert 3800 Schweizer Franken, bei den Männern gibt es mindestens 10 000 Schweizer Franken.

In der Nordischen Kombination ist die Kluft zwischen den Geschlechtern sogar noch größer, und dennoch sind zuletzt schon die ersten Sprungspezialistinnen in den Winterzweikampf gewechselt. Svenja Würth war 2017 noch Skisprung-Weltmeisterin im Mixed-Wettbewerb geworden, nun ist sie die prominenteste Umsteigerin: »Ich habe als kleines Kind mit sieben Jahren mit der Nordischen Kombination angefangen, aber damals konnte ich es noch nicht in Wettbewerben machen. Ich mag Herausforderungen und breche gern aus gewohnten Mustern aus«, begründete sie jüngst ihren Wechsel.

Dass die Kombiniererinnen jetzt bei diesen Weltmeisterschaften starten, begrüßen auch die erfolgsverwöhnten männlichen Kollegen. »Ich finde es eine coole Sache, dass endlich auch bei uns die Frauen mit von der Partie sind. Ich bin jedenfalls sehr auf die WM-Premiere in Oberstdorf gespannt«, sagt Teamolympiasieger Fabian Rießle: »Ich hoffe, sie sind dann spätestens 2026 auch bei Olympia dabei.« Die Auftritte am Sonnabend zur besten Sendezeit sollen dafür eine erste gute Werbung sein.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung