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Titelträume im Volleyballland

Der SC Potsdam und die Netzhoppers KW-Bestensee könnten in den Pokalfinals die ersten nationalen Trophäen nach Brandenburg holen

Brandenburg ist ein Volleyballland. Fast jedes Dorf, vor allem im Speckgürtel rund um Berlin, hat einen Verein, mal mit 20, mal aber auch mit mehr als 100 Mitgliedern. Auf fast jedem Zeltplatz in der Mark steht irgendwo ein Netz. Knapp 14 000 Menschen schmettern den Ball regelmäßig drüber - knapp vier Prozent aller im Landessportbund Brandenburg organisierten Sportler. Nur Fußballer und Turner stellen noch mehr Mitglieder.

Und doch hat noch nie ein Volleyballverein aus Brandenburg bei den Frauen oder Männern, einen landesweiten Titel gewonnen - weder vor, noch nach 1990. An diesem Sonntag könnten aus null Titeln plötzlich gleich zwei werden, denn die Volleyballerinnen des SC Potsdam und die Männer der Netzhoppers KW-Bestensee stehen in den Endspielen um den DVV-Pokal. Für beide Klubs ist die Finalteilnahme eine Premiere. Krasse Außenseiter sind sie dennoch nicht.

Potsdam trifft zwar auf die Champions-League-Teilnehmerinnen vom SCC Schwerin, doch die vier Partien gegeneinander in der vergangenen und der aktuellen Bundesligasaison gingen allesamt nur knapp mit 3:2 entweder an Schwerin oder Potsdam. «Wir spielen immer enge Matches. Beide Teams sind absolut auf Augenhöhe», sagt Schwerins Trainer Felix Koslowski. Auch sein Potsdamer Gegenüber Guillermo Naranjo Hernandez meint: «In so einem Finalspiel kann alles passieren.» Immerhin liegen seine Potsdamer Spielerinnen in der Liga auf Rang vier nur drei Punkte hinter den Dritten aus Schwerin.

Die Netzhoppers haben in dieser Saison ihren Finalgegner United Volleys Frankfurt sogar schon zweimal bezwungen. Auch sie liegen in der Ligatabelle genau einen Platz hinter dem Kontrahenten vom Sonntag. «Wir sind sehr nah beisammen. Wer seine Nerven besser behält, wird gewinnen», prognostiziert Bestensees Coach Christophe Achten.

Anreiz für Talente schaffen

Auch wenn die große Halle in Mannheim nicht wie sonst mit knapp 11 000 Fans besetzt sein kann und erneut Geisterspiele anstehen, werden doch Tausende Brandenburger mit Potsdam und KW-Bestensee mitfiebern. Einer davon ist Steffen Trobisch, der als Jugendwart beim Brandenburger Volleyball-Verband seit Jahren mit vielen Helfern dafür kämpft, dass die Sportler des Landes sichtbar erfolgreicher werden. Doch das ist nicht einfach, «wenn die sehr guten Talente Brandenburg verlassen, weil sie anderswo mehr Geld verdienen oder Titel sammeln können», sagt Trobisch. Nationalspielerin Pia Kästner beispielsweise spielt Champions League in Stuttgart, dabei stammt sie aus Eisenhüttenstadt.

Im Nachwuchsbereich sind die Potsdamerinnen schon erfolgreich. 2019 wurde die U18 des SC Dritter bei den Deutschen Meisterschaften. Selbst die U16 von Trobischs Heimatverein Einheit Zepernick erreichte einen beachtlichen achten Platz - ganz ohne Anbindung an eine Sportschule. Für die größten Talente fehlt jedoch irgendwann der Reiz, weiter in Brandenburg zu bleiben. «Ich glaube, Pokalsiege von Potsdam und KW könnten da etwas auslösen. »Dann kommen vielleicht noch mehr Kinder zum Volleyball. Und die besten von ihnen sehen, dass auch in Brandenburg etwas zu holen ist«, hofft Trobisch. »Ein erfolgreicher Klub könnte Interesse wecken, sich darauf einzulassen.«

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