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+++ Kassenärzte wollen in Praxen impfen +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Freitag, 28. Februar 2021 / 30 Prozent in Großbritannien haben Erstimpfung erhalten / SMS bei Einreise / Ärzte fordern Erfassung von Schnelltestergebnissen

  • Lesedauer: 9 Min.

Berlin. Deutschlands Kassenärzte machen seit Tagen Druck, dass die Länder ihre Impfprogramme entbürokratisieren und die Ärzte über die Impfzentren hinaus so früh wie möglich einbinden sollen. Bis Ostern könnten ihren Berechnungen nach mehr als zwei Millionen zusätzliche Erstimpfungen gespritzt werden, wenn keine Impfdosen mehr für Zweitimpfungen zurückgelegt werden. Bis zum Beginn der Sommerferien in den ersten Ländern könnten es sogar mehr als 7,5 Millionen sein. Demnach könnten dann 58 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Impfung erhalten - nicht 47 Prozent, wie bisher geplant.

Die Aufstockung der Impfkapazitäten etwa durch Einbindung der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wird laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung noch dringender, wenn die Impfstoffe der von Johnson & Johnson sowie des Herstellers Curevac zugelassen werden.

In Deutschland stapeln sich zudem weiter große Mengen Astrazeneca in den Kühlschränken der Bundesländer. Bis Freitag laut RKI nur 364.000 Dosen davon geimpft. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden mehr als 1,4 Millionen Dosen geliefert. Weitere 1,7 Millionen Astrazeneca-Dosen waren seit Samstag für die kommenden Tage geplant.

+++ 30 Prozent der Briten haben Erstimpfung erhalten +++

London. Mehr als 20 Millionen Menschen haben in Großbritannien eine erste Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten, das sind etwa 30 Prozent. Das teilte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag mit. In Großbritannien wird anders als in Deutschland sowohl der Astrazeneca-Impfstoff als auch das Präparat von Biontech und Pfizer im Abstand von bis zu zwölf Wochen verabreicht, damit so viele Menschen wie möglich schnell eine Erstimpfung erhalten können. Die Zahl der für den vollen Impfschutz notwendigen Zweitimpfungen lag in dem Land zuletzt noch bei unter einer Million.

Nach Berechnungen der »Financial Times« wirkt sich der rapide Fortschritt des britischen Impfprogramms bereits auf Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und Todesfällen aus. Demnach sinken die Zahlen bei den bereits zu großen Teilen geimpften über 80-Jährigen deutlich schneller als bei jüngeren Altersgruppen.

Die Fallzahlen in der Coronavirus-Pandemie sind in Großbritannien weiterhin rückläufig. Die Sieben-Tage-Inzidenz wurde zuletzt mit etwa 110 angegeben. Damit ist die Zahl der Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche gemeint. Der Wert stammt jedoch bereits vom 22. Februar. Trotz der erfolgreichen Impfkampagne bleibt das Vereinigte Königreich mit etwa 123 000 Toten bei nachweislich mit dem Virus infizierten Menschen eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder Europas.

+++ Experte rechnet mit Inzidenzen um 200 in erster Aprilhälfte +++

Saarbrücken. Die dritte Welle der Corona-Pandemie wird nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr ähnlich stark ausfallen wie die zweite. »Ich gehe schon davon aus, dass wir wieder so Zustände wie vor Weihnachten bekommen werden«, sagte der Experte für Corona-Prognosen der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Er rechnete damit, dass in der erste Aprilhälfte wieder Sieben-Tage-Inzidenzen um 200 erreicht werden könnten.

Zwei Entwicklungen seien für den erneuten Anstieg der Corona-Zahlen verantwortlich. Zum einen sei die britische Mutante, die wohl um die 35 Prozent ansteckender sei, in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. »Sie wird auch hier die Oberhand gewinnen und weiter ansteigen bis in den 90-plus-Bereich«, sagte Lehr nach Analyse der jüngsten Zahlen des »Covid-Simulators« an der Universität des Saarlandes.

Zum anderen sehe er seit Mitte Februar wieder mehr Kontakte, die zu höheren Zahlen geführt hätten. »Ich befürchte, das hat ein bisschen was mit einer Lockdown-Müdigkeit zu tun. Und auch vielleicht mit einem Wiederanlaufen des normalen Lebens in gewissen Bereichen.« Nun stehen Öffnungen bevor - wie die der Friseure und anderer Betriebe ab dem 1. März oder weiterer Schritte ab dem 8. März.

»Auch wenn die Lockerungen moderat sind, werden sie sich auswirken.« Lehr geht davon aus, dass es nach dem 7. März rund 20 Prozent mehr Kontakte gebe. »Und dann werden wir sehen, dass die Kombination aus Lockerungen mit der Mutante, die dann voll da ist, zu einem relativ starken Anstieg führt.« Ohne jeglichen Lockerungsschritt würde Anfang April die 100er-Inzidenz erreicht. Die vor ein paar Wochen noch angestrebte Inzidenz von 35 sei inzwischen in weite Ferne gerückt.

+++ SMS-Benachrichtigung bei Einreise +++

Berlin. Wer nach Deutschland einreist, bekommt ab Montag zur Begrüßung eine SMS mit Informationen der Bundesregierung über die geltenden Corona-Regeln. Die Kurznachricht enthält einen Link auf eine Internetseite, die unter anderem Einreise- und Quarantänebestimmungen sowie allgemeine Hygienevorschriften wie etwa die Maskenpflicht erläutert, wie das Bundesgesundheitsministerium am Samstag mitteilte.

Die SMS wird demnach von den Mobilfunkanbietern verschickt, sobald sich ein Handy in ein deutsches Netz einbucht. Der Text lautet: »Die Bundesregierung: Willkommen/Welcome! Bitte beachten Sie die Test-/Quarantäneregeln; please follow the rules on tests/quarantine: https://bmg.bund.de/covid19«.

Die neue Maßnahme geht auf die Corona-Einreiseverodnung von Mitte Januar zurück. Darin werden Mobilfunkanbieter verpflichtet, ab dem 1. März entsprechende Kurznachrichten zur verschicken. Sie müssen dies tun, wenn sich ihre Kunden nach Nutzung eines ausländischen Mobilfunknetzes für mehr als 24 Stunden wieder ins Heimatnetz einbuchen oder sich Kunden ausländischer Mobilfunknetze im deutschen Netz anmelden.

+++ Ärzte fordern Erfassung von Schnelltestergebnissen +++

Essen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat eine zentrale Erfassung der Ergebnisse von Corona-Schnelltests durch das Robert-Koch-Institut (RKI) angeregt. »Mit der wachsenden Bedeutung der Antigen-Schnelltests in Deutschland sollten die Ergebnisse dieser Testverfahren detailliert ausgewertet werden«, sagte Reinhardt den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe. Unkomplizierte digitale Meldeverfahren und eine zentrale Erfassung der Ergebnisse am RKI würden das Dunkelfeld nicht registrierter Infektionen aufhellen und ein umfassendes Lagebild der Pandemie in Deutschland ermöglichen.

Bislang werden in Deutschland nur die Ergebnisse der laborgebundenen PCR-Tests an das RKI gemeldet. Zusätzlich gewonnene Daten von Schnelltests könnten wichtige Erkenntnisse über deren Nutzen und Einsatzszenarien in den unterschiedlichen Settings verschaffen, erklärte Reinhardt. Etwa darüber, wie häufig die Tests angewendet werden, wo Kapazitäten ausgeweitet werden müssen und wie hoch die Positivraten in den einzelnen Einsatzbereichen sind. »Genau solche Informationen brauchen wir, um schrittweise in ein normales Leben zurückzukehren«, betonte der Bielefelder Mediziner.

Als Beispiel nannte der Ärztekammerchef die Schweiz. Das Nachbarland sei in diesem Bereich deutlich weiter: »Dort werden Tests und Positivraten getrennt nach PCR und Schnelltests erfasst und ausgewertet.«

+++ Einreise in französische Grenzregion wird erschwert +++

Berlin. Im Kampf gegen die Ausbreitung gefährlicher Mutationen des Coronavirus wird die Einreise aus der französischen Grenzregion Moselle nach Deutschland erschwert. Mit Wirkung ab Dienstag stufte die Bundesregierung die an das Saarland und Rheinland-Pfalz grenzende Region am Sonntag als sogenanntes Virusvariantengebiet ein, wie das Robert Koch-Institut im Internet bekannt gab.

Einreisende aus dem Départment mit seinen etwa einer Million Einwohnern müssen künftig bei Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ein Schnelltest ist dabei ausreichend. Fluggesellschaften sowie Bus und Bahnunternehmen dürfen keine Passagiere mehr aus Moselle nach Deutschland befördern. Ausgenommen davon sind aber unter anderem deutsche Staatsbürger und in Deutschland lebende Ausländer. Auch der Warenverkehr soll nicht beeinträchtigt werden.

Stationäre Grenzkontrollen wie an den Grenzen zu Tschechien und zum österreichischen Bundesland Tirol soll es an der Grenze zu Frankreich nach dpa-Informationen nicht geben. »In diesen ganzen Überlegungen stehen bis zur Stunde Grenzkontrollen nicht zur Diskussion«, hatte auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) schon am Freitag versichert.

Im Département Moselle war es in den vergangenen Wochen zum verstärkten Auftreten der Coronavirus-Varianten gekommen. Nach Angaben von Premierminister Jean Castex handelt es sich bei 60 Prozent der positiven Fälle in Moselle um die südafrikanische Variante. Das Département Moselle ist eines von rund 100 Départements in Frankreich und gehört zur Region Grand Est.

+++ Notfallzulassung für Johnson & Johnson-Impfstoff in den USA +++

Im Kampf gegen das Coronavirus können die USA künftig auf einen weiteren Impfstoff zurückgreifen. Als drittes Vakzin erteilte die Arzneimittelbehörde FDA am Samstag (Ortszeit) dem Mittel des Herstellers Johnson & Johnson eine Notfallzulassung zur Anwendung bei Erwachsenen. Bei dem Impfstoff reicht eine einzige Spritze, er kann zudem bei normalen Kühlschranktemperaturen gelagert werden. Präsident Joe Biden sprach von »aufregenden Nachrichten für alle Amerikaner« und einem ermutigenden Schritt.

Bislang waren in den USA schon die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen. US-weit wurden bereits mehr als 66 Millionen Injektionen verabreicht. Vorprüfungen der FDA bescheinigen dem Vakzin von Johnson & Johnson eine sehr hohe Wirksamkeit. Demnach verhinderte das Mittel in einer großen klinischen Studie in den USA schwere Erkrankungen zu 85,9 Prozent. Bei Studien in Südafrika und Brasilien lag die Wirksamkeit demnach bei 81,7 beziehungsweise 87,6 Prozent. Damit scheint der Impfstoff des US-Konzerns auch gut gegen die südafrikanische und die brasilianische Virus-Variante zu wirken, die als deutlich ansteckender gelten.

Auch in der Europäischen Union hat der US-Konzern Johnson & Johnson bereits die Zulassung beantragt. Eine Entscheidung wird für Mitte März erwartet. Johnson & Johnson hatte angekündigt, bis Ende März 20 Millionen und bis Juni insgesamt 100 Millionen Impfdosen bereitzustellen. Der Impfstoff von Johnson & Johnson nutzt ein sogenanntes Adenovirus als Vektor. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann. Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Coronavirus zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

+++ Über 70.000 Todesopfer insgesamt in Deutschland +++

Berlin. In Deutschland sind inzwischen mehr als 70.000 Menschen an oder mit dem neuartigen Coronavirus gestorben. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen mitteilte, wurden innerhalb der vorangegangenen 24 Stunden 157 weitere Todesfälle gemeldet. Die Gesamtzahl der Corona-Toten stieg damit auf 70.045. Seit Pandemie-Beginn wurden fast 2,5 Millionen Corona-Infektionen behördlich registriert.

Bei den Todesfällen werden sowohl Menschen gezählt, die unmittelbar an der Erkrankung verstarben, als auch Menschen mit Vorerkrankungen, die mit Sars-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die genaue Todesursache war.

Das RKI meldete am Sonntagmorgen unter Berufung auf die Gesundheitsämter 7890 neu festgestellte Corona-Infektionen. Damit liegt die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz wie bereits am Samstag bei 63,8. Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Infektionen in Deutschland seit Beginn der Pandemie stieg auf 2.442.336. Etwa 2.248.400 Menschen gelten als genesen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz pendelt seit Tagen um die Marke 60. Während des seit Dezember andauernden harten Lockdowns war der Wert wochenlang zurückgegangen, bevor er im Verlauf der vergangenen Tage wieder stieg, dann erneut sank und nun den dritten Tag in Folge wieder zunahm.

Bei der Sieben-Tage-Inzidenz handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb dieses Zeitraums. Die Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab bei der Verhängung oder Lockerung von Corona-Restriktionen. Ziel von Bund und Ländern ist es derzeit, den Wert auf unter 35 zu drücken. Am Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Agenturen/nd

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