Werbung

+++ Jugendärzte warnen vor flächendeckenden Schnelltests +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Dienstag, 2. März 2021: +++ Tschentscher warnt vor raschen Lockerungen +++ SPD-Fraktion gegen Abrücken von Impfreihenfolge +++

  • Lesedauer: 4 Min.
Sind Corona-Schnelltest für Schüler sinnvoll?
Sind Corona-Schnelltest für Schüler sinnvoll?

Berlin. Jugendärzte und medizinische Fachgesellschaften warnen eindringlich vor Corona-Massentests an Schulen. Flächendeckende Schnell- beziehungsweise Selbsttests bei Schülerinnen und Schülern ohne Symptome wären »weder gerechtfertigt noch angemessen«, schreiben vier führende Organisationen in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die zu erwartende hohe Zahl an falsch negativen und falsch positiven Ergebnissen würde mehr Schaden anrichten als nutzen, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. Häufige Testungen wären gerade für junge Schulkinder sehr belastend, befürchten die unterzeichnenden Fachgesellschaften. Fischbach sagte, die Gefahr sei groß, dass die Schülerinnen und Schüler sich bei negativen Testergebnissen in falscher Sicherheit wiegten und die notwendigen Hygienemaßnahmen wie Maskentragen und Abstandhalten nicht mehr einhielten.

»Angesichts vieler falsch negativer Ergebnisse könnte das zu mehr Ansteckungen führen, als wenn nicht getestet würde; das wäre verheerend.« Stattdessen sollten das pädagogische Personal und alle Erwachsenen, die in den Einrichtungen Kontakt mit Kindern haben, jeden zweiten Tag getestet werden. Die Schnelltests sollten zudem nur durch geschultes Personal erfolgen. Bei Selbsttestungen drohten zu viele falsche Ergebnisse.

+++ Tschentscher warnt vor raschen Lockerungen +++

Berlin. Vor dem nächsten Corona-Gipfel hat Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) vor einem raschen Lockdown-Ende gewarnt: »Wir würden die Krise eher verlängern, wenn wir jetzt zu viele Beschränkungen gleichzeitig aufheben«, sagte Tschentscher im Interview mit der »Neuen Osnabrücker Zeitung«. »Wir müssen eine starke dritte Welle verhindern, bevor uns die Impfungen ausreichend Schutz vor Corona bieten.« Zwar gehe es in der Pandemiebekämpfung »in die Zielgerade«, und wenn die Impfquoten in den vulnerablen Personengruppen stiegen, gebe das mehr Sicherheit und erlaube dann auch größere Öffnungsschritte, sagte der SPD-Politiker, mahnte aber zugleich: »Die letzten Kilometer eines Marathons sind die schwersten, da dürfen wir jetzt nicht noch einmal stolpern.« »Sonne und steigende Temperaturen machen uns die Sache leichter«, sagte Tschentscher, der selbst Arzt ist, mit Blick auf den erhofften saisonalen Anti-Corona-Effekt. »Aber noch ist die Lage kritisch. Nach einigen Wochen des Rückgangs steigen die Infektionszahlen jetzt bundesweit wieder.«

+++ Altmaier: Weitere Öffnungen verantwortbar +++

Berlin. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hält es für verantwortbar, den Lockdown der Wirtschaft noch im März weiter zu lockern. Das sagte der CDU-Politiker am Montagabend bei einer Veranstaltung des Mittelstands-Verbands BVMW. Wenn man die regionalen Umstände berücksichtige, könnten Öffnungen auch dort möglich sein, »wo die Inzidenzen vielleicht nicht ganz so stark gesunken sind, wie wir uns das eigentlich vorgestellt haben«. Aspekte dafür könnten die Belastung der Gesundheitsämter, aber auch Schnell- und Selbsttests sein. Niemand wolle eine dritte Welle, betonte der Minister. Altmaier deutete konkret Öffnungsmöglichkeiten für den Einzelhandel und die Außengastronomie an. »Jetzt kommt die Zeit, wo man draußen sitzen kann«, sagte er. Letztlich sei es besser, wenn die Bürger in der Außengastronomie mit Hygienekonzept säßen als mit dem selbst gekauften Getränk irgendwo im Park. Zugleich müssten die Konzepte sicherstellen, dass soziale Kontakte nicht wieder von null auf hundert stiegen.

+++ 3943 Neuinfektionen und 358 neue Todesfälle +++

Berlin. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 3943 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 358 weitere Todesfälle verzeichnet. Das geht aus Zahlen des RKI vom Dienstag hervor. Vor genau einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 3883 Neuinfektionen und 415 neue Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 65,4 - und damit etwas niedriger als am Vortag (65,8). Vor vier Wochen, am 2. Februar, hatte die Inzidenz noch bei 90 gelegen. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 70.463. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Montag bei 1,01 (Vortag 1,08). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

+++ SPD-Fraktion gegen Abrücken von Impfreihenfolge +++

Berlin. Die SPD im Bundestag warnt davor, generell von der vorgesehenen Reihenfolge beim Impfen gegen das Coronavirus abzurücken. Stattdessen sollten ambulante Praxen chronisch Kranke und andere Patienten der Impfgruppen zwei und drei impfen, schlug die Gesundheitspolitikerin Sabine Dittmar vor. »Wenn Impfstoff lagert, weil Impftermine nicht wahrgenommen werden und Reservelisten abgearbeitet sind, dann muss dafür Sorge getragen werden, dass zügig in die nächste Prioritätengruppe gewechselt und den wartenden Patientengruppen ein Impfangebot gemacht wird«, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Agenturen/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung