Frauenpolitikerin aus Sachsen-Anhalt verlässt die CDU

CDU-Politikerin Kerstin Rinke wirft ihrer Partei in Sachsen-Anhalt Misogynie und Rechtsruck vor

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 2 Min.
Hat von den Männerzirkeln in der CDU genug: Kerstin Rinke.
Hat von den Männerzirkeln in der CDU genug: Kerstin Rinke.

Kerstin Rinke ist Landesvorstandsmitglied der Frauen Union der CDU Sachsen-Anhalt, Stadtratsvorsitzende der Stadt Südliches Anhalt und Mitglied der Kreistagsfraktion. Sie ist 1960 geboren und erst relativ spät, im Jahr 2014, in die CDU eingetreten. Doch das ist Schnee von gestern. Denn jetzt hat die Nordeuropawissenschaftlerin ihren Austritt aus der Partei erklärt. Das berichtete die »Volksstimme« und zitierte aus Rinkes Austrittserklärung, in der sie den »sehr despektierlichen Umgang mit der Frauenquote« kritisiere.

Es gebe Männerzirkel, die Personalien im stillen Kämmerlein absprächen und Posten untereinander verteilten, so Rinke. Sie habe erleben müssen, »dass sämtliche Bemühungen, engagierte und kompetente Frauen stärker in verantwortliche Positionen zu bekommen, die nicht nur im Ehrenamt ausgeführt werden, gescheitert sind«. Männer würden gern ihresgleichen rekrutieren: »Da haben es Frauen schwer, auch wenn sie noch so gut und qualifiziert sind.«

Rinke prangert zudem an, dass die Kandidatenliste zur Landtagswahl die »frauenfeindlichste Liste« sei, die die CDU Sachsen-Anhalt jemals aufgestellt habe. Erst vor fünf Monaten hatte die damalige Landesgleichstellungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Andrea Blumtritt, ihren Posten verlassen und in einer internen Abschiedsmail geschrieben, dass »der Hass und die Verachtung für gleichstellungspolitisches Arbeiten« auch im Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes angekommen seien.

Rinke nannte laut »Volkszeitung« in Ihrer Erklärung jedoch nicht Frauenhass als Austrittsgrund, sondern dass sich »die Ausrichtung der CDU Sachsen-Anhalt nach rechts verschoben« habe – sowohl in der Sprache als auch in der täglichen Praxis. Sie beobachte einen »gefährlichen Trend«. Es würden Grenzen getestet, ab wann die öffentliche Wahrnehmung so groß sei, dass man korrigieren müsse.

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