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Angst in der U-Bahn

Petition kritisiert Diskriminierung und Gewalt durch Kontrolleur*innen der BVG

  • Von Julia Trippo
  • Lesedauer: 2 Min.
Diskriminierung: Angst in der U-Bahn

Bahnfahren ist ja eigentlich etwas ganz Normales. Zugegeben, in Berlin nicht selten ein Erlebnis an und für sich. Da trifft man in der U-Bahn auf verschiedenste Menschen, Gerüche, Gegenstände und Musik. Und manchmal wird man eben auch kontrolliert, mit der altbekannten Aufforderung: »Die Fahrscheine, bitte!«

Nun fahren nicht alle Menschen mit einem gültigen Ticket. Als Konsequenz steht eigentlich ein Bußgeld von 60 Euro an. Doch für einige Fahrgäste hat die Zusammenkunft mit Fahrscheinkontrolleur*innen noch viel weiter reichende Folgen, nämlich Diskriminierung und Belästigung, wie Initiator*innen der Petition #BVGWeilWirUnsFürchten kritisieren. Der Slogan ist eine Anspielung auf den Marketingspruch der Berliner Verkehrsbetriebe »Weil wir dich lieben«, der ihrer Auffassung nach wenig mit dem Verhalten von Fahrscheinkontrolleur*innen und Sicherheitspersonal in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tun habe. Wegen Herkunft, Geschlecht, sozialem Stand oder Alter würden Fahrgäste diskriminiert, und diese müssten Anzüglichkeiten, Erniedrigung bis hin zu körperlicher Gewalt erleiden.

Derzeit haben fast 25.000 Menschen den Appell an die BVG unterschrieben. Gefordert werden unter anderem eine Aufarbeitung zur Aufklärung der Übergriffe und verpflichtende Schulungen des Kontrollpersonals. Problematisch sei auch, dass nur wenige Fälle überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen. Doch die Übergriffe seien keine Einzelfälle und hätten System. So wird in der Petition über Abbéy berichtet, der kein gültiges Zusatzticket für sein Fahrrad dabeihatte. Er soll mehrfach seine Bereitschaft zur Kooperation betont haben, wurde aber von drei Kontrolleuren in Richtung Treppe gedrängt. Dann soll ein tätlicher Angriff erfolgt sein, der Abbéy mit gebrochenem Schulterblatt, Schlüsselbein, zwei angebrochenen Rippen und Quetschungen in der Lunge zurückließ. 60 Euro Bußgeld wurden trotzdem verhängt. Doch: »Grundrechte gelten auch für Personen ohne gültiges Ticket«, resümiert die Petition.

Auch auf Twitter fand die Aktion viel Aufmerksamkeit und Solidarität. Auf einen Tweet von einer der Initiator*innen, Achan Malonda, reagierte die BVG sogar selbst: »Wir hören euch und nehmen die Beschwerden sehr ernst! Als in jeder Hinsicht vielfältiges Unternehmen hat jegliche Form der Diskriminierung bei uns keinen Platz. Seid versichert, dass wir alles genau überprüfen und uns immer wieder reflektieren.« User*innen begrüßten die Selbstreflexion, doch seien jetzt auch Konsequenzen vonnöten. Malonda entgegnete: »Nettes Lippenbekenntnis, aber ich weiß - auch aus persönlicher Erfahrung -, dass dem leider keine Taten, sondern stattdessen Gegenanschuldigungen folgen. Mit so einem ›Wir gehen der Sache nach‹-Tweet ist es leider nicht mehr getan.«

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