Schlagabtausch bei Lanz

Ralph Brinkhaus streitet sich mit Sascha Lobo im Fernsehen. Statt sich seiner Kritik zu stellen, redet der von »Bashing«.

  • Von Julia Trippo
  • Lesedauer: 3 Min.

Für die Union läuft es gerade – sagen wir mal: nicht so gut. Neben den fortlaufenden Herausforderungen der Coronakrise haben CSU und CDU derzeit offensichtlich auch mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. Um beide Themen ging es vergangenen Dienstagabend in der Politshow »Markus Lanz« im ZDF. Dort traf unter anderem Ralph Brinkhaus, Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Bundestag, auf den Journalisten und Autor Sascha Lobo. Die beiden lieferten sich einen hitzigen Schlagabtausch, Lobo auf inhaltlicher Ebene, Brinkhaus wurde dann persönlich.

Zugegeben, in Ralph Brinkhaus Haut möchte wahrscheinlich gerade niemand gerne stecken. Mit einer wachsenden Zahl an Korruptionsverdachtsfällen in den eigenen Reihen ist es nicht so angenehm, sich kritischen Fragen in einer Fernsehtalkshow zu stellen. Die beiden Bundestagsabgeordneten Georg Nüßlein und Nikolas Löbel, die früher in der CSU und CDU waren, nehmen in der Affäre um persönliche Bereicherung bei der Beschaffung von Corona-Masken eine Schlüsselrolle ein.

Im Zuge dieses Skandals um perfide Krisengewinner hat der Fraktionschef nun den Anspruch, so gute Regeln aufzustellen, »dass so etwas nicht mehr passieren kann«, erklärt er im Talkshowsessel. Da klinkt sich Lobo ein: »Das ist eine lustige Unverschämtheit«, konfrontiert der Autor den Politiker. Denn die Union habe in den vergangenen zehn Jahren verhindert, größere Transparenz im Parlament zu schaffen. Und auch Lanz hakt nochmal nach: »Was ist denn dann mit dem Fall Amthor?« Immerhin ist der Abgeordnete Philip Amthor seit kurzem CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, trotz des früheren Lobbyverdachts.

Da wird es Brinkhaus zuviel: »Das ist hier wie in Stereo«, sagt er mit bissigem Lächeln, weißt mit beiden Händen von sich und zeigt mit seinen Zeigefingern auf Lobo (rechts) und Lanz (links). Bis Brinkhaus die Frage beantwortet, warum Amthor nicht, Nüßlein und Löbel aber schon gehen mussten, (»nicht die gleiche Dimension«), muss Lobo mehrmals nachhaken.

Beim etwas größeren Themenkomplex »Coronavirus« kommt es dann zum offenen Konflikt. Laut Lobo seien wichtige Themen wie digitale Bildung, bessere Infrastruktur und Eindämmung des Föderalismus von der Union »verschleppt und vergeigt« worden.

Das wiederum triggert Brinkhaus: »Können wir das nicht einfach mal sachlich machen? Können wir nicht so diskutieren, dass wir uns respektieren?« Lobo würde eine Kultur ins Land bringen, die versuche, jeden fertig zu machen, der einen Fehler mache. Für Brinkhaus wäre es besser, darüber zu diskutieren, was anders gemacht werden müsse und nicht, warum es in den vergangenen 15 Jahren so nicht war. Rhythmisch zu seinen Vorschlägen, wie Lobo ihn zu kritisieren hat, schwebt die Hand von Brinkhaus auf und ab. Es hat etwas Deeskalierendes, aber auch die klare Message: Hey, ich gebe hier den Takt an!

Diese Strategie hat einen Namen: Tone Policing. Anstatt über Inhaltliches zu sprechen, wird die Diskussion auf die Art und Weise des Gesprächs gelenkt. Doch der Union und ihren Vertreter*innen würde es durchaus zu Gesicht stehen, ab und an bei Kritik genauer hinzuhören. Dann wird das mit der Fehlerkultur vielleicht doch noch etwas.

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