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Aufstieg in die Millionärsklasse

Die Basketball-Euroleague wird immer elitärer. Auch Alba Berlin gehört bald dazu.

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.

Dem Basketballer Rašid Mahalbašić kann man kaum vorwerfen, naiv zu sein. Der 2,10 Meter große Center der Baskets Oldenburg ist eher der »Mit allen Wassern gewaschen«-Typ. Er springt nicht besonders hoch, läuft langsamer als der Rest übers Parkett, am Ende aber macht er oft die meisten Punkte. Der Österreicher kennt die vielen kleinen Tricks, mit denen er seine athletischeren Gegner narrt und hier und da auch mal die Schiedsrichter manipuliert. Trotzdem ließ sich Mahalbašić am Dienstagabend zu einem naiv anmutenden Satz hinreißen: »Im Basketball spielt Geld - bis zu einer gewissen Grenze - keine Rolle.«

Die Oldenburger hatten gerade in der Basketball-Bundesliga (BBL) überraschend mit 89:81 beim deutschen Meister Alba Berlin gewonnen, die Endorphine flossen also noch durch Mahalbašićs Adern, als er sagte: Heute habe gewonnen, »wer sich auf den Ball schmeißt oder einen Block schafft, den keiner mehr kommen sieht«. Im Basketball kann tatsächlich mitunter entscheidend sein, welches Team mit mehr Intensität und Willen spielt. Dennoch: Mit besseren Spielern ist es auf Dauer leichter, zu gewinnen: Die Berliner Bilanz gegen Oldenburg lautet: 49 Siege und 21 Niederlagen. Und das Verhältnis könnte in den nächsten Jahren noch eindeutiger pro Berlin ausfallen, denn Alba bekam diese Woche die Nachricht zugestellt, dass der Verein eine zweijährige Wildcard für die Euroleague erhält, also sicher in der höchsten europäischen Klasse weiterspielen darf.

»Das ist eine schöne Bestätigung unserer kontinuierlichen Arbeit und ein Meilenstein für die Entwicklung unseres Klubs, auf den wir intensiv hingearbeitet haben«, kommentierte Albas Geschäftsführer Marco Baldi die Neuigkeit. Auch die Konkurrenz freute sich mit: »Das ist ausgezeichnet für die Liga und für Alba. Man sieht, dass sie wirklich gut arbeiten. Die spielen den attraktivsten Basketball der Euroleague«, lobte Mahalbašić. Und sein Trainer Mladen Drijenčić fügte hinzu: »Es ist eine Auszeichnung für den deutschen Basketball und die Entwicklung in der Bundesliga. Alba hat die Euroleague verdient.«

Doch ist dieser Schritt wirklich so gut für die BBL? In der Euroleague haben die Spitzenklubs des Kontinents im Basketball längst umgesetzt, was sich Real Madrid, Paris Saint-Germain und Bayern München im Fußball wohl schon lange wünschen: eine eigene, fast komplett autarke Liga, die regelmäßig Gewinne ausschüttet - und für die sich die größten Vereine sportlich nicht mehr qualifizieren müssen. Die Euroleague bietet 11 von 18 Teilnehmern eine dauerhafte Spiellizenz. Im Sommer soll die Zahl auf 13 wachsen, wenn nach einer letzten Prüfung Bayern München und der französische Klub Asvel Villeurbanne aufgenommen werden. Dazu kommt die Wildcard für Alba, die wie bei den Münchnern nach zwei Jahren in eine dauerhafte Lizenz umgewandelt werden könnte.

Die Euroleague schließt sich somit immer mehr ab. Teams aus weniger interessanten Medienmärkten wie etwa Polen, den Niederlanden oder Mahalbašićs Heimat Österreich haben schon jetzt keine Chance auf eine Teilnahme. Neben den Bayern und Alba Berlin soll sich der deutsche Meister weiterhin für die Euroleague qualifizieren können. Solange das so bleibt, besteht für andere deutsche Teams noch die Chance, auch mal in den elitären Klub aufzusteigen. Eine Garantie, dass es so bleibt, gibt es aber nicht. Die nationalen Ligen und die internationalen Verbände könnten eine komplette Schließung der Euroleague nicht aufhalten. Schon jetzt machen machtvolle Ligen wie die NBA in Nordamerika oder die Euroleague ihre eigenen Regeln und weigern sich etwa, Nationalspieler für Landerspiele abzustellen.

Für die Konkurrenz in der BBL sind die Auswirkungen bereits spürbar. In den vergangenen drei Jahren wurden immer die Bayern oder Alba Meister und spielten danach in der Euroleague. Mit dieser Aussicht konnten sie die besten Akteure verpflichten. »Natürlich ist das für Spieler extrem wichtig. Ich will immer ganz oben spielen«, sagt Maodo Lô, der im vergangenen Sommer für ein Jahr bei Alba unterschrieb. Jetzt sieht alles nach einer Vertragsverlängerung des deutschen Nationalspielers aus, da Alba sich nicht mehr sportlich qualifizieren muss.

Für die Bayern wird es mit einer A-Lizenz sogar noch lukrativer. Sie würden dann an den Einnahmen der Euroleague beteiligt. Manche europäische Spitzenklubs generieren allein über die TV- und Sponsorenverträge jährlich mehrere Millionen Euro. Finanziell steht auch für die noch lizenzlosen Berliner eine Verbesserung an, da Sponsoren nun die Sicherheit bekommen, zwei Jahre lang auf dem höchstem Level sichtbar zu sein. Sollte Alba danach auch eine Lizenz erhalten, ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb der Bundesliga zementiert.

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz sieht diese Gefahr noch nicht. Vielmehr sei es für die Liga wichtig, »dauerhaft mit mindestens zwei Vertretern im höchsten europäischen Klubwettbewerb vertreten zu sein«, sagt er gegenüber »nd«. Dies spiegele die Entwicklung und die Ambitionen der BBL wider. »Die Gefahr für unseren eigenen Wettbewerb sehen wir nicht, da die Euroleague - und die damit verbundenen Reisestrapazen mit ihren mindestens ebenfalls 34 Spielen - den Klubs auch enorme Belastungen abverlangt.« Die aktuelle Bundesligatabelle zeige dies eindrucksvoll, denn dort führt Ludwigsburg vor Berlin und München.

Die Strapazen der Euroleague wären mit mehr Geld für den FC Bayern und Alba jedoch künftig einfacher zu verkraften, wenn sie sich wie andere Spitzenvereine zwei komplette Kader für Euroleague und nationale Liga zusammenkaufen. Auch Holz weiß daher, dass es »essenziell ist, dass die rein sportliche Qualifikation aus den nationalen Ligen ebenfalls sichergestellt ist«, um anderen noch eine kleine Chance auf eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Denn welcher Geldgeber investiert schon in einen Verein, der keinen sportlichen Erfolg mehr erringen kann?

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