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Der größte Blödsinn findet Anhänger

Linke will Fortbildung für Lehrer zu Verschwörungsideologien

  • Von Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.
Verschwörungsglaube in Frankfurt (Oder).
Verschwörungsglaube in Frankfurt (Oder).

Die Ausbreitung von Verschwörungsideologien unter den Brandenburgern hält Die Linke inzwischen für so gravierend, dass dagegen politisch vorgegangen werden muss. Unter der Überschrift »Verschwörungserzählungen bekämpfen! Friedliches Zusammenleben sichern!« beantragt sie, dass es politische Initiativen und Beratungsangebote für Betroffene gibt. Die Koalitionsparteien ärgert dieses Vorpreschen.

»Verschwörungstheorien erstarken, dringen in die Gesellschaft ein und spalten Familien und Freundeskreise«, zeigte sich die Linke-Abgeordnete Andrea Johlige überzeugt. Sie erinnerte an die Erstürmung des Kapitols in Washington und der Treppe des Reichstags, die dokumentieren würden, dass die Anhänger von Verschwörungsideologien immer aggressiver werden. Immer mehr Menschen würden dahin »abrutschen«, so Johlige.

Die Linksfraktion fordert, ein »Beratungsangebot für Betroffene« zu schaffen, zu denen in erster Linie Lehrer zählen. Denen müssten Fortbildungsangebote gemacht werden, »um diese zu befähigen, Verschwörungserzählungen schnell zu erkennen und diesen entgegenwirken zu können«. Auch »Aktive in Vereinen und Verbänden« sollten fortgebildet werden.

Gefordert wird außerdem ein Forschungsprojekt, das die »psychologischen und soziologischen Ursachen für das Erstarken von Verschwörungserzählungen erforscht und Vorschläge zum Zurückdrängen unterbreitet«. Einbezogen werden sollen das Moses-Mendelsohn-Zentrum und die Landeszentrale für politische Bildung. Außerdem, so der Antrag, müssten Sicherheitsbehörden für das Phänomen sensibilisiert werden.

Als Beispiele für absurde Verschwörungstheorien nennt die Linke die Ansichten der sogenannten Reichsbürger, dass es sich bei der Bundesrepublik nicht um einen Staat, sondern um eine Firma handele sowie die Vorstellung, dass die US-Politiker Barack Obama und Hillary Clinton ein weltweites Netz leiten, das Kindern Blut abzapfe, um eine Verjüngungsmedizin daraus zu brauen. Johlige hofft auf einen gemeinsamen Antrag der oppositionellen Linksfraktion mit den Koalitionsparteien SPD, CDU und Grüne.

Damit beißt sie allerdings auf Granit. CDU-Fraktionschef Jan Redmann erklärte, dass die Linke darauf aus sei, »ihr eigenes politisches Süppchen« zu kochen. Das habe das »Thema nicht verdient«. Er sicherte jedoch zu, dass sich die Koalition der Sache annehmen werde.

Als »unfreundlichen Akt der Linken«, bezeichnete SPD-Fraktionschef Erik Stohn die Initiative von Johlige. Man könne sich ja durchaus mit Teilen des Antrags anfreunden und man habe kurz vor der Einigung zu einem gemeinsamen Antrag gestanden. Dass die Linke nun allein vorgeprescht sei, »stimmt uns außerordentlich traurig«. Sie hätte das Ergebnis der Beratung abwarten sollen, findet die SPD. Auch Stohn nimmt eine starke Anfälligkeit für absurde Verschwörungstheorien wahr. Es mache ihn betroffen, wie stark sogar Kommunalpolitiker dem anheimfallen, sagte er. Dabei sollten sie sich ihrer Vorbildrolle eigentlich bewusst sein.

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