Tesla aus Wolfsburg

Kurt Stenger über den Börsenrummel zu Volkswagen

  • Von Kurt Stenger
  • Lesedauer: 1 Min.

In Zockerkreisen gilt der Volkswagen-Konzern als schwerfälliger Tanker, bei dem sich wenig tut. Zu groß, provinziell, teils in Staatsbesitz und mit starkem Gewerkschaftseinfluss finden sich selten Anlässe für Kurssprünge an den Börsen. Am Mittwoch freilich schoss die Aktie in die Höhe und trieb den Dax auf ein neues Rekordhoch. Das lag nicht etwa daran, dass VW bisher recht gut durch die Coronakrise gekommen ist, auch dank staatlicher Autokaufprämien. Sondern, dass es mal eine »Story« gab: Der Konzern setzt voll auf E-Autos, investiert zudem groß in Batteriezellfertigung, Ladeinfrastruktur und Digitalisierung. Man will wie Tesla werden, nur x-mal größer. Vor allem junge Zocker aus der Reddit-Szene deckten sich mit VW-Aktien ein.

Doch die Euphorie ist eher heiße Luft: Ähnliches hatte VW schon öfter angekündigt, aber der Verbrennungsmotor dominiert nach wie vor alle Konzernmarken. Denn der Dieselbetrüger imitiert Tesla nicht aus Überzeugung, sondern unter dem Druck schärferer CO2-Reduktionsvorgaben. Und da die Konkurrenz ebenfalls auf dem E-Zug sitzt, bleibt offen, ob VW als Sieger aus dem tiefen Strukturwandel der Autoindustrie hervorgehen wird. Auch an der Börse hat man wohl nachgedacht: Am Donnerstag lag die VW-Aktie, während der Dax weiter kletterte, tiefrot im Minus.

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