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Tande aus dem Koma erwacht

Der norwegische Skiflieger ist wieder bei Bewusstsein. Der Sturz in Planica war nicht der erste schwere Schlag für seine Gesundheit

  • Von David Ryborz, Planica
  • Lesedauer: 3 Min.

Als Daniel Andre Tande nach vier Tagen vom Beatmungsgerät getrennt wurde, waren Mama Trude und Freundin Anja ganz nah. »Er ist jetzt wach und atmet von selbst. Alles ist in Ordnung, die Familie ist bei ihm und redet mit ihm«, verkündete die norwegische Mannschaftsärztin Guri Ekaas am Montag.

»Er wurde behandelt wie ein König«, bedankte sich die Familie in einer Mitteilung bei den Ärzten. »Es ist gut zu wissen, dass man sich gut um Daniel gekümmert hat und er unter ruhigen und sicheren Verhältnissen wieder auf die Beine gekommen ist. Es waren schlimme und lange Tage des Wartens.«

Nach seinem schrecklichen Sturz beim Skifliegen in Planica am Donnerstag war der Teamolympiasieger aus Norwegen ins künstliche Koma versetzt worden. Tande erlitt einen Schlüsselbeinbruch sowie eine leichte Verletzung der Lunge. »Daniel hat im Laufe der Nacht große Fortschritte gemacht«, ergänzte Ekaas. Gegen 6.00 Uhr sei er vom Beatmungsgerät genommen worden.

Nun befindet sich der 27-Jährige auf dem Weg der Besserung. Tandes Mutter und Freundin waren am Sonntag in die slowenische Hauptstadt gereist, um ihm im Universitätsklinikum beizustehen. »Wir danken für all die Unterstützung und wünschen uns jetzt Ruhe, um Daniel nach Hause nach Norwegen zu bringen«, schrieb die Familie. Nationaltrainer Alexander Stöckl freute sich über »die beste Nachricht an diesem Wochenende«. Der norwegische Sportchef Clas Brede Braathen bezeichnete die vergangenen Tage als die »härteste Zeit« für sein Team. Der deutsche Bundestrainer Stefan Horngacher sprach von einem »Wahnsinnsschock« für die Skisprungfamilie.

Im Hinblick auf den nun anstehenden Heilungsprozess zeigte sich das Ärzteteam zuversichtlich. Angesichts der schlimmen Bilder seiner Bruchlandung auf der »Letalnica« scheint der Skiflug-Weltmeister mit dem norwegischen Team noch einmal glimpflich davongekommen zu sein.

Auch die Kollegen im Skisprungzirkus um die DSV-Adler Karl Geiger und Markus Eisenbichler wünschten Tande beim Saisonfinale am Sonntag noch einmal gute Besserung. »Alles Gute aus Planica. Bis bald«, stand auf einem Banner geschrieben, das die Athleten aus Deutschland und Österreich im Zielraum gemeinsam in die Höhe hielten.

Der Horrorsturz in Planica war aber nicht der einzige Schicksalsschlag in der Karriere des Liverpool-Fans. Im Mai 2018 - am bisherigen Höhepunkt seiner Laufbahn - war Tande am äußerst seltenen Stevens-Johnson-Syndrom erkrankt, das ihn fast in Lebensgefahr brachte. »Ich bin aus einem Nickerchen aufgewacht und hatte Mühe zu atmen«, hatte Tande der Zeitung »Dagbladet« erzählt: »Ich konnte nicht schlucken und nicht essen.«

Daniel Andre Tande überstand die Krankheit, bei der das Immunsystem die eigenen Zellen im Körper angreift, und kehrte zurück an die Weltspitze. Trotz eines zusätzlichen Problems: Tande leidet an Höhenangst. »Es funktioniert immer so lange gut, bis ich oben auf der Schanze sitze und runterschaue, wo ich hinspringen werde«, sagte er einst. »Ich versuche dann aber, einfach nur in die Ferne zu starren.«SID/nd

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