Gute Zeiten für Aktionäre

Trotz Pandemie fällt die Dividendenauszahlung von Dax-Unternehmen so hoch wie selten aus

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Deutschlands Großunternehmen kamen besser durch die Corona-Pandemie als lange gedacht. Für das Krisenjahr 2020 werden allein die Dax-Konzerne in den kommenden Wochen eine prognostizierte Summe von rund 32 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Dies entspräche auf Basis des aktuellen Kursniveaus einer Rendite von immerhin rund 3 Prozent. Die Dividendenauszahlung wird damit eine der höchsten in diesem Jahrhundert sein.

Anleger dürfen also aufatmen: Obwohl die Coronakrise vielen vor allem kleineren Unternehmen erheblich zusetzt, werden Dividendenzahlungen ein zentraler Baustein ihrer Geldanlage bleiben. Zwar sind auch Dividenden nicht immun. Unsichere Geschäftsperspektiven hinterließen auch bei den Ausschüttungen an die Aktionäre kleine Spuren. »Die langfristigen Geschäftsperspektiven und damit auch Dividendenaussichten unterliegen aber wesentlich weniger Schwankungen«, so die Einschätzung der Deka-Bank. Von einem allgemeinen Dividendenstopp, der vor einem Jahr in aller Munde war, blieb nichts mehr übrig.

Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 dürften die Dividenden in diesem Frühjahr wohl ein wenig geringer ausfallen. Einige Unternehmen wie der Windmüller Nordex, der Flughafenbetreiber Fraport oder die Deutsche Bank strichen die Dividende sogar komplett. Dennoch schüttet die Bank 1,9 Milliarden Euro als Boni an ihre Mitarbeiter aus, die Hälfte davon an Investmentbanker. Obwohl das Institut inzwischen einige Tausend Angestellte weniger zählt, bekommt die verbliebene Belegschaft fast ein Drittel mehr.

Im Leitindex Dax erhält Frank Appel, Chef der Deutschen Post, den höchsten Zuschlag. 10,0 Millionen Euro beträgt seine Gesamtvergütung, lediglich 1,9 Millionen davon sind »Grundvergütung«. Eine Übersicht der Frankfurter Beratungsfirma HKP zeigt, dass die Managergehälter nicht von den Gewinnen der Unternehmen entkoppelt wurden (wie noch in der Finanzkrise). Beide gingen 2020 im Schnitt brutto um etwa ein Viertel zurück. Doch verglichen mit den Einkommen der abhängig Beschäftigten erhalten die Bosse traumhafte Vergütungen.

Der genaue Anteil, den die Aktionäre vom Gewinn erhalten werden (»Dividende«), wird erst auf dem alljährlichen Aktionärstreffen beschlossen. Üblicherweise schüttet der Vorstand etwa 60 Prozent des Netto-Gewinns (Brutto-Gewinn nach Abzug von Abschreibungen, Investitionen und Steuern) an seine Eigentümer aus. Daher zeigen die geplanten üppigen Dividenden, dass auch die Milliardengewinne vieler Konzerne kaum oder gar nicht geschrumpft sind.

Mit der heute stattfindenden Online-Hauptversammlung von Daimler-Benz strebt die Nach-Bilanz-Saison ihrem Höhepunkt im Mai zu. »Durch die Erhöhung der Dividende inmitten der Corona-Pandemie zeigt sich Daimler ignorant für die gesamtgesellschaftliche Stimmung«, moniert Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. »Während der Konzern Kurzarbeitergeld für Teile seiner Belegschaft erhält, schüttet er statt 90 Cent pro Aktie im Vorjahr nun 1,35 € aus.« In Summe 1,4 Milliarden Euro.

Mehr noch als über die Dividenden können sich Aktionäre über die Kursentwicklung freuen. Am 19. März des vergangenen Jahres war der Deutsche Aktienindex (Dax), in ihm sind die 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften zusammengefasst, auf einen Tiefpunkt von unter 9000 Punkten gefallen. Seither überwand er wiederholt das bisherige Allzeithoch und nähert sich nun den 15 000 Punkten. Wer also in Corona-Zeiten Kasse machen wollte, durfte sich über Traumrenditen freuen.

Nimmt man alles zusammen, Gewinne, Dividenden und Kursentwicklung, lief die Bilanzsaison in diesem Jahr so gut wie selten zuvor. Dabei haben auch einige Große wie TUI oder Lufthansa unter der Krise stark gelitten. Andere aber branchenbedingt profitiert. Beispielsweise Siemens: Nach der Abspaltung von Energie und Gesundheit wird der Konzern im künftigen Dax mit 40 Mitgliedern gleich drei Hochkaräter stellen.

Gut durch die Coronakrise manövrieren konnte sich die Exportwirtschaft, vor allem der Auto- und Maschinenbau. Diese profitierten davon, dass wichtige Absatzmärkte wie China und Vietnam die Pandemie schnell in den Griff gekriegt hatten. Und auch die zügige Erholung der US-Wirtschaft steigert die Nachfrage nach deutschen Produkten.

Von den Corona-»Siegern« in Asien und Amerika profitieren auch andere Volkswirtschaften. Während der Bilanzsaison zeigte sich international, dass die Gewinne der Großen bei weitem nicht so stark gesunken sind, wie man es befürchtet hatte. Und für das 4. Quartal 2020 steht im »S&P 500 Index« inzwischen sogar unter dem Strich ein Gewinnwachstum zu Buche.

Die günstige Lage lockt auch Neue an. Der weltweite IPO-Markt boomt. Insgesamt wagten im ersten Quartal dieses Jahres weltweit 391 Unternehmen den Sprung an die Börse und beschafften sich so preiswert Kapital, etwa 100 Milliarden Euro. Ein Plus von rund 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auch sonst herrscht Optimismus. So erwarten die deutschen Großunternehmen mehrheitlich, dass sie sich schnell von der Coronakrise erholen.

Damit kämen die deutschen Konzerne etwas schneller aus der Krise als der internationale Wettbewerb. Zu dieser Einschätzung gelangt EY, die 2400 Großunternehmen weltweit befragten, 153 davon in Deutschland. Weltweit rechnet knapp die Hälfte mit einem Anstieg der Umsätze auf das Niveau vor der Pandemie noch im laufenden Jahr. Da es an der Börse weniger um die Gegenwart als um die weitere Zukunft geht, erwarten Analysten eine Fortsetzung der Bilanz- und Börsenrallye.

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