»Ich werde mir nicht von Rechten diktieren lassen, was ich sage oder nicht«

Danilo Zoschnik hat auf Twitter öffentlich gemacht, dass er nach einer Astra-Zeneca-Impfung an einer Lungenembolie erkrankte und erntete einen Shitstorm von Querdenkern

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 5 Min.
Querdenker*innen tun ihre Meinung nicht nur auf der Straße kund, im Internet sind sie noch viel aktiver.
Querdenker*innen tun ihre Meinung nicht nur auf der Straße kund, im Internet sind sie noch viel aktiver.

Hallo Danilo Zoschnik. Am 31. März haben Sie auf Twitter öffentlich gemacht, dass Sie nach einer Impfung mit dem Impfstoff von Astra-Zeneca eine Lungenembolie entwickelt haben. Wieso konnten Sie überhaupt schon geimpft werden?

Ich bin als Lernassistent an einem Oberstufenzentrum tätig und habe deswegen von meiner Hausärztin eine Impfberechtigung erhalten.

Wie hat sich die Erkrankung bemerkbar gemacht?

Ich wurde an einem Freitag geimpft und hatte am Montag so ein Stechen und Ziehen beim Atmen in der Brust, was sich über den Rücken gezogen hat. Ich habe es dann untersuchen lassen und meine Hausärztin hat mir Blut abgenommen. Sie hat festgestellt, dass die D-Dimere-Werte relativ hoch sind, was auf eine Lungenembolie hinweist. In meinem Alter ist die relativ unwahrscheinlich, im Zusammenhang mit der kürzlich zurückliegenden Impfung kam es aber durchaus in Frage.

Welche Reaktionen haben Sie auf ihren Tweet erhalten?

Menschen, die mich schon länger auf dem Kurznachrichtendienst verfolgen und kennen, haben mir gute Besserung gewünscht und ihre Solidarität ausgesprochen. Aber es gab sehr schnell auch gehässige Kommentare und Häme, eindeutig von Leuten, die aus der Querdenken-Richtung kamen und politisch rechts eingestellt waren. Die haben es dann auch in ihren Kreisen geteilt.

Und was haben die genau geschrieben?

Hundertfach haben sie geschrieben, dass ich das verdient hätte, weil ich ja so ein Impf-Fan-Boy sei und das es mich genau richtig treffe. Es gab viele, nicht besonders kreative Beleidigungen, wie: »Impf-Nazi«, »Propaganda-Opfer«, »Regime-Lakai«, oder dass es »natürliche Auslese sei«, dass ich jetzt von einer Embolie betroffen bin.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Viele Nutzer*innen habe ich direkt blockiert, vor allem diejenigen, die beleidigend geworden sind. Mit manchen habe ich versucht, ins Gespräch zu kommen, zum Beispiel mit Leuten, die wissen wollten, ob ich mich noch ein zweites Mal impfen lassen würde. Da habe ich geantwortet, dass ich es mit einem anderen Impfstoff machen lassen würde, wenn meine Ärzte keine Bedenken dafür sähen.

Ihr erster Tweet zu der Erkrankung nach der Impfung ist fast eine Woche alt. Bekommen Sie mittlerweile weniger Nachrichten aus dem Querdenken-Lager oder sind es mit zunehmender Zeit mehr geworden?

Es ist leider viel mehr geworden. Das liegt daran, dass mein Tweet in großen Gruppen geteilt worden ist, wie dem offiziellen Telegram-Kanal von Attilla Hildmann, Querdenker-Rebellen-Gruppen, wie die sich ja nennen. Der umstrittene Arzt Wolfgang Wodarg, der auch immer seinen Senf zu Covid dazu gibt, hat meinen Tweet auf seiner Facebook-Seite geteilt. Deswegen habe ich jetzt auf allen Kanälen, also Facebook, Instagram und Twitter, dauernd irgendwelche Nachrichten-Anfragen. Entweder von Leuten, die sich erkundigen, pb das alles stimmt, oder von solchen, die mich direkt beleidigen.

Wie haben Sie davon erfahren, dass zum Beispiel Attilla Hildmann ihren Tweet geteilt hat?

Ich habe Freund*innen, die inkognito und nur passiv in diesen Gruppen sind, um zu sehen, was da geschrieben wird. Sie haben es mir erzählt und Screenshots geschickt. Auf Twitter wurde von Nutzer*innen geschrieben, dass ich auch auf rechten Blogs erwähnt werde.

Diesen Gruppen können Sie nicht verbieten, ihren Tweet zu verbreiten, oder?

Nein, das geht nicht.

Wie viele unsachliche Kommentare löschen Sie täglich ungefähr und wie viele Accounts blockieren Sie am Tag?

Ich denke, ich lösche aktuell jeden Tag ein paar Dutzend Kommentare und blockiere etwa 50 Accounts, die versuchen sich unter meine Followerschaft zu mischen.

Würden Sie künftig trotz des Hasses, den Sie jetzt erfahren, so etwas wieder öffentlich machen?

Ja, das würde ich definitiv. Ich möchte und werde mir nicht von Rechten diktieren lassen, was ich sage oder poste und was nicht.

Wie haben Menschen in ihrem Umfeld auf die Erkrankung reagiert, gab es jemanden, der oder die deswegen skeptisch gegenüber dem Impfstoff geworden ist?

Für die meisten war es ein Schock. Vor allem waren viele um mich besorgt, da so eine Lungenembolie auch deutlich schwerer verlaufen kann, als in meinem Fall. Bei einigen Familienmitgliedern und Freund*innen kam durchaus Skepsis auf, die ich aber zum einen verstehen kann und zum anderen wieder einzuhegen versuche.

Gibt es in ihrem Umfeld Impfgegner*innen? Diskutieren Sie mit denen?

Nein. Nur Menschen, die nicht mit Astra-Zeneca geimpft werden wollen. Generell lohnt sich, nach meinen Erfahrungen in sozialen Medien, eine Diskussion mit Impfgegner*innen aber auch eher nicht.

Sie sind seit 2016 bei den Grünen politisch aktiv. Haben Sie aufgrund ihres Engagements schon mal einen Shitstorm erlebt?

Ja, habe ich. Deswegen prallen diese Kommentare jetzt auch eher an mir ab. Es setzt mir nicht besonders zu. Außerdem habe ich viele gute Leute im Internet, die mich decken und ihre Solidarität mit mir ausdrücken. Das hilft auf jeden Fall. Und man kennt es halt leider auch, wenn man politisch aktiv ist, dass Leute dabei sind, die beleidigend sind oder mit sehr kruden Sachen zu einem kommen. Zum Beispiel hat mir ein älterer Herr auf einer Anti-Kohle-Demo mal gesagt: »Euch hätte man damals alle in die Urne schicken müssen«.

Gehen Sie rechtlich gegen die Beleidigungen vor?

Es gibt ja diese tolle Seite, Hass melden, heißt sie. Ich bin dabei, Screenshots zu machen und diese dort hinzuschicken, auch von Profilen, die mich besonders stark beleidigen. Ich werde auch gucken, ob ich gegen diese Profile rechtliche Schritte einleiten kann, weil ich denke, dass das der richtige Weg ist, mit solchen Kommentaren umzugehen.

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