Arkansas verbietet Hormonbehandlung für transsexuelle Jugendliche

Parlament des Bundesstaats kippt Veto des Gouverneurs Hutchinson / Gesetz verbietet alle medizinischen und operativen Behandlungen

  • Lesedauer: 3 Min.
Protestaktion Ende März gegen das Verbot von Hormonbehandlungen für transsexuelle Jugendliche vor dem Landesparlament von Arkansas
Protestaktion Ende März gegen das Verbot von Hormonbehandlungen für transsexuelle Jugendliche vor dem Landesparlament von Arkansas

Washington. Als erster US-Bundesstaat hat Arkansas Hormonbehandlungen für transsexuelle Jugendliche verboten. Das Parlament des Bundesstaats setzte sich am Dienstag über ein Veto des republikanischen Gouverneurs Asa Hutchinson hinweg, um ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden. Hutchinson hatte argumentiert, dass das Verbot einen zu drastischen staatlichen Eingriff in die Privatsphäre transsexueller Jugendlicher, ihrer Eltern und Ärzte darstelle.

Das Gesetz verbietet alle medizinischen und operativen Behandlungen an Jugendlichen, die zu einer Entfernung oder Veränderung von Geschlechtsmerkmalen führen. Ärzten, die sich über das Verbot hinwegsetzen, drohen Strafen.

Hutchinson hatte am Montag sein Veto gegen das Gesetz eingelegt. Der Gouverneur begründete dies damit, dass der Staat sich nicht anmaßen dürfe, sich »ins Zentrum jeder medizinischen, menschlichen und ethischen Angelegenheit« zu stellen. Eine Verabschiedung des Gesetzes bedeute die Schaffung »neuer Standards der gesetzgeberischen Einmischung in die Angelegenheiten von Ärzten und Eltern, während sie es mit einer der komplexesten und sensibelsten Fragen mit Blick auf junge Menschen zu tun haben«, erklärte er.

Er hätte das Gesetz unterzeichnet, wenn es lediglich geschlechtsanpassende Operationen für Minderjährige verbieten würde, die in Arkansas ohnehin nicht durchgeführt würden, sagte Hutchinson. In der jetzigen Form gehe es aber zu weit, es sei »extrem« und »Produkt des Kulturkampfes in Amerika«.

Führende medizinische Vereinigungen des Bundesstaates seien gegen das Gesetz, sagte Hutchinson am Montag. »Die geäußerte Sorge besteht darin, dass die Verwehrung der besten medizinischen Versorgung für Transjugendliche zu erheblichen Schäden für den jungen Menschen führen kann, von Suizidtendenzen und sozialer Isolation bis hin zu erhöhtem Drogenkonsum.«

Er warnte auch, dass Jugendliche, die derzeit eine Hormonbehandlung machten, auf den Schwarzmarkt oder in einen anderen Bundesstaat ausweichen müssten, sobald das Gesetz in Kraft trete. Dies soll laut Medienberichten frühestens im Sommer passieren.

Die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) warnte vor »verheerenden« Folgen des Verbots. »Dieses Gesetz wird Familien, Ärzte und Unternehmen aus dem Bundesstaat vertreiben, und es sendet eine fürchterliche und herzzerreißende Botschaft an Transgender-Menschen, die dies mit Angst beobachten«, erklärte die Organisation. Sie kündigte eine Klage gegen das Gesetz an. »Diese Entscheidung ignoriert Dutzende örtliche Ärzte, nationale medizinische Experten sowie Transjugendliche und ihre Eltern«, erklärte die ACLU auf Twitter.

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Hormonbehandlungen für Jugendliche sind in den USA äußerst selten. Der Vorsitzende der auf LGTBIQ-Rechte spezialisierten Organisation Human Rights Campaign, Alphonso David, warnte vor einer Ausweitung der Gesetzgebung in Arkansas auf die Bundesebene. Arkansas habe sich an die »Spitze eine Abwärtsspirale« gestellt, die »angetrieben ist von Angst und Desinformation«, schrieb David im Online-Dienst Twitter. Die Human Rights Campaign verwies auf dutzende Gesetzesinitiativen in mehreren US-Bundesstaaten, deren Ziel die Einschränkung von Transgender-Rechten sei. Agenturen/nd

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