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+++ Experten schlagen wegen Intensivbetten Alarm +++

Der Newsblog zur Coronakrise - Donnerstag, 08. April 2021: +++ Coronakrise lässt Löhne und Gehälter sinken +++ Mehr als 20.000 Neuinfektionen +++

  • Lesedauer: 4 Min.

Berlin. Wegen der wieder stark wachsenden Belastung der Intensivstationen in Deutschland schlagen Fachleute Alarm. »Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen bevor Ihr reagieren wollt???«, schrieb der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, auf Twitter. Städte wie Bonn, Bremen und Köln hätten kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-19-Patienten. Der Charité-Virologe Christian Drosten leitete den Text des Intensivmediziners am Donnerstag bei Twitter mit dem Kommentar »Dies ist ein Notruf« an seine mehr als 700.000 Follower weiter.

Als Nadelöhr bei der Versorgung gilt vor allem die Verfügbarkeit von Pflegepersonal. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die die Belegungszahlen täglich herausgibt, warnt seit vielen Wochen vor den Folgen der hohen Corona-Infektionszahlen und forderte zuletzt einen harten Lockdown.

+++ Coronakrise lässt Löhne und Gehälter sinken +++

Wiesbaden. Erstmals seit der deutschen Vereinigung 1990 sind die Bruttolöhne und -gehälter pro Kopf gesunken. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, gingen sie nach den Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Jahr 2020 gegenüber 2019 nominal um 0,1 Prozent zurück. Grund sei die Corona-Krise mit einem drastischen Anstieg der Kurzarbeit und einem starken Rückgang der Zahl der geringfügig Beschäftigter.

Die realen, also preisbereinigten Löhne und Gehälter lagen den Berechungen zufolge im Jahr 2020 um 0,6 Prozent niedriger als 2019, da die Verbraucherpreise 2020 um 0,5 Prozent stiegen. Deutlich niedrigere Durchschnittsverdienste als 2019 gab es laut Bundesamt insbesondere in der Luftfahrt, bei Reisebüros und Reiseveranstaltern, im Gastgewerbe sowie im Handel.

+++ Mehr als 20.000 Neuinfektionen +++

Berlin. In Deutschland sind innerhalb eines Tages mehr als 20.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus verzeichnet worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden 20.407 Neuansteckungen sowie 306 weitere Todesfälle registriert.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ging nach Angaben des RKI erneut etwas zurück und lag am Donnerstag bei 105,7. Am Vortag hatte sie 110,1 betragen. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb dieser Zeitspanne an.

Die Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung und Lockerung von Restriktionen. Im Februar war dieser Wert zwischenzeitlich auf unter 60 gefallen, bevor er wieder deutlich anstieg. Vor einer Woche lag die Inzidenz bei 134,2. In den vergangenen Tagen war der Wert dann wieder rückläufig. Das RKI warnt allerdings nach wie vor, dass die aktuellen Zahlen wegen der Osterfeiertage verzerrt sein können, weil Menschen nicht zum Arzt gingen oder Ergebnisse verspätet gemeldet werden.

+++ Beamtenbund: Kein Präsenzunterricht ohne Test +++

Der Beamtenbund dbb hat die Kultusminister der Länder zu klaren Regeln gegen eine weitere Zuspitzung der Corona-Lage durch offene Schulen aufgefordert. »Von der Kultusministerkonferenz fordern wir klare Entscheidungen: Wenn die Schulen in der dritten Welle geöffnet sein sollen, müssen die Lehrkräfte auch geimpft und die Schülerinnen und Schüler getestet werden«, sagte der dbb-Vorsitzende Ulrich Silberbach der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. An diesem Donnerstag beraten die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen an den Schulen nach den Osterferien.

Silberbach sagte: »Wer nicht getestet werden kann oder will, muss vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Andernfalls setzen wir alle Beteiligen einem zu großen Risiko aus, und die Infektionszahlen drohen nach den Osterferien zu explodieren.« Laut den jüngsten Lageberichten des Robert Koch-Instituts spielen die Schulen eine wachsende Rolle bei der Viruszirkulation in Deutschland.

+++ Montgomery: Impfstoff sollte wählbar werden +++

Düsseldorf. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zum Astrazeneca-Impfstoff begrüßt und eine Auswahlmöglichkeit für Vakzine bei Corona-Impfungen gefordert. »Die Diskussion um den Astrazeneca-Impfstoff reißt nicht ab. Da ist es gut, dass die EMA klare Kante zeigt«, sagte Montgomery der Düsseldorfer »Rheinischen Post«.

Noch fehle zwar die wissenschaftliche Evidenz, der Impfstoff sei aber aller Wahrscheinlichkeit nach für die sehr seltenen Hirnvenenthrombosen vor allem bei Frauen unter 60 Jahren verantwortlich, sagte Montgomery. »Das Risiko der Impfung ist aber deutlich geringer als das Risiko der Erkrankung. Diese Informationen gehören in die Risikoinformation jedes Impfwilligen«, sagte der Weltärzte-Chef.

Gleichwohl sollte man aus seiner Sicht den Einsatz der anderen Impfstoffe verstärken, »um Irritationen in der Bevölkerung vorzubeugen«. »Wir müssen jetzt noch mehr auf Biontech, Moderna und Johnson & Johnson setzen. Und man muss den Menschen so bald wie möglich ein Wahlrecht für den Impfstoff einräumen«, sagte Montgomery.

Die EMA hatte den Impfstoff von Astrazeneca am Mittwoch trotz eines möglichen Zusammenhangs mit Blutgerinnseln weiter als wirksames Mittel gegen die Corona-Pandemie empfohlen. Der Nutzen überwiege das Risiko, erklärte die Europäischer Arzneimittelagentur in Amsterdam. Zugleich solle die Medikamenteninformation um die Nebenwirkungen ergänzt werden.

Der Impfstoff von Astrazeneca wird in Deutschland derzeit nur noch eingeschränkt eingesetzt. Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat empfohlen, das Mittel uneingeschränkt nur noch an die Altersgruppe der über 60-Jährigen zu vergeben. Agenturen/nd

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