Menetekel, Menetekel

Denkspiel mit Mike Mlynar

Das Spannungsniveau der deutschen Fußballmeisterschaft tendiert einmal mehr zu denen von Tiefschlaf-Deltawellen. Der FC Bayern München führt bereits mit sieben Punkten, der neunte Titel in Folge (!) scheint unausweichlich. Nun soll Fußball ja eigentlich ein Spiel sein, und zum Spiel gehört auch Zufall. Es fragt sich also, ob der hier gänzlich außer Kraft gesetzt wurde, oder ob er nur noch darin besteht, dass diesem Klub erst der neunte Nonstoptitelgewinn winkt und nicht bereits der zwanzigste? Da es für den Zufall - im Unterschied zur Wahrscheinlichkeit - keine kausale Erklärung gibt, kann die Bayern-Primusrolle also, wie auch immer, keinesfalls zufällig sein. Ist sie das aber nicht, dann ist Bundesligafußball auch kein Spiel mehr.

Damit wäre auch logisch schlüssig die eher sozial-ökonomische These gestützt, dass es sich bei Leibesübungen solcher Art von Fußball nicht um Vollkostsport und -spiel, sondern in erster Linie um ein Vollprofitgeschäft handelt. Übrigens um ein besonders krakenhaftes und verfilztes, in dem international die reichsten Klubs immer reicher, die armen immer ärmer werden, und zwar notwendig, nicht zufällig. Dabei entstehen dann auch solche Profit-gepushten Gebilde wie ein Dauerklassenerster Bayern München. Das alles dürfte für die auf diese Art von Fußball abfahrenden Konsumenten nur so lange »spannend« bleiben, bis die Blase platzt. Im übrigen gibt es mit Serienmeistern à la Bayern München bereits entsprechende deutsche Erfahrungen. Nachdem der BFC Dynamo Berlin zehn Mal (!) hintereinander DDR-Meister geworden war, platzte - Menetekel, Menetekel - sogar ein ganzes politökonomisches System ...

Nun aber, wie stets nach Analyse und ein bisschen Polemik an dieser Stelle, zu den eher konstanten Dingen der Materie. Im Fußballfall sind das seine Regeln und Regularien. Deren Hauptbuch ist die Tabelle, und aus der nun zwei Probleme:

1. Jeder der 18 Klubs der Bundesliga spielt in der Saison zweimal gegen jeden anderen. Jeder Sieg bringt einem Klub 3 Punkte, jedes Remis 1 Punkt, jede Niederlage 0 Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte hat, ist Meister, die drei Teams mit den wenigsten sind Absteiger. Mit welcher geringsten Punktzahl kann ein Klub Meister werden und mit welcher höchsten kann er absteigen? (Außerhalb unserer Betrachtung bleibt die Rolle der Tordifferenzen bei gleichen Punktzahlen sowie die Relegation.)

2. Nach der Hinrunde der Saison hatte jeder Bundesligaklub gegen jeden ein Mal gespielt, so auch die Klubs untereinander, die nun auf den Tabellenplätzen 1 bis 10 stehen. Für die Hinrundenspiele allein zwischen ihnen waren insgesamt 130 Punkte vergeben worden. Wie oft gab es zwischen diesen Teams ein Remis? (Aufteilungsmodus der Punkte siehe unter 1.)

Antworten an spielplatz@nd-online.de oder per Post (Kennwort »Denkspiel«). Einsendeschluss: Mittwoch, 14. April. Absender nicht vergessen, denn wir verlosen zwei Buchpreise separat für die richtigen Antworten auf beide Fragen. Auch Einzeleinsendungen sind möglich.

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