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Anbaden fällt ins Wasser

Berliner Bäder-Betriebe haben bislang keine Öffnungsperspektive

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Sprung ins Nass verschiebt sich – wegen der Pandemie bleiben die Bäder dicht.
Der Sprung ins Nass verschiebt sich – wegen der Pandemie bleiben die Bäder dicht.

Mit dem Beginn des Frühlings öffnen normalweise die Berliner Frei- und Strandbäder. Doch im zweiten Jahr der Pandemie ist weiterhin wenig normal. »Die Nutzung der Frei- und Strandbäder ist untersagt«, so heißt es in der vom Senat verabschiedeten Verordnung. »Es gibt die Infektionsschutzverordnung, die stellt eine Öffnung der Freibäder nicht in Aussicht«, sagt auch Matthias Oloew, der Unternehmenssprecher der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), zu »nd«. Bis mindestens zum 18. April gilt der »Lockdown light«, ob die Bestimmungen auch seitens der Bundesebene weiter verschärft werden, wird aktuell diskutiert.

Für Europas größten Schwimmbadbetreiber mit rund 60 Bädern ist das wie für viele andere Firmen eine schwierige Situation. Viele der mehr als 700 Beschäftigten befinden sich weiter in Kurzarbeit. Doch solange Kurzarbeit gefahren wird, dürfen auch keine Saisonkräfte eingestellt werden, auf die Bäderbetriebe im Sommer angewiesen sind. Ob die Jobs kurzfristig besetzt werden können, ist ebenfalls abhängig von der Entwicklung der Pandemie. Der Vorstandsvorsitzende der Bäderbetriebe, Johannes Kleinsorg, bat im Februar um »Verständnis«. »Wir möchten jedoch für alle Eventualitäten vorbereitet sein. Und dazu zählt auch ausreichend Personal, damit wir im günstigsten Fall den Berliner*innen so viele Schwimmbäder wie möglich anbieten können«, sagt Kleinsorg.

Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für eine Sommersaison also an. So werden zurzeit defekte Fließen in den Schwimmbecken ausgetauscht, in den Freibädern werden Baumschnitte vorgenommen. »Das, was gemacht werden kann, wird getan«, sagt

Bäderbetriebe-Sprecher Oloew. Um gegebenenfalls Freibäder kurzfristig öffnen zu können, braucht das landeseigene Unternehmen aber mindestens zwei bis drei Wochen Vorlauf, um dann zu einem vorgegebenen Tag loslegen zu können. Aktuell wird das Beckenwasser beispielsweise aus Kostengründen selbstverständlich nicht geheizt. Die Beauftragung und Durchführung von Laboruntersuchungen des Beckenwassers machen auch erst dann wirklich Sinn, wenn eine klare Öffnungsperspektive vorliegt. Ansonsten müssten die teuren Untersuchungen wiederholt werden, weil die Ergebnisse zeitlich überholt sind.

Kurz: Einige Vorbereitungen laufen bei den Berliner Bäderbetrieben, aber für einen Start braucht es weitere vorbereitende Arbeiten. Intern besteht indes die Hoffnung, dass es vielleicht Mitte Mai klappen könnte mit dem Anbaden in den Frei- und Strandbädern, immer vorausgesetzt, die Pandemie ist bis dahin besser unter Kontrolle. Für eine Öffnung der Schwimmbäder könnte sprechen, dass die Ansteckungsgefahren draußen von Expertinnen und Experten als geringer eingeschätzt werden als etwa in Innenräumen. Außerdem haben die Bäderbetriebe im vergangenen Jahr unter Beweis gestellt, dass ihr Hygienekonzept mit Onlineticketing und entzerrtem Schichtbetrieb gut funktioniert.

Immerhin, mit den Sanierungen ist das marode kommunale Unternehmen während der pandemischen Zwangspause weitergekommen: In einem Film auf der Homepage wird aktuell die rundum sanierte Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz in Marzahn vorgestellt. Auch die Bauarbeiten an der Leichtbauhalle im Sommerbad Kreuzberg, dem sogenannten Prinzenbad, sollen fortgeschritten sein. Ob die Halle in diesem Jahr öffnen kann, muss sich indes zeigen. Aktuell wird die Interimshalle für den Vereins- und Schulsport gar nicht gebraucht, weil die Sanierung des Spreewaldbads in Kreuzberg noch nicht begonnen hat.
Die Folgen der Coronakrise auf die Bäderbetriebe sind schwer abzuschätzen. »Es wird eine Herausforderung werden angesichts der Coronafolgen, die finanziellen Zusagen des Landes Berlin abzusichern«, sagt der sportpolitische Sprecher der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Philipp Bertram zu »nd«.

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