Warten auf das ersehnte Zeichen aus Genf und Den Haag

Wegen Menschenrechtsverbrechen soll Duterte vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden

  • Von Rainer Werning
  • Lesedauer: 2 Min.
Angehörige von Opfern des brutalen Anti-Drogen-Kampfes des philippinischen Präsidenten Duterte bei einer Kundgebung im Jahr 2019
Angehörige von Opfern des brutalen Anti-Drogen-Kampfes des philippinischen Präsidenten Duterte bei einer Kundgebung im Jahr 2019

Der »Anti-Drogen-Krieg« und antikommunistischer Feldzug des philippinischen Präsidenten Rodrigo R. Duterte kosteten mindestens 25 000 Menschen das Leben, darunter über 260 Menschenrechtler, Anwälte und Journalisten. Die Philippinen rangieren für Sozialaktivisten und Umweltschützer hinter Kolumbien und Brasilien auf Platz drei der weltweit gefährlichsten Länder. Gleichzeitig weist das Land in der gesamten Region Asien-Pazifik trotz härtestem und längstem Lockdown die schlechteste Performance bei der Covid-19-Pandemiebekämpfung aus.

Was die desolate Menschenrechtssituation betrifft, so traf im Oktober 2020 die Internationale Koalition für Menschenrechte in den Philippinen (ICHRP) die Entscheidung, eine unabhängige internationale Untersuchung der Menschenrechtslage im Land – kurz, Investigate.ph – zu organisieren. Dies geschah als Reaktion auf die für die Zivilgesellschaft äußerst enttäuschende und schwache Resolution des UN-Menschenrechtsrates (UNHRC) in Genf, der den Empfehlungen eines kritischen Berichts der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom Juni 2020 nicht nachkam. Der Bericht hatte unter anderem eine unabhängige internationale Untersuchung der dramatischen Menschenrechtssituation unter der Duterte-Regierung verlangt.

Die Arbeit der Untersuchungskommission wird von 17 international renommierten Persönlichkeiten unterstützt, unter anderem Juristen und Mitglieder verschiedener Kirchengemeinschaften, die als unparteiische Verfechter der Menschenrechte anerkannt sind. Anhand von Interviews mit den Opfern und Zeugen der Menschenrechtsverletzungen werden sie in den kommenden Monaten drei Berichte erarbeiten, von denen der erste bereits am 16. März vorgestellt wurde, die jeweils ein aktuelles Bild der Situation in den Philippinen vermitteln. Der letzte Bericht soll dem UNHRC zu seiner Sitzung im September vorgelegt werden, in der die Umsetzung der Resolution von September 2020 durch die philippinische Regierung überprüft wird. Mit dieser Kampagne will Investigate.ph Druck auf die zuständigen UN-Gremien und andere internationale Organisationen ausüben, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Ende 2020 hatte der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag erklärt, es gäbe eine vernünftige Grundlage für die Annahme, dass im »Anti-Drogen-Krieg« Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden. Investigate.ph ist zuversichtlich, dass der ICC, der die Menschenrechtsverletzungen in den Philippinen seit 2018 untersucht, seine vorläufigen Ermittlungen vor Ende Juni 2021 abschließen und entscheiden wird, ob und wann ein Strafverfahren gegen Präsident Duterte eingeleitet wird.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung