Erfolg ohne Feier

Keine Fans, keine Tore: Das letzte Montagsspiel der Bundesliga ist ein trostloses in Sinsheim

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Das vergangene Wochenende hätte eine große Party werden können - in wohl jedem deutschen Fußballstadion. Denn der Abschluss des 28. Spieltages zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen war zugleich das Ende der Montagsspiele in der 1. Bundesliga. Da aber pandemiebedingt immer noch keine Zuschauer zugelassen sind, konnte einer der größten Erfolge der aktiven Fanszenen in Deutschland nicht gefeiert werden. Auch die nächste Party wird wohl ausfallen: Am 10. Mai bestreiten der Hamburger SV und der 1. FC Nürnberg das letzte Montagsspiel der 2. Bundesliga. »Die wurden sehr deutlich aufgrund der Proteste wieder abgeschafft«, erklärte Helen Breit in einem Gespräch mit »nd«. Die Vorsitzende des bundesweiten Fanbündnisses »Unsere Kurve« betonte dabei: »Das waren Proteste in den Stadien in Verbindung mit fanpolitischer Arbeit.«

Wenig feierlich war nach dem torlosen Remis in Sinsheim auch die Stimmung bei beiden Klubs. Ein Punkt ist zu wenig - für Hoffenheim im Abstiegskampf, für Bayer im Rennen um einen Platz in der Champions League. Den Konflikt um die Zerstückelung der Spieltage fasste Leverkusens Interimstrainer Hannes Wolf nach dem Abpfiff treffend zusammen: »Der Montagabend ist kompliziert für die Fans, die anreisen und am nächsten Tag arbeiten müssen oder für Kinder, die am nächsten Tag in die Schule gehen.« Er findet diese Termine »schwierig«.

Der Trainer Hannes Wolf steht als Vertreter des Profifußballs exemplarisch für die Branche. Nicht wenige Funktionäre hatten ihren Unmut über Montagsspiele geäußert, allerdings erst, als sie Ausmaß und Wucht der Fanproteste zu spüren bekamen. Zuvor hatten alle Erstligisten der Einführung von Montagsspielen zur Saison 2017/2018 zugestimmt. Diese wurden von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bei der damaligen Vergabe der Übertragungsrechte in neue, gewinnbringendere Pakete gepackt. »Es geht dabei 0,0 um Kommerz und Gewinn«, hatte DFL-Chef Christian Seifert damals behauptet.

Diese Aussage stimmt bis heute nicht. Die damals als Grund genannte Entlastung der Europapokalteilnehmer kann jedenfalls nicht so wichtig sein. Die bekommen ab kommender Saison eine zusätzliche Anstoßzeit am Sonntagabend - und keiner beschwert sich. Auch die Zweitligisten nicht, die statt des seit 28 Jahren bestehenden Montagtermins nun ein Abendspiel am Sonnabend bekommen.

Dass das Geld entscheidend ist, lässt sich ebenso dem damaligen Satz von Seifert entnehmen. Kaum ein Prozent vom Gesamtvolumen des Fernsehvertrags würden die Einnahmen durch den Verkauf fünf exklusiver Montagsspiele betragen, begründete er damals. Das heißt: Für die DFL sind zehn Millionen Euro pro Jahr Peanuts. Oder zumindest so wenig, dass man darauf verzichten und den Fans einen Sieg schenken kann. Kommt irgendwann ein lukrativeres Angebot, wird über den Montag sicherlich neu verhandelt.

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