Zapatistas auf dem Weg nach Europa

Vorbereitungen zu den Vernetzungstreffen in 30 Ländern laufen auf Hochtouren

  • Von Luz Kerkeling
  • Lesedauer: 3 Min.

Vor der Reise steht die Quarantäne: Seit dem 10. April, dem 102. Jahrestag der Ermordung des linken Revolutionärs Emiliano Zapata - nach dem sich die Bewegung benannt hat - ist die »Vorhut« der zapatistichen Befreiungsbewegung EZLN in Isolation. Nach bisherigen Informationen handelt es sich um etwa 30 Personen der Gesamtdelegation von über 150 Personen. Diese Gruppe wird Anfang Mai per Segelschiff nach Europa reisen, auch, um symbolisch die vermeintliche »Eroberung« Lateinamerikas zu konterkarieren.

Ab Juli werden die weiteren Delegierten der Zapatistas und anderer linker indigener Organisationen anreisen, um sich in über 30 Ländern und Regionen Europas mit linkspolitischen sozialen Aktivist*innen zu treffen, sich kennenzulernen und zu organisieren. Bei den Themen stehen antipatriarchale Kämpfe klar im Fokus. Rund 75 Prozent der Delegation wird von Frauen und Menschen, die sich als nicht-männlich empfinden, gebildet.

Alle Kontakte mit der Delegation der Zapatistas werden innerhalb sozialer Bewegungen verbleiben, eine Zusammenarbeit mit politischen Parteien oder Regierungen wird nicht stattfinden.

Die Zapatistas planen keine »klassische« Vortrags-Rundreise, um allein über ihren Widerstand gegen Patriarchat, Rassismus, Ausbeutung und Naturzerstörung im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas zu berichten. Die Delegation möchte vor allem hiesiges linkspolitisches Engagement unterstützen.

Subcomandante Moisés von der EZLN äußert dazu in einem Kommuniqué vom 10. April klar: »Unsere Delegierten werden ein großes Herz mit sich tragen. Nicht nur um diejenigen zu umarmen, die auf dem europäischen Kontinent rebellieren und Widerstand leisten, sondern auch, um ihren Geschichten zuzuhören und von ihnen zu lernen.«

Allein in Deutschland gibt es 96 Kollektive und Organisationen, die diese Initiative der Zapatistas unterstützen und auch größtenteils vor Ort Treffen organisieren wollen. Städte und Regionen, die in direktem Kontakt mit den Zapatistas stehen, sind unter anderem Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main, Köln/Bonn, München, Münster, Leipzig, Rostock sowie die Region Wendland, wo ein bundesweites »Rebellisches Treffen« stattfinden wird.

Dorit Siemers, die im selbstverwalteten Betrieb Kaffeekollektiv Aroma Zapatista eG aus Hamburg arbeitet, der ökologisch produzierten Kaffee von zapatistischen Kollektiven vertreibt, betont den historisch relevanten Charakter der Reise: »Bis 1994, vor dem Aufstand der EZLN, mussten sehr viele Menschen in Chiapas noch unter sklaverei-ähnlichen Strukturen arbeiten, vor allem im Kaffee-Sektor. Nun haben sie eigene, autonome Gemeinschaftsbetriebe und können unter würdigen Bedingungen arbeiten. Gleichzeitig wurden auch deutliche Verbesserungen in den Bereichen Bildung, Geschlechtergerechtigkeit, Gesundheit, Agrarökologie, Rechtsprechung und Medien erreicht. Viele engagierte Aktivist*innen freuen sich über dieses großartige Initiative der Zapatistas. Das Interesse ist enorm.« Seit Mitte Oktober organisieren sich Hunderte Gruppen in Europa miteinander, um die Reise der Zapatistas zu ermöglichen, die vollkommen unabhängig von jedweden Regierungsgeldern durchgeführt werden wird.

Dieser Prozess ist keineswegs zu unterschätzen und von historischer Tragweite. Eine Befreiungsbewegung aus dem globalen Süden bringt im globalen Norden solidarisch und ökologisch orientierte Organisierungsprozesse voran.

Infos unter: www.ya-basta-netz.org/

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