Abrechnen, bitte!

Getötete Soldat*innen finden Erwähnung, doch die Gesamtzahl der Kriegstoten bleibt unbekannt.

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 1 Min.
Gedenkzeremonie im afghanischen Masar-e-Sharif. Die Politik (in Zivil im Bildvordergrund) bleibt eine Evaluation des Kriegseinsatzes bislang schuldig.
Gedenkzeremonie im afghanischen Masar-e-Sharif. Die Politik (in Zivil im Bildvordergrund) bleibt eine Evaluation des Kriegseinsatzes bislang schuldig.

Auf der Suche nach einer Zahl, wie viele Menschen im Afghanistan-Krieg seit 2001 getötet wurden, gibt es einiges zu bemerken. Deutschland kennt vor allem seine eigenen 59 getöteten Soldaten, die von Militär und Politik mal mehr, mal weniger intensiv erinnert und betrauert werden. Heute jährt sich zum elften Mal der Tod von vier Soldaten.

Im Wikipedia-Artikel zum Afghanistankrieg ergibt sich eine seltsam anmutende Ausgeglichenheit. Es starben rund 3500 Soldat*innen der sogenannten Koalition, rund 3800 Angestellte privater Sicherheitsunternehmen und etwa 64 000 afghanische Sicherheitskräfte. Die Zahl der getöteten Taliban und Al-Kaida-Kämpfer ist ähnlich hoch und liegt geschätzt zwischen 69 000 und 74 000. Zivile Tote habe es bis November 2019 etwa 43 000 gegeben. Nicht eingerechnet auf allen Seiten diejenigen, die verletzt und traumatisiert wurden oder Afghan*innen, die auf der Flucht starben.

Ob die Zahl der Getöteten im Verhältnis dazu steht, was erreicht wurde, sagt die Bundesregierung bislang nicht. Eine sogenannte Evaluation schiebt sie vor sich her. Die Hoffnung bleibt, sie käme zu der Einsicht, dass Kriege keine Lösungen bringen. Mindestens aber braucht es die Antwort, was die Politik eigentlich erreichen wollte – und verfehlt hat.

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