Intensivbetten werden knapp

Die Kliniken füllen sich mit Covid-19-Patienten. Auch für andere wird die Lage deshalb brenzlig

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 2 Min.
Coronakrise: Intensivbetten werden knapp

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt und steigt, in der Folge füllen sich die Intensivstationen - mancherorts bis an die Grenze der Belastbarkeit, wie Mediziner immer eindringlicher warnen. Auswirkungen hat dies auch für andere Patienten, die auf eine intensivmedizinische Behandlung angewiesen sind.

Steffen Weber-Carstens, Intensivmediziner an der Berliner Charité, etwa erklärte am Donnerstag, in einigen Regionen gebe es nur noch zehn Prozent freie Kapazitäten. »Was bedeuten zehn Prozent? Die durchschnittliche Größe der Intensivstationen ist zehn bis zwölf Betten. Das bedeutet: pro Intensivstation genau ein Bett«, so Weber-Carstens, der auch zur wissenschaftlichen Leitung des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) gehört. Dies werde auch vorgehalten für Patienten zum Beispiel mit Schlaganfall oder Unfällen - und für Covid-19-Patienten. Insgesamt wies das Divi-Intensivregister am Donnerstag 20 957 ausgelastete Intensivbetten aus, 4679 davon waren mit Covid-19-Patienten belegt. Den Angaben zufolge gab es 2944 freie Intensivbetten.

Es brauche jetzt »eine Kontrolle der Infektionsdynamik«, fordert Weber-Carstens. Im Moment laufe man »sehenden Auges in eine Spitzenbelastung« wie es sie zum Jahreswechsel gegeben habe oder noch darüber hinaus. Dass viele Kliniken wieder planbare Eingriffe verschöben, bedeute auch für Nicht-Covid-19-Patienten Einschränkungen. Patienten würden bereits von stark belasteten Regionen in andere Regionen umverteilt. So habe etwa Thüringen strategische Patientenverlegungen angefragt - nach Bayern oder Norddeutschland.

Doch auch in Bayern werden Betten knapp. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) verwies am Donnerstag im Landtag auf das sprunghafte Infektionsgeschehen. Demnach lag die Zahl der Corona-Neuinfektionen im Freistaat am Donnerstag bei 5458, gegenüber 3973 vor einer Woche, die Sieben-Tage-Inzidenz betrug 178,4. Gehe3 die Entwicklung so weiter, dann würden Höchststände bei der Belegung von Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit überschritten. Aktuell seien 703 Betten mit Beatmungsmöglichkeit belegt, 43 Prozent mehr als vor drei Wochen. Die bisherige Höchstauslastung habe bei 822 belegten Betten auf dem Höhepunkt der zweiten Welle am 3. Januar gelegen. Insgesamt waren für Bayern am Donnerstag 2962 belegte Intensivbetten gemeldet worden, 755 davon beanspruchten Covid-19-Patienten, nicht alle wurden beatmet. Frei waren 406 Betten.

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