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Geburtswehen für Hebammen

Neue akademische Ausbildung hat gewisse Startschwierigkeiten

  • Von Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.
Geburtshilfe will gelernt sein: Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau.
Geburtshilfe will gelernt sein: Eine Hebamme untersucht eine schwangere Frau.

Die Ausbildung wird immer anspruchsvoller, dafür gerät die eigentliche Arbeit stärker in Gefahr. Was für viele Berufe mehr und mehr gilt, trifft in Brandenburg auch auf das Feld der Geburtshilfe zu. Das wurde am Mittwoch in der Fachanhörung des Wissenschaftsausschusses des Landtags zum Thema »Situation und Zukunft der Hebammenausbildung« deutlich. Die Abgeordnete Katja Poschmann (SPD) schilderte, dass in ihrem Wahlkreis in Westbrandenburg ein Angebot der Geburtshilfe mangels Hebammen schließen musste und es gerade in komplizierten Fällen »ein Riesenproblem« darstelle, wenn »der nächste Kreißsaal anderthalb Fahrstunden entfernt« sei.

Das ist keine Ausnahme. Seit Jahren herrsche in Brandenburg ein Hebammenmangel, sagte Beatrice Manke, Vorsitzende des Hebammen-Landesverbandes. 550 Hebammen seien im Bundesland in »unterschiedlichen Settings« tätig, von freiberuflich bis angestellt. Vollzeit arbeiten inzwischen weniger als 30 Prozent der Hebammen. In den kommenden zehn Jahren werden mindestens 35 Prozent der Geburtshelferinnen altersbedingt den Beruf aufgeben.

Schon heute könne in mehreren Kliniken die Geburtshilfe nicht aufrechterhalten werden, so Manke. Dadurch, dass jüngere Kolleginnen, »arbeiten, um zu leben, und nicht leben, um zu arbeiten«, werde sich die »Unterversorgung weiter verschärfen«. Diese schwierige Lage entstand, obwohl mit rund 20 000 Geburten heute nur noch halb so viele Kinder in Brandenburg zur Welt kommen wie noch zu DDR-Zeiten.

Seit dem 1. Januar 2020 ist es deutschlandweit beschlossene Sache, dass die Hebammenausbildung akademisiert werden soll. Das heißt statt einer Fachschulausbildung soll es eine Hochschulausbildung mit Bachelor-Abschluss geben. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen also ein Abitur oder eine einschlägige Berufsausbildung vorweisen, wenn sie Hebamme werden möchten. In Brandenburg wird dieser akademische Ausbildungsgang an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg aufgebaut und soll zunächst pro Studienjahr 30 bis 35 Hebammen ausbilden.

Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) wies auf die »wahnsinnige« Schwierigkeit hin, geeignetes Lehrpersonal zu finden, weil diese neue Form der Hebammenausbildung bundesweit starte und geeignete Fachleute überall »wie Gold gesucht« würden. Die Vorsitzende des Bundes freiberuflicher Hebammen, Ilona Strache, begrüßte bei allen Schwierigkeiten die angestrebte Akademisierung der Hebammenausbildung. Das würde den Hebammen ermöglichen, auf einer Ebene mit den Ärzten zu verhandeln. Auf ihrem Gebiet wüssten Hebammen oft mehr als so mancher Arzt oder manche Ärztin, die wiederum mit ihrem Fachwissen »eine andere Breite« hätten.

Laut Hebammen-Landeschefin Manke wollen 42 Prozent der derzeit tätigen Hebammen den Bachelor-Abschluss nachträglich erwerben. Würden diese dazu ihre eigentliche Berufstätigkeit einschränken, wäre das »der Supergau«. Cornelia Krebs von der Schule für Hebammen und Entbindungspfleger in Eberswalde mahnte eine größere Attraktivität des Berufes an. Jüngere Hebammen würden oft die Teilzeitarbeit wählen, wenn sie Familie haben.

Ministerin Schüle erklärte, dass die Akademisierung des Hebammenberufs auch mit Forschung und Forschungsmitteln zusammenhängt. Es handle sich in Brandenburg bislang um einen reinen Frauenberuf. Bundesweit gibt es nur wenige männliche Hebammen, dabei könnten sie dazu beitragen, den Hebammenmangel zu lösen. Ebenso wie eine bessere Entlohnung, der Beruf ist bekanntermaßen unterbezahlt. Für die berufsbegleitende Qualifizierung aktiver Hebammen, die drei Semester dauert, stehen laut Schüle jährlich 2,2 Millionen Euro bereit. Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher erinnerte an die im vergangenen Jahr in Kraft gesetzten Hebammen-Förderrichtlinien. Der Mittelabfluss sei »sehr gut«.

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