Super Rohrkrepierer

Die Gründer der Super League müssen nach Protesten von Europas Fußballfans und Drohungen der Verbände ihre Pläne einstampfen

  • Von Marco Krummel, Frankfurt am Main
  • Lesedauer: 4 Min.
Super League: Super Rohrkrepierer

Das milliardenschwere Kartenhaus ist in Rekordzeit wieder zusammengekracht. Nach und nach gibt das »dreckige Dutzend« seinen Kampf gegen Windmühlen und Fanwiderstände auf: Die Super League ist nach nur zwei Tagen schon wieder Geschichte. Die Pläne für die neue Hyper-Kommerzveranstaltung sind verworfen worden - zumindest für den Moment. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) darf sich neben den Fans als großer Gewinner des Erdbebens fühlen.

»Totgeburt«, »gescheiterte Super-Flucht«, »Sieg für die Fans«, »besiegte Gier«, »Super Lächerlichkeit«: Die internationalen Medien hatten die Super League schon mit dem Rückzug der sechs englischen Klubs beerdigt. Nach dem Ausscheiden von Atletico Madrid, Inter Mailand und AC Mailand verflog dann auch unter den kühnsten Verfechtern der Glaube an eine aktuelle Perspektive für das Projekt der Superreichen. Die Abtrünnigen mussten ihre weltweit verspottete Niederlage eingestehen.

Selbst Juventus Turin als Verein von Hauptinitiator Andrea Agnelli räumte am Mittwoch schließlich widerwillig ein, dass es »nur begrenzte Chancen« gebe, die Super League »in der ursprünglich angedachten Form zu realisieren«. Prinzipiell - und das ist bemerkenswert angesichts des krachenden Scheiterns - sei man aber »nach wie vor von der Solidität der sportlichen, kommerziellen und rechtlichen Voraussetzungen des Projekts überzeugt«, hieß es in der Stellungnahme. Und doch dürfte Juve gemeinsam mit den anderen Revolutionären bei der Uefa nun zu Kreuze kriechen müssen.

Deren Präsident Aleksander Čeferin wird sich die Hände reiben, großmütig hieß er die Rückkehrer sogleich willkommen. »Sie sind jetzt wieder dabei und ich weiß, dass sie nicht nur für unsere Wettbewerbe, sondern dem gesamten europäischen Spiel viel zu bieten haben«, sagte der 53-Jährige.

Die Uefa Champions League bleibt vorerst also das unumstrittene Eliteprodukt in Europas Fußball. Auch weil sie trotz ihrer ebenfalls kommerzorientierten Reform öffentlich als das geringere Übel angesehen wird. »Das Wichtigste ist jetzt, dass wir weitermachen, die Einheit wiederherstellen, die das Spiel vorher genossen hat, und gemeinsam vorwärts gehen«, betonte Čeferin. Er finde es »bewundernswert, einen Fehler zuzugeben, und diese Klubs haben einen großen Fehler gemacht«.

Ihren Fauxpas räumten diese aber nicht so ganz freiwillig ein, dem Ganzen ging ein orkanartiger Proteststurm voraus. Auch von der Uefa und ihren nationalen Mitgliedsverbänden selbst. Obwohl juristisch kaum durchsetzbar drohten sie den teilnehmenden Vereinen und Spielern mit dem Ausschluss für ihre Wettbewerbe. Die Spieler hätten sich also beispielsweise zwischen der Teilnahme an Welt- und Europameisterschaften oder an der Super League entscheiden müssen.

Nicht minder zum Scheitern beigetragen hat aber auch der enorme Aufschrei in Fankreisen. Vor allem in England und Deutschland machten die Anhänger gegen die Pläne der mitunter als »dreckiges Dutzend« angesehenen Gründer Alarm. Das krachende Aus des Elitegebarens sei einerseits »ein Erfolg, aber andererseits auch nicht, weil wir ja sehr viel mehr kritisieren«, sagte Helen Breit, Vorsitzende des Fanbündnisses »Unsere Kurve«. Auch die »neue« Königsklasse sehen die Anhänger nämlich kritisch - als eine Art »Super League light«. Die Reform der Champions League sei »Beleg der Tendenz, die zu einer immer größeren finanziellen Differenzierung zwischen den großen und etwas schwächeren Vereinen führt«, kritisierte Sig Zelt, Sprecher des Bündnisses ProFans.

Die »neue« Königsklasse sieht unter anderem mehr Mannschaften, eine Vorrunde mit mehr Spielen und zwei Startplätze auf Basis vergangener Erfolge, also auch ohne sportliche Qualifikation vor. Aus Sicht von Breit müsste diese Reform »komplett zurückgenommen werden«.

International wird die Totgeburt der Super League indessen als Sieg für die Fans gefeiert, die zurückziehenden Vereine krochen zu Kreuze. »Wir haben einen Fehler gemacht, und wir entschuldigen uns«, schrieb der FC Arsenal. Auch Liverpools Besitzer John W. Henry bat die Anhänger um Verzeihung. »Es ist einfach völlig absurd, dass man da jetzt überrascht ist, dass das der Fanbasis überall nicht gefällt«, kritisierte Breit.

Medial bekamen die zwölf Superreichen nach der »Super-Lächerlichkeit« (»Marca«) ordentlich ihr Fett weg. »Die Gier wurde besiegt«, titelte beispielsweise die »Daily Mail«. Der Fußball »der Eliten hat keine Zukunft«, schrieb »Corriere della Sera«. Und der »Mirror« sieht gar eine »neue Hoffnung für den Fußball«. Dass die lange anhält, ist allerdings sehr zweifelhaft. SID/nd

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