Kapitalismus macht krank

In Potsdam soll gegen die Corona-Politik der Regierung demonstriert werden

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Im Krankenhaus von Spremberg
Im Krankenhaus von Spremberg

Schutz vor der Ansteckung mit dem Coronavirus im Betrieb - Fehlanzeige! Schutz der Beschäftigten in Gastronomie und Kultur vor Existenznot, Schutz vor mangelhaftem Videounterricht und vor häuslicher Gewalt in der Enge der Wohnung - alles Fehlanzeige! Stattdessen werden die Konzerne, ihre Patente und ihre Rendite geschützt. Die Reichen müssen nicht für die Kosten der Krise aufkommen. Sie werden jetzt noch reicher.

Das wollen Aktivisten der linken Szene in Potsdam nicht widerspruchslos hinnehmen. Sie bildeten eine Gruppe, die sich »Patient:innen gegen die kapitalistische Leidkultur« nennt und organisieren eine Demonstration unter dem Motto »Solidarische Zukunft statt Kapitalismus«. Treffpunkt ist am 24. April, um 14 Uhr, das Rathaus Babelsberg. Von dort soll es durch das Zentrum Ost in die Innenstadt gehen. Anmelder Simon Wohlfahrt rechnet mit mehreren hundert Teilnehmern. In Brandenburg seien bei über 100 Corona-Infektionen je 100 000 Einwohner binnen einer Woche aber nur noch Demonstrationen mit maximal 100 Menschen erlaubt, erläutert er. Potsdam hat die Grenze überschritten. Deshalb sollen die Teilnehmer gegebenenfalls auf weitere Aufzüge verteilt werden, die vor Ort noch schnell angemeldet werden. So sei es mit der Polizei abgesprochen, sagt Wohlfahrt.

Sein Mitstreiter Jibran Khalil versichert: »Wir nehmen dieses Virus ernst. Es sind so viele Menschen gestorben. Wir beachten natürlich die Abstandsregeln, wenn wir am Samstag auf der Straße sind.« An der frischen Luft sei die Ansteckungsgefahr allerdings nicht so hoch. Es gehe auch um das Recht auf Demonstrationsfreiheit.

Reichtum umverteilen, Mieten senken, Krankenhäuser vergesellschaften, Patente der Impfstoffe freigeben, Natur und Klima schützen, Sammellager für Flüchtlinge auflösen - das sind die Kernforderungen. »Es darf kein Patent auf ein lebenswichtiges Medikament geben«, findet Maren Schulze, von der die Idee für eine solche Demonstration stammt. Es soll am Samstag Kritik an der verfehlten Corona-Politik von Bundes- und Landesregierung geübt werden, ohne dabei Verschwörungsmythen zu verbreiten. Der Termin soll auch ein Angebot an all jene sein, die mit einzelnen Corona-Maßnahmen nicht einverstanden sind, die dagegen protestieren möchten, die aber Demonstrationen fernbleiben wollen, bei denen Rechte mitlaufen. »Wir wollen das Feld nicht den sogenannten Schwurbelern überlassen«, betont Simon Wohlfahrt. »Wir wollen nicht gegen Masken demonstrieren. Masken sind lästig, aber notwendig.« Es laufe eine radikale Umverteilung von unten nach oben. Da müsse man die Systemfrage stellen. »Wenn das dann als linksradikal bezeichnet wird, dann ist das halt so.«

Angesprochen von diesem Protest fühlt sich auch Anna Duksch. Sie engagiert sich bei Fridays for Future und bemerkte, dass das Anliegen dieser Bewegung langsam aus der gesellschaftlichen Debatte verschwinde. Sie fragt: »Wie wollen wir mit der Klimakrise umgehen, wenn wir schon an der Coronakrise scheitern?«

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