Das Versprechen der Tautropfen

Das Heilkraut Frauenmantel kann prämenstruell für Entlastung sorgen

  • Von Anke Nussbücker
  • Lesedauer: 5 Min.
Der Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse.
Der Frauenmantel gehört zur Familie der Rosengewächse.

Die Pflanze mit dem Namen Frauenmantel wächst auch hierzulande, vorwiegend in schattigen und feuchten Lagen. Ein Tee oder Extrakt von Frauenmantel hilft bei typischen Frauenbeschwerden wie Periodenschmerzen, Migräne oder Wassereinlagerungen in den Tagen vor den Tagen (als Prämenstruelles Syndrom - PMS - zusammengefasst). Die Inhaltsstoffe der Pflanze können zu einem besseren Gleichgewicht zwischen den Hormonen Östrogen und Progesteron beitragen, aber auch einen leicht erhöhten Blutdruck senken oder Husten und Schnupfen lindern.

Eine Kur mit täglich drei Tassen Frauenmanteltee über zwölf Wochen ist einen Versuch wert, bevor härtere Geschütze wie Hormone oder Antidepressiva zum Einsatz kommen. Besonders im zweiten Jahr der Pandemie bietet sich das Heilkraut für Frauen und junge Mädchen an, die sich im Rahmen der angeordneten Corona-Maßnahmen sehr gestresst, verängstigt bis panisch oder resigniert fühlen und denen im Alltag erst dann Entspannungszeiten gegönnt werden, wenn sie sich nur noch über prämenstruelle Symptome Luft machen können.

Bei zahlreichen Frauen dauert es eine längere Zeit, bis sie nach einer stress- oder konfliktgeladenen Situation wieder ein emotionales Gleichgewicht erlangen. Oftmals beginnen Reizbarkeit, Panikattacken, häufigeres Streiten, Schimpfen und Zornesausbrüche als Begleiterscheinung des Prämenstruellen Syndroms bei Frauen einige Monate oder auch Jahre nach der Geburt des ersten Kindes. Dann sind Frauen im täglichen Alltag plötzlich viel mehr gefordert. Meist tragen sie die neue Verantwortung mit viel Hingabe. Werden sie aber zu wenig unterstützt oder sind die Haushalts- und Erziehungsaufgaben sowie die Chancen zur Berufstätigkeit ungerecht verteilt, empfinden Frauen dieses Manko an den Tagen vor der Menstruation besonders stark.

Aber auch kinderlose Frauen spüren die hormonellen Schwankungen. In diesen Momenten treffen Frauen häufig die Entscheidung, etwas Grundlegendes zu ändern, und kommunizieren ihren Änderungswillen rigoroser. Genau dann kann es zum Streit mit dem Partner, mit Angehörigen oder Außenstehenden kommen. Das als krankhaft abzutun, wird den Frauen nicht gerecht. Frauenärztin Christiane Northrup versteht die Anzeichen von PMS als einen Weckruf für anstehende Veränderungen.

Jedoch gibt es auch körperliche Symptome in den Tagen, bevor die Menstruation einsetzt, wie Brustspannen, Rückenschmerzen oder Nachtschweiß, verbunden mit gestörtem Schlaf. Für diese vielfältigen Beschwerden ist dieses Kraut gewachsen, das Mädchen und Frauen den Mumm gibt, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Frauenmantel ist an den gelben Doldenblüten und seinen kelchförmigen, gelappten Blättern zu erkennen, dessen Ränder gezahnt sind. An diesen Zähnchen scheidet die Pflanze kleine Wassertröpfchen aus, die sich in der Mitte der gefalteten Blätter zu einem größeren Tropfen sammeln. Das Glitzern dieses Wassers regte zu verschiedenen Namensgebungen an wie Taukraut, Taufänger, Taumantel oder Perlkraut. Der lateinische Name Alchemilla vulgaris stammt aus der Zeit der Alchemisten, den Goldmachern des Mittelalters, welche den Tropfen in den Blättern als Flüssigkeit zum Gold machen interpretierten.

Die Bezeichnungen Frauenrock, Weiberkittel, Frauenhilf oder »Ladys mantle« im englischen Sprachraum weisen auf die wichtigste Anwendung der Heilpflanze hin. Die Inhaltsstoffe des Frauenmantels wirken entzündungshemmend und adstringierend, also zusammenziehend. Beim Trinken eines Tees von Frauenmantel bemerkt man diese Eigenschaft an dem leicht pelzigen Gefühl auf der Zunge und im Rachenraum, das von den Tanninen, also pflanzlichen Gerbstoffen, herrührt. Weiterhin sind Flavonoide enthalten, zum Beispiel das Luteolin in den gelben Doldenblüten. Dem Inhaltsstoff Rutin, der von Buchweizen oder Weinlaub bekannt ist, verdankt der Frauenmantel seine gefäßstärkende und venenkräftigende Eigenschaft, die einer übermäßigen Wassereinlagerung in den Beinen oder einer Venenthrombose vorbeugt.

Das Kraut hilft aber nur dann, wenn auch regelmäßige Bewegung der Wadenmuskulatur gewährleistet ist sowie langes Stehen und Sitzen vermieden werden kann. Bei einem erhöhten Risiko für Thrombosen sind Kompressionsstrümpfe und Blutverdünner trotzdem notwendig. Hier kann die Pflanze vermutlich nur lindernd wirken.

Lange Zeit gab es kaum wissenschaftliche Studien für die Anwendung von Frauenmantel. Die Schulmedizin erkannte nur die Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt, etwa bei Durchfall, an. Inzwischen wurden jedoch einige Studien zur Wirksamkeit von Frauenmantel durchgeführt, die aufhorchen lassen. Die beachtliche diuretische, entwässernde Wirkung von Tee oder Kapseln mit Frauenmantelextrakt erklärt die Minderung eines leicht erhöhten Blutdrucks. Auch wenn die Elastizität der Blutgefäße durch den Inhaltsstoff Rutin verbessert wird, kann der Blutdruck etwas absinken.

Die Verwertung von Zucker, die sich bei absinkenden Hormonwerten verschlechtern kann, wird durch Frauenmantel ebenfalls verbessert, wodurch sich eine indirekte Beeinflussung von Stimmungslage und Konzentrationsfähigkeit ergibt. Die Heilwirkung bei typischen Frauenproblemen wird nur auf wenig bewiesene Erfahrungen zurückgeführt. Frauenmantel gilt hierbei als sogenannte Progesteron-Pflanze, das heißt, ihre Inhaltsstoffe docken an Rezeptoren für Progesteron an. Dieses Hormon, auch als Gelbkörperhormon bezeichnet, wird vor allem in der zweiten Zyklus-Hälfte im Körper der Frau ausgeschüttet. Kommen nun emotionale Belastungen und negativer Stress in dieser Zyklus-Phase »dazwischen«, wird dieses sensible Hormongeschehen beeinträchtigt. Gibt es über längere Zeiträume immer wieder stressige Phasen, so verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Progesteron und Östrogen. Der Östrogenspiegel ist dann vergleichsweise zu hoch. Eine Folge kann sein, dass ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Einige Experten interpretieren das prämenstruelle Syndrom als eine Folge von Östrogendominanz, die auch dazu führen kann, dass Schilddrüsenhormone nicht richtig arbeiten können. Frauenmantel, aber auch Schafgarbe oder Mönchspfeffer können hier regulierend eingreifen, wobei Frauenmantel etwas sanfter und für manche Frauen besser verträglich ist als Mönchspfeffer.

Zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr erfolgt bei Frauen ein naturgegebenes und normales Absinken des Progesteronspiegels. Meist sinkt der Progesteronwert schneller als der Östrogenspiegel. In dieser Zeit der Prämenopause können Frauenmantel und Schafgarbe ebenfalls helfen, körperliche Symptome zu lindern und emotional gelassener zu bleiben.

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